Review

Filme über die Killerbranche gibt es ja zu genüge. Jedes Jahr werden solche Filme en masse runtergekurbelt und dem Cineasten serviert. Mal lustig wie in "You Kill me" oder "Cold Blooded" oder auch Actionreich wie in "Assasins". "Killshot" gehört eher in die letzte Kategorie und kommt als kleiner Thriller mit ruhigem Aufbau daher und in der Hauptrolle sehen wir das Comeback der letzten Jahre: Mickey Rourke!

Der Stahlarbeiter Wayne Colson und seine Frau Carmen befinden sich mitten in einer Ehekrise. Damit nicht genug: Als zwei Ganoven Wayne mit einem ihrer Erpressungsopfer verwechseln, gerät die Situation außer Kontrolle. Wayne schlägt sie in die Flucht und macht damit seine Frau und sich zum Ziel des ungleichen Hitman-Duos Richie Nix und Armand Degas. Das FBI schleust das Ehepaar in das Zeugenschutzprogramm ein aber hat die zwei Killer geben nicht so leicht auf!

Das Skript von Hossein Amini ("The Four Feathers") basiert auf dem Buch von Elmore Leonard, welcher in Hollywood schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Zu seinen Werken zählen Western ("Todeszug nach Yuma") Krimis ("The Rosary Murders") und Thriller ("Jackie Brown"). Nun haben sich Lawrence Bender ("Reservoir Dogs") und Co. dem Stoff von "Killshot" angenommen und auf die großen Leinwand gebracht.

Was gab es im Vornerein nicht für ein großen Hick Hack um den Film. Er wurde fertig gestellt und konnte weder die Kritiker bei Testscreenings begeistern noch die Produzenten waren mit dem ersten Entwurf einverstanden. Also wurde der Film nach diversen Nachdrehs in die Giftkammer der Weinstein Brüder gebracht und erst nach sehr langer Zeit in die Kinos gebracht. Außerdem war Hauptakteur Rourke nur der Ersatz für den abgesprungenen John Travolta ("Face/Off"), der eigentlich mit Quentin Tarantino ("Pulp Fiction") das Hitman Duo verkörpern sollte. Außerdem fiel die ganze Rolle von Johnny Knoxville ("Jackass") der Schere zum Opfer. Die ganze Produktion war also nicht von sehr viel Glück behaftet. Man kann jedoch sagen, dass man sich noch relativ ordentlich aus der Affäre gezogen hat und ein zweites "A sound of Thunder" vermieden hat, wo die Probleme ähnlich hoch gewesen sind.

Der Film beginnt in kühlen schwarz weiß Tönen und bringt schon mal ein gewisses Feeling für das bevorstehende Szenario auf. Das Tempo des Filmes ist eher ruhig. Ab und an werden zwar Actionszenen eingestreut und auf die Dramatik gesetzt aber dies geschieht nur in dosierten Mengen. Die Actionszenen entsprechen dem Durchschnitt und werden meistens nur in Schusswechseln gezeigt. Als Zuschauer hätte man sich über ein paar Actioneinlagen mehr gerne gefreut, da es ab und an doch eher langweilig wird. Gerade zum Ende hin spielt sich kaum nennenswertes ab und der Film plätschert vor sich hin.

So richtig spannend will es leider auch nie werden. Überraschungen bleiben aus und auch sonst hält sich die Spannung in Grenzen. Gerade das Spiel zwischen Killer und Opfer bleibt blass und sehr oberflächlich. Zwar kommt zum Ende hin noch ein wenig Spannung auf, wenn Killer Richie die Nerven völlig verliert. Der Genrefan hat jedoch auch sowas schon mal um einiges besser gesehen.

Entäuschend ist ebenfalls die Beschreibung des Ehepaares und Ihrer Ehekrise geworden. Es werden kaum Fragen geklärt und die Themtik nur Grundschulhaft behandelt. Auch die Beweggründe der beiden zur Scheidung bleiben im Dunkeln verborgen. Die Gefühlsbindung zwischen Zuschauer und Darsteller findet zu keinem Zeitpunkt statt und büßt jegliche Dramatik ein.
Hinzu kommen ziemliche Schwächen bei den Dialogen, die pseudomäßig wirken und aufgesetzt daher kommen.

Die Regie unter dem Genreneuling John Madden ("Proof"), fällt auch eher schwach aus. Der Brite der mit "Shakespeare in Love" einen großen Hit gehabt hatte, ist eher auf Themen wie Liebe, Romantik und Drama spezialisiert . Wie schon in "Correlis Mandoline" kann er auch hier keine Glanzpunkte setzen oder sich irgendwie auszeichnen. Die Inszenierung wird solide heruntergekurbelt, als hätte Madden Angst Fehler zu machen. Im Großen und Ganzen wirkt alles langweilig mitunter behäbig und ohne zündende Ideen.

Der dazugehörende Cast hört sich vom Papier gar nicht zu übel an. Als Hauptdarsteller konnte Mickey Rourke ("Johnny Handsome") verpflichtet werden, der im Moment seinen zweiten Frühling durchmacht. Mit "Sin City" hatte er sich wieder ins Spiel gebracht und durch seiner Darstellung in "The Wrestler" war er wieder voll im Geschäft und wurde fast mit einem Oscar belohnt. Die Rolle des Bösewichts Armand Degas, der durch seine Indianische Abstammung den Spitznamen "Blackbird" verpasst bekommen hat, spielt er solide runter, wenn auch mehr aus dieser Rolle heraus geholt werden könnte. Die Figur bleibt zwar kalt und gefühlslos doch so richtig unter die Haut geht einem das Dargebotene nicht.
Seine Gegenspieler sind das Ehepaar Colson, gespielt von Diane Lane ("Unfaithful") und Thomas Jane ("Punisher"). Gerade Lanes Schauspiel ist wie schon in "Untraceable" eher dürftig und kann bis auf Ihren weinerlichen Ausdruck keine Akzente setzen. Ihre Rolle nervt und bringt zu keiner Sekunde irgendwelche Symapthien für Ihre Rolle auf. Thomas Jane agiert routiniert und wie man ihn kennt. Seine Rolle füllt er solide aus, wenn er auch hier nicht als Actionheld glänzen darf, wie seine Fans es von ihm lieben.
Der zweite Bösewicht und "Blackbirds" rechte Hand ist der Kleinganove Richie Nix, der von dem Shooting-Star Joseph Gordon-Levitt ("Brick","The Lookout") gemimt wird. Mit der Rolle kämpft er gegen sein bisheriges Image als "Good Guy" relativ gut an. Levitt gibt sich zwar große Mühe, doch er überspannt den Bogen und wirkt nicht immer böse sondern rutscht ab und an ins Alberne ab. Das beste Beispiel ist der Überfall auf das Immobilien Büro, wo er an einem Elchkopf rüttelt. Das erinnert eher an ein Kleinkind, als an einen Profi. Jedoch muss man sagen, dass er seine Rolle von den vier Hauptdarstellern noch am Besten verkörpert.
Nebenbei wird noch Rosario Dawson ("Death Proof") in einer x-beliebigen Rolle verbraten und kommt auf ziemlich wenig Screentime und der alte Hollywood Recke Hal Holbrook ("Callahan") darf ebenfalls kurz mitmischen.

Nach soviel Kritik hat der Film aber auch seine guten Seiten. Der Score von dem deutschen Klaus Badelt ("16 Blocks") ist ziemlich gut gelungenen. Er unterstreicht die Grundkälte des Filmes und bringt den Film in punkto Spannung und Dramatik gut voran. Die Atmosphäre ist ebenfalls akzeptabel. Sie ist nah am Geschehen und man spürt förmlich die Kälte des Schnees. Gerade beim Beginn merkt man auch die Kälte der Rolle des Degas und den Vorspann in schwarz weiß zu erzählen, war nicht übel auch wenn es künstlerisch in die Hose ging. Er wirkte doch zu sehr bemüht.

Das Beste am Film ist aber das Aufeindertreffen der zwei verschiedenen Hitman. "Blackbird" auf der einen Seite und Richie auf der Anderen. Wo der erstgenannte reich an Erfahrung ist und auch mal mit dem Kopf arbeitet, ist der andere unkontrolliert und leichtsinnig. Gerade das Zusammenprallen dieser zwei Pole macht den Film noch am ehesten Sehenswert. Diese Grundkonstellation erinnert aber stark an "Cohen & Tate" mit Roy Scheider ("Jaws"). Zwar wird "Killshot" nicht so gut dargestellt wie dort aber bleibt in diesem Belangen auch nicht gerade uninteressant.

Fazit: Hätte Mickey Rourke in letzter Zeit nicht den großen Erfolg geerntet, wäre der Film womöglich irgendwann auf DVD rausbekommen. Was auch besser gewesen wäre, denn für die große Leinwand ist der Film leider nicht geschaffen. Die Spannung lässt zu Wünschen übrig, die Eheprobleme werden oberflächlich behandelt und alles wirkt vorhersehbar. Die Darsteller spielen ihren Stiefel herunter und nur Joseph Gordon-Levitt lässt ab und an sein Talent aufblitzen. Allerdings verfügt der Film über eine halbwegs gelungene Atmosphäre, einen prima Score und einem spannenden Verhältnis zwischen den beiden Killern.
Ein solides Werk ohne echte Höhepunkte, was zwar unterhalten kann aber schnell wieder vergessen ist.
Von mir gibts 5,5/10

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