Wong Kar OhWei
Fast jeder der ganz großen internationalen Filmemacher will es irgendwann wissen, die Asiaten vielleicht sogar am ehesten: „Schaffe ich es auch in Hollywood?“. Und als Wong Kar Wai in Hong Kong ein paar der hübschesten und mysteriösesten und gefeierteren Filme des Weltkinos abgeliefert hatte, schon längst eine Legende war und er eigentlich niemandem mehr irgendetwas beweisen musste, zog auch er in die Traumfabrik und versuchte sein Glück. Allerdings mit „My Blueberry Nights“ nur sehr kurzzeitig und nahezu ohne Erfolg, weder monetär noch künstlerisch… Aber ist „My Blueberry Nights“ wirklich ein Misserfolg? Oder gar ein schlechter Film? In dieser verträumten Noir-RomCom folgen wir einer unglücklich Verliebten und Verlassenen (Norah Jones), die in einem kleinen Café in Coney Island scheinbar ihren Seelenverwandten (Jude Law) findet und danach solo in ein kleines Abenteuer quer durch Amerika startet, um ihren Liebeskummer endlich abzuschütteln und zu erkennen, dass andere Leute noch sehr viel größere Probleme in ihrem Leben haben…
Blaubeerkuchenmood
Ich mag die erste Hälfte und die Atmosphäre in „My Blueberry Nights“ eigentlich ganz gerne. Noch immer kein Vergleich zu „In The Mood For Loce“, „2046“ und Co., eine ganz andere Liga, aber definitiv nicht von schlechten Eltern. Erst recht im Vergleich zu dem, was sonst aus Hollywood kommt. Die Neonlichter und der Blues der Jones, der Charme des Jude und das legere Kennenlernen der beiden. Das entfaltet schon eine Wärme und Gemütlichkeit, fast Nostalgie und fraglos Melancholie, die man nicht leugnen kann. Man meint den Blaubeerkuchen fast zu riechen und zu schmecken. Leider kann ich dann mit der zweiten Hälfte rund um den Roadtrip von Norah Jones' Hauptfigur weniger anfangen, die dann auftretenden und beilaufenden Nebengeschichten wirken sehr austauschbar und generisch. Trotz Natalie Portman. Und allgemein ist die Chemie zwischen Law und Jones (die zudem auch keine allzu gute Mimin scheint) eher lauwarm. Daher plätschert „My Blueberry Nights“ ein gutes Stück vor sicher her und packt mich nicht genug, wirkt in seinen schlimmeren Momenten sogar cringy und eher wie eine versuchte doch nie ganz gekonnte Kopie von WKW, nicht wie er selbst oder gar der nächste Schritt in seiner Entwicklung und Kunst. Und das tat ihm persönlich dann wohl fast am meisten weh, da seine Karriere danach nie mehr dieselbe war und fast zum Erliegen gekommen ist…
Captain Blaubeer
Fazit: WKW's Stil, Aura und Magie lassen sich nicht einfach in Hollywood duplizieren oder an das Dortige anpassen. Auch von ihm selbst nicht. Und dennoch ist „My Blueberry Nights“ deutlich hübscher, sinnlicher, romantischer und melancholischer als es westlicher Standard-RomCom-Quark ist. Daher geht die Rechnung insgesamt zwar nicht auf - der Rechenweg verlangt aber Teilpunkte und grundsätzlichen Respekt!