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Einen Film wie „Killshot“ zu besprechen, ähnelt vermutlich einer Autopsie an einem Unfallopfer, dass von zwanzig Autos überrollt wurde: man bekommt etwas, was dem ursprünglichen Objekt nur noch sehr entfernt ähnelt und kann es dann als sinnlos gleich abharken/eintüten oder versucht zu spekulieren, was es denn mal gewesen sein könnte.

Gedreht vom „Shakespeare in Love“-Regisseur John Madden, ein Mann mit Gefühl und interessiert an Charakteren und Beziehungsgeflechten, hat die Romanverfilmung von Elmore Leonard einen langen Weg hinter sich: schon vor drei Jahren gedreht, mit zahlreichen Nachdrehs und Umschnitten und katastrophalen Testergebnissen (wobei Testscreenings ein zweifelhafter Wert sind, je nachdem wie demographisch man dabei vorgeht) und langwieriger Einlagerung, erreicht unsere Kinos jetzt doch noch eine Art Rumpffassung dieses Films, der wohl auf das Wesentliche einkondensiert wurde.

Das ist, bei allem Wohlwollen, ein solider kleiner Thrillerplot aus der B-Movie-Ecke, wie sie zu Dutzenden in unseren Videotheken in die Regale fallen, mit relativ bekannten Gesichtern für Filmfans, aber ohne extreme Starpower.
Das ist schade, denn obwohl der Film praktisch nur von seinen fünf Hauptrollen lebt (bzw. von vieren davon), umweht einen die Ahnung, daß es vorher mal ein „anderer Film“ gewesen ist, einer der Krimi mit Drama verband, der sich stark auf das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren konzentrierte und auf Wirkung und Reaktionen setzte.

Die Geschichte von dem alternden Profikiller, der stets alle Zeugen seiner Taten beseitigt und in einem hypernervösen Kleinkriminellen eine Art zweiten kleinen Bruder (der Erste erschossen) sieht und mit ihm vor dem Problem steht, ein zerstrittenes und um Kittung (oder auch nicht) bemühtes Ehepaar aus Sicherheitsgründen zu meucheln, ist wirklich Konzentration auf das Vordergründige.
Richtig substanziell ausgebaggert wird die komplizierte Konstellation der Figuren zueinander nämlich nicht mehr, die bizarre, ungewollte Erziehung des kriminellen Tölpels zu einer eiskalten, misanthropischen Kopie seiner Selbst und der Widerwillen vor der eigenen Figur, kommen zwischen Mickey Rourke (wirkt wie sediert) und Joseph Gordon-Levitt (nervt unendlich von der ersten Sekunde an) nur bedingt zum Tragen und wirkt so leider aufgesetzt.
Dazu will das Ehegeplänkel zwischen Diane Lane (Trauer und Verschlossenheit) und Thomas Jane (reine Physis mit ungebremst panischer Emotion) leider gar nicht passen, wobei die Positionen der beiden sich nur erklären, indem sie ständig wieder aufgesagt werden – letztendlich hat man mit ihm Mitleid und sie wirkt nur noch rätselhaft, wo denn nun eigentlich das Problem der Beziehung zu finden war.
Rosario Dawson als sträflingsgeiles Mäuschen mit Elvis-Tick wirkt übrigens dabei ebenso redundant wie der Handlungsstrang um Johnny Knoxville total entfernt wurde.

So werden also fleißig Handlungswinkel gezogen und abgehakt und führen dann doch nur zu einer unausweichlichen Konfrontation, deren Tragik leider unkenntlich ist und sich auf die reine Aktion konzentriert.

Dabei ist technisch alles in Ordnung, der Film kann solide unterhalten und bietet auch ein gehöriges Maß an (ruhiger) Spannung und einigen Ausbrüchen an Gewalt, die durchaus Eindruck machen.

So kann man „Killshot“ als kleinen Thriller durchaus ansehen, doch seine souveräne Kino-Identität hat Maddens Film leider komplett eingebüßt; er ist nicht komplett seelenlos, aber latent mechanisch in der Vorhersagbarkeit seiner Abläufe und seichter in den Charakteren, als gut für ihn gewesen wäre.
Das heißt nicht, daß sich für so etwas keine Freunde finden, doch die sind aus dem B-Sektor und sammeln die kleinen Filme und dafür gibt es kreativ keine Credits. Nett gemeinte 5/10!

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