"Es gibt 2 Methoden, um Leute zu kontrollieren. Man jagt ihnen Angst ein und man demoralisiert sie."
Diesen Spruch konnte man in ähnlicher Form schon in "Bowling for Columbine" vernehmen, wo die amerikanische Waffenfreiheit und das Gewaltpotential an den Pranger gehängt wurde.
In Michael Moores Film "Sicko", was im amerikanischen umgangssprachlisch soviel wie pervers bedeutet, wird dieses mal allerdings das amerikanische Gesundheitssystem kritisiert.
Vergleichbar wie in "Bowling for Columbine" dachte ich anfangs man verarsche mich. Ich weiß noch genau, wie ich den mir damals noch unbekannten Michael Moore aus einer Bank kommen sah, der dort ein Konto eröffnet hat, bei welchem man verbindend eine kostenlose Waffe erhält. Und mit dieser Waffe Schritt er mir nichts, dir nichts aus dem Geldinstitut. Das war wirklich unbegreiflich. Rein theoretisch könnte man die dort erworbene Waffe direkt als Argumentationsverstärker benutzen um sein Konto auch ein wenig zu füllen. Wozu sonst ein Konto?
Ähnlich beginnt "Sicko". Bereits zu Anfang sieht man Menschen die sich lieber selbst eine Wunde nähen oder bis ins hohe Alter arbeiten müssen, da sie entweder nicht das Geld fürs Krankenhaus oder Medikamente besitzen.
Es wird ein hohes Tempo vorgelegt was auch gehalten. Moore springt von Person zu Person, Ort zu Ort, Schicksal zu Schicksal. Zu Wort kommen Menschen die von Versicherungen abgewiesen, falsch diagnostiziert, oder von einem Krankenhaus auf die Straße gesetzt wurden, da sie die Rechnung nicht bezahlen konnten.
Es gibt sicherlich auch Menschen die gut durchkommen, da sie entweder selten krank sind oder das entsprechende Vermögen besitzen, diese kommen allerdings nicht zu Wort. Aber allein die dargestellten Beispiele sind Grund genug ein solch menschenverachtendes, perverses System anzuprangern. Allein aus dem Gründen, da Verbrechern eine bessere Versorgung geboten bekommen als beispielsweise freiwillig helfende Menschen die sich am bekannten 11. September durch die Staubentwicklung ihre Lunge zerstört haben. Das System straft den hilfsbereiten Menschen. Kein Wunder also, dass dort niemand mehr helfen will und für sich bleibt.
Die großen Gewinner sind die Versicherungen. Für diese gibt es nur ein Ziel: Gewinnmaximierung. Und durch staatliche Erlässe können sich die Versicherungen jedes noch so kleine Schlupfloch zu Hilfe nehmen um nicht zahlen zu müssen.
Dass es auch anders geht zeigt Moore anhand anderer Länder, beispielsweise Kanada, England, Frankreich und sogar das verfeindete Kuba. Auf die emotionale Spitze treibt es Moore, indem er ein paar Menschen, die in ihrem eigenen Land keine Versorgung bekommen, mit nach Kuba nimmt, wo sie kostenlose und gute ärztliche Versorgung und Medikamente erhalten.
Wie üblich garniert Moore sein Werk mit sarkastischem Witz, einer großen Portion Satire und Gesellschaftskritik.
Und ebenfalls üblich sind die nur contra gebenden Beispiele gegen das amerikanische Gesundheitssystem und die Verherrlichung anderer Systeme in anderen Ländern. Auch dort wo es in dieser Richtung besser läuft, gibt es Situationen und Fälle in denen Kranke abgewiesen werden oder mit teuren Rechnungen nach Hause kommen.
Da es sich um eine Dokumentation handelt sind Effekte oder Story zu vernachlässigen.
Eine sehr unterhaltsame, typisch Moore'che Dokumentation, spannend, emotional und wie immer sehr einseitig.
Zum Schluss muss ich Michael Moore noch seine Ruhe zu Gute halten. Jemandem anonym Geld zukommen zu lassen, damit er seiner Frau gesundheitliche Hilfe zusichern UND eine Internetseite aufrecht erhalten kann, in welcher er über ihn selbst ablästert, würde ich als dumm bezeichnen. Eigentlich...
9 / 10