"Jetzt halt deine Klappe und iss deinen Müll!"
Pixar's achte am Computer entstandene Spielfilm-Produktion widmet sich diesmal den kulinarischen Genüssen und einer Tierspezies, die man eigentlich nicht in der Küche haben will. Nach Spielzeugfiguren, Insekten, Monstern, Fischen, Superhelden und Autos bevölkern nun Ratten großflächig die Leinwand und kommen eher putzig als abstoßend daher.
Die Ratte Remy verabscheut die Eßgewohnheiten seiner Artgenossen, ganz zum Unverständnis von seinem Vater. Statt sich an den verfaulten Abfällen der Menschen satt zu essen, bevorzugt er frische Zutaten, die er auch gerne zu einem Menü mischt.
Als die Rattenkolonie das bisherige Heim verlassen muss, wird Remy von ihr getrennt und landet direkt vor dem Pariser Restaurant des kürzlich verstorbenen Meisterkochs Gusteau. Dort sucht gerade Linguini, der angebliche Sohn Gusteau's, nach einer Arbeit. Der tollpatschige Junge wird von dem cholerischen Küchenchef Skinner als Gehilfe eingesetzt und ruiniert direkt eine Suppe. Remy erkennt dies und fügt weitere Zutaten hinzu um sie wieder wohlschmeckend zu machen. Tatsächlich kommt die Suppe bei den Gästen gut an und plötzlich steht Linguini als Koch im Rampenlicht. Allerdings ist er auf Remy angewiesen, der ihm unter seinem Hut versteckt, die Kunst des Kochens vorführt.
Der Stil von "Ratatouille" ist unverkennbar an seine direkten Vorgänger angelehnt. Die menschlichen Figuren sehen den comichaften aus "Die Unglaublichen" überaus ähnlich, die Wassereffekte wurden gegenüber "Findet Nemo" nochmals verbessert und die wenigen rasant inszenierten Abschnitte erinnern an das flotte Tempo aus "Cars". Dennoch geht der Animationsfilm völlig eigene Wege, was schon die sehr süß animierten Tier-Charaktere und das ungewöhnliche Thema suggeriert.
Das im Fokus stehende Thema um Zutaten und deren Verarbeitung wird nicht Jedermann schmecken. Pixar beweist viel Mut ein so spezielles Thema als Mittelpunkt in einen Animationsfilm zu setzen. Tatsächlich sind die zahlreichen Szenen, wo Topf und Kochlöffel zum Einsatz kommen nur dann interssant, wenn verrückte Situationen entstehen. Und dies ist nicht sonderlich oft.
Auch der Apell an sich selbst zu glauben und die bereits vielfach ausgewälzte Geschichte um den Aufstieg eines Außenseiters will so garnicht in die Reihe von Pixar's bisherigen Geschichten passen.
Dennoch funktioniert die in Frankreich spielende Handlung mit seinen zahlreichen sympatischen und süßen Figuren, auch wenn diese überwiegend farblos bleiben. Die Geschichte wird ereignisreich und nichtlinear erzählt, sodass es gegen Ende zu kurzen, obligatorischen Wendungen kommt.
An die surrealen Aspekte muss man sich gewöhnen. Das Verständnis zwischen Ratte und Mensch sowie die Tatsache, dass Remy Linguini wie eine Marionette an den Haaren bewegt ist zwar nich so weit hergeholt, wie sprechende Spielzeuge. Die Verküpfung aus der sonst glaubwürdig dargestellten Mensch- und Tierwelt mit den fantastischen Elementen wikt aber eher merkwürdig.
Ähnlich wie in "Findet Nemo" setzt Pixar diesmal eher wieder auf anspruchsvolle Unterhaltung und fährt den Humor sehr zurück. Die wenigen richtigen Brüller entstehen aus etwas Wortwitz und stark ausgeprägter Slapstick.
"Ratatouille" ist ein Musterbeispiel für beeindruckende Technik. Nicht nur die übliche Detailverliebtheit von Pixar ist hier gut zu erkennen. Die fotorealistischen Hintergründe sehen ähnlich real aus wie auch die bombastische Wasseranimation und das nasse Fell der Ratten. Tiefenschärfe-Effekte in den rasanteren Szenen machen das Bild angenehm plastisch. Und vor allem die Bewegungen der Ratten sind unglaublich flüssig.
Wenn der Abspann von "Ratatouille" läuft, fühlt man sich zwar gut unterhalten, richtig satt geworden ist man aber nicht. Die Geschichte schleppt sich in den ruhigen Momenten etwas dahin und das Thema ist gewöhnungsbedürftig. Dennoch unterhält der Animationsfilm durch seine herzerwärmenden Figuren und der spektakulären Technik. Etwas Feintuning bei den Charakteren, eine kürzere Laufzeit und mehr von den wenigen zum schreien komischen Situationen hätten dem familienfreundlichen Film gut getan.
7 / 10