Nach dutzenden bitteren und ironischen Dokumentationen, wie "Fahrenheit 9/11" oder "Bowling for Columbine" meldet sich Regie-Legende Michael Moore, der Lieblings-Feind der Republikaner, mit seiner neuen Dokumentation "Sicko" zurück, mit der er diesmal das amerikanische Gesundheitssystem, das man eigentlich gar nicht als solches bezeichnen kann, aufs Korn nimmt. Dabei sucht er den Vergleich zu anderen Ländern, verblüfft einmal mehr mit schockierenden Fakten und glänzt mal wieder durch seine bittere Ironie.
Im Gegensatz zu vielen anderen Dokumentarfilmen gibt es hier keine Handlung im eigentlichen Sinn, sondern eher eine Aneinanderreihung von Interviews und bitteren menschlichen Schicksalsschlägen. Diese sind aber auf jeden Fall gut ausgewählt und schockierend präsentiert. Auch wenn man als Zuschauer an manchen Stellen das Gefühl hat, dass Moore dann doch ein bisschen zu dick aufträgt und auf die Tränendrüse drückt ist der Film gelungen, zumal dies auch andere Regisseure des Genres machen und selbst wenn nur die Hälfte stimmt, ist das Ganze wirklich traurig. Moore sucht in seinem Werk sehr ausführlich den Vergleich zu anderen Staaten, in diesem Fall zu Kanada, zu Frankreich und zu Großbritannien. Wer über ein einigermaßen ausgeprägtes Allgemeinwissen verfügt, weiß im Groben und Ganzen, wie die europäischen Gesundheitssysteme funktionieren und hat schon einige Horror-Geschichten über das amerikanische System gehört. Dennoch sind die Fakten so präsentiert, dass man sie sich noch einmal zu Gemüte führen kann, zumal Michael Moore sie überaus amüsant und mit seiner dreisten, aber liebenswerten Art präsentiert.
An manchen Stellen wiederholt er sich und auch sein finaler Appell kann nicht so wirklich zünden, zumal man sich als Europäer kaum vorstellen kann, in seinem solchen System zu leben, dass sogar noch hinter dem von Kuba liegt. Der Unterhaltungswert ist aber auf jeden Fall hoch, da Moore das Tempo relativ hoch hält und die Fakten so präsentiert, das man sich als Zuschauer die ganze Zeit dabei ertappt, wie man die Faust in der Tasche ballt. Zwischendurch landet er zusätzlich ein paar weitere Seitenhiebe auf das amerikanische Erziehungssystem. Alles in allem ist der neue Film von Amerikas Staatsfeind Nr. 1 auf jeden empfehlenswert und liefert nicht nur für Amerikaner einige provokante Inhalte.
Fazit:
Einmal mehr macht sich Michael Moore keine neuen Freunde und liefert diesmal einen bitterbösen Blick auf das amerikanische Gesundheitssystem. Durch interessante Beispiele, Vergleiche zu anderen Ländern und der üblichen bösen Moore-Ironie ist der Film überaus unterhaltsam und provokant, und damit auf jeden Fall empfehlenswert.