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Ratten kann ich, wie die meisten Menschen nicht ausstehen. Es sind ekelhafte furchteinflößende Tiere. In zahlreichen Horrorfilmen und in der phantastischen Literatur sind sie meistens die Vorboten des Bösen und ziehen eine Welle von Unheil und Krankheiten  mit sich. Dabei sollen sie eigentlich doch recht intelligent und so gar nicht boshaft wie man glaubt. Trotzdem umso erstaunlicher ist es das sich Pixar gerade diese weniger possierlichen Tierchen ausgesucht hat um Hauptrollen in einem Animations  Film die Hauptrolle zu spielen. Eine Mutige Wahl, noch dazu spielt ein großer Teil der Handlung in der Küche. Wohl einer von den  Orten  wo man am wenigsten eins dieser Tierchen sehen möchte.

Die Handlung selbst wirkt zunächst nur allzu typisch für diverse Animationsfilme. Innerhalb einer Gruppe  von Ratten kann nun eine junge Ratte namens Remy etwas Besonderes. Sie riecht gutes Essen und hat ein Gefühl für gute Speisen. Die typische Geschichte würde nun so verlaufen, dieses Tier wird verstoßen und kehrt retour als großer Held. Nicht so ganz hier, nach einer aberwitzigen Action Animationsszene mit einer schießwütigen Oma wird Remy von der Gruppe getrennt und gelangt nach Paris. Wie und warum jetzt diese Ratte gerade in der Küche des berühmten Pariser Kochs Jacques Gusteau landet soll nicht verraten werden. 

Was sich hier abspielt ist wie für solche Filme doch recht üblich leicht trivial aber komisch. Als komisch ist neben den witzigen Animationsverfolgungsszenen auch vor allem eine Szene zu nennen. Der Ober kommt völlig aufgelöst in die Küche und sagt, dass ein Gast etwas Neues bestellt hat. Natürlich folgt unter dem Küchenpersonal jetzt Slapstick artige Action und Chaos pur. Wirken interessanterweise die Nebenfiguren doch recht ausgeprägt, so fehlt es an der zweiten menschlichen Hauptfigur Linguini doch etwas an typischen Charakteristika. Vielleicht auch so gewollt, um so seine eher Durchschnittlichkeit  und Unscheinbarkeit zu unterstreichen.

Doch nur nach der Handlung sollte man Ratatouille nicht beurteilen. Natürlich ist der Film Stand der Technik, doch er wirkt sehr liebevoll und detailtreu gestaltet. Fangen wir bei der Gestaltung der Ratten an. Es wurde wirklich darauf geachtet, dass jede Ratte, selbst die unwichtigste, anders ausschaut. Haare, Augen alles scheint in Bewegung zu sein. Neben den Tieren sind aber auch die Menschen perfekt gelungen. Zum Teil könnten sie auch von dem österreichischen Zeichner Manfred Deix (da wären sie vermutlich um eine Spur hässlicher!), oder auch aus diversen bekannten französischen Comics entstammen. Vor allem die Figur des Kritikers Anton Ego, als auch des kleinen Chefkochs Skinner  ist gelungen. Anton Ego ein großgewachsener Kritiker mit leichtem Buckel. Sehr schön und sehr gut ist es wie her auch gleich mal über die Kritiker drübergefahren wird. Hoffe dass sich der eine oder andere Film Kritiker auch darin wieder erkennt und lachen kann. Skinner ist wiederum ein kleiner selbstgefälliger eitler Chefkoch der skrupellos den Namen Gusteaus ausnehmen will. Von Gusteaus sympathischem Motto „ Jeder kann kochen“ hält er halt nicht viel. Der eine oder andere Seitenhieb auf Tiefkühlkost darf nicht fehlen.  So nebenbei erfährt man auch einiges übers Kochen und was Ratatouille ist. Einen Sinn für Komödie, die sich vom reinen Klamauk abhebt kann man den Machern nicht absprechen. Sehr positiv für mich: Kein schnulziger oder extrem lustiger Gesang. Auch aus diesen Gründen hebt sich aus meiner Sicht Ratatouille von diversen Vorgängern ab.  

Wirklich beeindruckt war ich aber wie schon vorher erwähnt von der sensationellen und kunstvollen Gestaltung der Animationen. Selbst wenn das Tempo rasend schnell wird oder plötzlich langsam so wirkt es doch fast schon real. Die Verfolgungsjagt quer durch Paris zwischen Skinner und Ratte möchte ich hier erwähnen. Es wurde darauf geachtet alles so real wie möglich darzustellen. Paris wird als die Traumstadt dargestellt als die sie Touristen gerne sehen und was sie auch in weiten Teilen ist. Die Figuren wurden perfekt eingefügt, auf Sonnenstrahleinwirkung, Schatten, Blätter, Pflasterstein etc. … wurde akribisch geachtet. Vielleicht ist Ice Age und Shrek dank ihrer lustigen Figuren (und dank Sprecher wie Otto Waalkes oder Eddie Murphy) lustiger, aber als ganzes hat Ratatouille einen bessern Eindruck auf mich gemacht. Ratatouille wirkt gezeichnet ist aber Computer animiert. Und doch merkt man Figuren und der erschaffenen Welt eine gewisse Liebe zum Detail, Sorgfalt und Kunstfertigkeit an. So erzeugt er eine ähnliche Atmosphäre wie in großen und schönen Zeichentrick Klassiker wie Susi und Strolchi u.ä. Erfolgen …

Wunderbar wenn man in eine Animationswelt richtiggehend entführt wird. So kann man kurz den doch eher grauen Alltag entfliehen. Ein kurzes Entfliehen zwar denn nach gut 111 Minuten ist leider alles wieder vorbei. Ob man als Zuschauer die Vielzahl der Kleinigkeiten oder wirklich alle Bilder fassen konnte, bezweifle ich fast. Am Ende gab es im Kinosaal sogar Applaus, weil es doch so schön war. Habe ich selbst erst ganz selten erlebt. Ein Genuss für die Augen, die sich nach dem Ende der Vorstellung erst mal wieder auf die eher dunklen Straßen und Seiten der Realität gewöhnen müssen. Auch die Nachrichten möchte man gar nicht ansehen, denn schon wieder drohen Krawalle in Paris. Doch für kurze Zeit kann man im Kinosaal in eine zauberhafte bunte (und hervorragend animierte) Welt entkommen.

I told them I would ask!

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