Auf der Anderen Seite ist der zweite Teil von Fatih Akins unzusammenhängender Trilogie um Liebe, Tod und Teufel.
Wieder erzählt Akin zwei total unterschiedliche Filmhälften, die er virtuos miteinander kombiniert und erneut kommt er seinem Ziel ein Stück näher, als der nächste Fassbinder geadelt zuwerden.
Und das ist auch die Krux an der Sache.
Wie schon in seinen letzten Filmen inszeniert Akin sehr nüchtern und sachlich, fast schon zu deutsch, um einen international wirkenden Film zu zeigen.
Erneut muß ich Akin den Vorwurf machen, dass mich viele seiner Einstellungen und Szenen an andere Filme erinnern, ohne dass ich diese Filme benennen könnte, aber mittlerweile stört es mich doch schon sehr, da ich dadurch das Gefühl nicht loswerde, Akin wäre nach wie vor nicht eigenständig genug.
Ein Beispiel: Wenn Leute sterben, sieht man das nie, es passiert immer Off-Panel.
Ist eine gute Idee, und auch perfekt umgesetzt, dadurch zelebriert Akin den Umstand, dass es sich hier um einen Autorenfilm handelt, aber irgendwie weiß ich, dass das schon vorher vorhanden war.
An und für sich paßt ja alles schön ins Bild.
Aber die Tatsache ist, dass Akin bei den europäischen Kritikern sehr großen Zuspruch erhält und in den Himmel gelobt wird.
Man kann ihn also ruhigen Gewissens mit den großen Regisseuren heutzutage vergleichen?
Kennen Sie vielleicht Amorres Perros, 21 Gramm oder Babel?
Alles vom gleichen Regisseur. Alle drei Filme sind von beachtlicher Qualität.
Und zumindest Auf der Anderen Seite nimmt für sich in Anspruch, von seiner Geschichte, seiner Inszenierung, seinem Stil, ja sogar seiner visuellen Umsetzung mit jenen Filmen verglichen werden zu können.
Und genau diesem Vergleich kann Akin nicht standhalten, sein Film wirkt letztendlich zu provinziell, harmlos, kraftlos.
Die Schauspieler agieren wie bei fast allen Akin-Filmen gewohnt überdurchschnittlich, die Story gibt auch mehr her, doch Akins Inszenierung ist einfach nur noch zu europäisch (deutsch?) und irgendwie artifiziell.
Auch die Einbindung der Sittenwächter im Nuttenviertel wirkt zu aufgesetzt und künstlich. Und letztendlich ist so manche Nebenrolle irgendwie merkwürdig besetzt oder eingesetzt. Vieles wirkt dadurch nicht ganz rund.
Für jemanden der zweifelsohne als der nächste Fassbinder gefeiert werden will - vom Talent her allemal möglich - und der beste deutsche Regisseur sein will, macht Akin derzeit keine besonders gute Figur.
Ihm laufen wenn er nicht aufpaßt die nächste Generation von talentierten jungen deutschen Filmemachern vor die Nase und er gerät ins Hintertreffen.
Nichtsdestotrotz ist Auf der anderen Seite ein guter Film, der vieles richtig macht, nur er ist beileibe nicht so groß wie er sein will und nicht halb so raffiniert geschnitten oder verwoben wie die Werke des oben erwähnten Ausnahmemexikaners.
Und das läßt nur zwei Schlußfolgerungen für Akin zu:
1. Er ist an seine künstlerischen Grenzen gestoßen. Halte ich für unwahrscheinlich.
2. Er muß sich mehr Freiheiten nehmen und sich weniger selbst beschneiden, um sich bei seinen Mäzenen anzubiedern. Das hat er nicht nötig. Und wenn er Fassbinders Vorbild nacheifern will, dann sollte er sich auch dessen, wie sagen die Brasilianer so schön, malicia zu eigen machen.
Für diesen Punkt spricht, dass erstmals weder Mehmet Kurtulus noch Idil Üner in kleinen Cameos auftauchen, diesmal ist Akin tatsächlich auf der anderen, der deutschen Seite angelangt.
6 Punkte