Review

Als sowohl CID Polizist Pierre Lau [ Sammo Hung ] als auch der Customs Officer Rambo Wong Yuk Man [ Yuen Biao ] einen getarnten Drogendeal arrangieren, verhaften sie sich bloss gegenseitig und kriegen dementsprechend mächtig Ärger mit ihrem Vorgesetzten Officer Yip [ Yip Wing Cho ]. Zur Strafe bekommt Pierre den frisch graduierten Inspector Tang Chuen Shek [ Takeshi Kaneshiro ] vor die Nase gesetzt. Beide raufen sich zusammen, als sich der Fall um den Drogendealer Yamamoto [ Kelvin Wong ] dramatisch zuspitzt...

Das waren noch Zeiten. Als Sammo Hung Geld für seine Filme zur Verfügung gestellt bekam, bzw. er das Glück hatte, selber produzieren zu dürfen und auch wirklich an den Ergebnissen beteiligt zu sein. Heutzutage sieht das nämlich ganz anders aus; gar nicht mehr so rosig, und dass letztlich auch für alle Beteiligten. Inclusive dem Publikum.
Nun war 1995 seinerzeit gesehen schon kein guter Zeitraum für ihn; die Hochphase der 80er [ Pedicab Driver, Eastern Condors, Dragon Forever, Millionaires Express ]endgültig vorbei und die Masche der mehr oder minder banalen, aber schwer unterhaltsamen Actionkomödien langsam ausgenutzt.
Man wurde älter und war nicht mehr gefragt; da nützen auch Wiederholungen bewährter Strategien nichts mehr. Don't Give A Damn macht den Titel zum Konzept und kratzt als Neuübersetzung in letzter Reserve noch mal alles zusammen, was auch vorher funktioniert hat: Ein Potpourri aus wiederum Action und Komödie, gespielt von einem unheimlichen Staraufgebot auch in den Kleinstrollen. Ironischerweise gehören dabei auch die Cameos zu Darstellern längst vergangener Tage; ebenso wie der Film so sehr wie aus den 80ern atmet, als hätte man ihn wirklich konserviert.

Als Fixativ dient dabei das Polizeigebäude, indem sich die verschiedenen Personen begegnen, ihre Geschichten überschneiden und immer wieder zurückkehren. Auch nur dort finden sämtliche - zumeist sinnlose - Gastauftritte statt, die wie als Motive des vergangenen Goldenen Zeitalters erscheinen und anscheinend damit allein das Gefühl wieder herstellen wollen. Doch die Zeiten haben sich geändert, auch wenn sich Autor Roy Szeto [ My Lucky Stars, Twinkle, Twinkle Lucky Stars, Lucky Stars Go Places ] hartnäckig dagegen sträubt und wieder nur eine Melange aus durchweg bekannten Materialien auch noch in gewohnter Weise zusammenfügt. Die gestalterische Nachahmung der ehemaligen Muster geht soweit, dass man sich wie anno Tobak mehr für das Liebesleben und anschliessenden Probleme der Herren interessiert und den roten Faden der Verbrechensverkämpfung nur sporadisch immer mal aufblitzen lässt. Man könnte es auch Anpielungen nennen, aber wenn die Geschehnisse dem Kundigen gegenüber mehr die Form direkter Zitate annehmen und man nicht mehr als typische erzählerische Genremomente aufbringen kann, müssen die Steigerungen auf inszenatorischer Seite kommen. Vom Wiedererkennungswert durch zwecklosen Eigengebrauch her allein erreicht man nicht viel. Doch für einen Actionfilm passiert etwas zu wenig, nur im Zufallsprinzip anscheinend; für eine Komödie ist der Film nicht witzig genug. Und anderes möchte man in dieser Umgebung von den Machern nicht sehen; die Liebesgeschichten haben hier wie dort nie interessiert.

Die Grundstruktur achtet mehr auf die Guten und damit auf ein Buddy Picture gleich dreifacher Art: Pierre mit Tang und Pierre mit Wong. Die beiden Tang und Wong selber bekommt Skript und Regie im wenig sorgfältigen Kurs nie auch nur interagiert, selbst wenn sie am gleichen Tisch sitzen oder die gleichen Verbrecher jagen. Die Frauen [ Kathy Chow und Eileen Tung als angebetete Kolleginnen ] sehen gut aus, und das wars auch schon.
Auch die Gauner bekommen seltenst Kontakt zu ihren Haschern; die Entwicklung von Protagonisten und Antagonisten auch zueinander ist stagnierend. Sicherlich ist eine allumfassende Eingliederung sämtlicher Beteiligter für einen reinen Unterhaltungsfilm nicht unbedingt nötig, aber hierbei ist die räumliche und zeitliche Kontinuität so dermassen dünn, dass überhaupt keine personelle Spannung vorhanden ist.
Dennoch - oder vielleicht doch deswegen - erreicht der Film durch kleine Momente schnell sein Tempo; zwar um es nach einer relativ kurzen Laufzeit wieder aufzugeben, aber immerhin. Da nimmt ein Kleinkrimineller [ Chin Siu Ho ] plötzlich im Revier eine Geisel; später detonieren Bomben und ein gefaktes SDU Kommando stürmt das verwüstete Gebäude samt Asservatenkammer. An den Actionszenen selber ist auch wenig zu bemänglen: Den Puristen wird zuviel geballert, aber die dargebrachten Stunts sind wie immer meistens effektiv; auch wenn wieder teilweise und vor allem am Ende zu oft im Hung - Duktus von Blur Motion gefilmt wird.

Den Humor trifft es schlimmer. Viele Flüche über die Mama des Gegenübers sowie die sexuelle Belästigung von beiden Geschlechtsgenossen und das Verkleiden als Afros samt Ghetto-Slang ist auch abseits fehlender politischer Korrektheit - was man ruhig auch mal unkritisch und ohne zu debattieren betrachten kann - einfach nicht so wirklich lustig. Teilweise entsteht auch ein unangenehmer, da derber Eindruck; was wirklich nicht sein muss und sonst auch nicht nötig war.

Gegenüber Hungs nachfolgenden Produktionen bzw. den ausschweifenden Gastauftritten vor der Green Screen [ Avenging Fist, Legend of Zu ] ist es von hier aus zwar immer noch ein weiter Weg; aber man muss ja nicht immer an noch Schlechterem orientieren.

Details
Ähnliche Filme