Die Pixel-Künstler von Pixar haben nun schon mehrfach das geschafft, was man sich vor 15 Jahren wohl nicht hätte vorstellen können: Sie haben mittels digitaler Computertechnik Filme mit Herz erschaffen, die nicht nur immer wieder perfekt aussehen (mit jedem neuen Film „perfekter“), sondern auch durch ausgefeilte und menschliche Drehbücher überzeugen können. So liegt das Hauptaugenmerk des Zuschauers nie auf den tollen digitalen Effekten, sondern immer auf der Story, den Charakteren und den Emotionen, die der Film auslöst.
Pixar erschaffen mit Hilfe modernster Technologie witzige und weise Einblicke in Mikrokosmen, die mit Hilfe gängiger Realfilmtechnik nicht möglich wären und mittels Zeichentrick wohl zu realitätsfremd wirken würden. Insofern ist die digitale Computeranimation ein geniales Werkzeug, mit dem die Pixarverantwortlichen aber auch nicht minder genial umgehen, um außergewöhnliche Geschichten aus noch außergwöhnlicheren Blickwinkeln zu präsentieren. Dies begann schon in „Toy Story“ von 1995, der sich der Idee widmete, dass das Spielzeug ein Eigenleben führt, wenn es unbeabachtet ist. „Das große Krabbeln“ beschäftigte sich mit der Insektenwelt und den großen Abenteuern, die im ganz Kleinen geschehen. „Findet Nemo“ beleuchtet die Odyssee eines Fisches durch gewaltige wie beeindruckende Meere. Die Reihe ließe sich ohne Probleme fortsetzen und sie endet (im Moment) mit „Ratatouille“. Wieder wird ein ungewöhnlicher Protagonist gewählt: Eine Ratte in der Großstadt Paris. Ratten sind in der Regel verachtete Tiere, die ihr Leben im Verborgenen führen müssen, immer auf der Flucht vor den Menschen, die meist nach dem Tod der Nager trachten. Charakteristisch für Ratten sind das Leben im Rudel und ihr maßloser Appetit auf alles, was sich irgendwie verschlingen lässt. Der Protagonist namens Remy in „Ratatouille” schlägt da ein wenig aus der Art, denn er ist von seinen Artgenossen angewidert und selbst eher wählerisch, was das Essen angeht. Keine Lust mehr, im Müll zu wühlen, trachtet er nach den großen Düften und Geschmäckern, die die kulinarische Welt der Menschen bereit hält. Diese so einfache wie geniale Ausgangslage zeichnet „Ratatouille“ aus. Die tolle Optik, die grandiosen Verfolgungsjagden und der wunderbare Soundtrack bilden da nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Ohne die lustige, wie herzergreifende Story wirken auch die tollsten optischen Effekte nur wie kaltes, tristes Beiwerk.
Die Filmemacher aus der Pixarschmiede schaffen etwas, was anderen Filmemachern in der Regel verwehrt bleibt: Sie übertreffen sich mit beinahe jedem Film. Hinterließ „Toy Story“ ein Staunen auf den (meist kindlichen) Gesichtern, werden ihre Filme immer allgemeingültiger. Von Kinderfilmen, die sich auch Erwachsene ansehen können, wurden nach und nach Filme, die unabhängig vom Alter des Zuschauers goutierbar waren. „Findet Nemo“ war noch so ein Hit, den man eigentlich nur schwer überbieten kann. Doch Pixar konnte: Spätestens mit dem letzten Werk „Ratatouille“ erschufen sie einen Film, der zu Recht jeden (auch „ernsthaften“) Filmkritiker mit der Zunge schnalzen ließ.
Neben der schon gelobten Menschlichkeit in Story und Charakteren kann hier vor allem das wunderschöne Set-Design überzeugen, das die Stadt Paris so zeigt, wie man sie sehen will. Nie zu klischeehaft, nie zu real, wirkt Paris wie ein riesiger, enorm stylisher und organischer Abenteuerspielplatz für unsere neuen Freunde rattischer Herkunft. Enge wie malerische Gassen, der Eiffel-Turm sowie die Seine liefern ein Setting, das beim Zuschauer wirkliche Lust auf einen Kurztrip in die Stadt der Verliebten macht. Dass man bei dem ganzen Sight-Seeing meist einer Ratte folgt, wirkt dabei wie das Natürlichste der Welt. Womit wir bei einem weiteren enorm wichtigen Kriterium des Films kommen: Obwohl vollkommen künstlich am Computer entstanden, wirkt alles in der Welt von „Ratatouille“ natürlich, organisch und läßt somit die totale Akzeptanz beim Publikum zu. Das schafft Platz im Kopf des Betrachters, der cleveren Story und den liebenswerten Dialogen zu folgen.
Die Pixar-Studios sind die Meister ihrer eigenen Kunstform, dem digitalen Trickfilm. Auch wenn die Konkurrenz nicht schläft und zum Teil wirklich tolle Filme kreiert (z.B. „Shrek“), gibt es doch keine weiteren Animationsfilme, die es momentan mit dem opulenten Pixar-Output aufnehmen können. Dafür stimmt es einfach zu sehr in den Pixar-Produktionen, die beinahe jährlich die Messlatte höher und höher legen. Folgerichtig kann man sich nur zurücklehnen, die bereits abgedrehten Werke ein ums andere Mal bewundern und gespannt den nächsten Output erwarten.
Fazit:
10 / 10