Review

<!--StartFragment-->Unsere Erde

Was für ein unglaublicher Aufwand für einen Dokumentarfilm! Tausend Stunden Material, hunderte Drehtage, über 40 Drehteams und das Ganze für ein Mammutprojekt und Thema: „Unsere Erde“ - derAufwand hat sich gelohnt, man sieht ihn in jeder Sekunde der Dokumentation.
Der Film beschreibt eine Reise umden Globus von Norden nach Süden, dem Verlauf der Jahreszeiten, der Sonne und des Wassers folgend – bis man am Ende wieder am Norden der Erdkugel ankommt, bereichert von vielen einmaligen Eindrücken des Planeten, auf dem wir leben.
Der Ausgangspunkt der Dokumentation liegt 1200 km südlich des Nordpols in vollkommener Dunkelheit. Mit dem Licht beginnt auch das Leben: Eine Eisbärenmutter klettert aus ihrer Eishöhle, im Schlepptau ihre beiden kleinen Eisbärenjungen. Seit Knut und Flocke sicherlich die momentan beliebtesten Jungtiere in Deutschland. In atemberaubend schönen Bildern beobachtet man die beiden Eisbären bei den ersten Gehversuchen an einem steilen Hang, den sie immer wieder unfreiwillig runterrutschen.
In dieses harmonische Spielmischt sich allerdings die Brisanz des Filmes und dessen Intention: Unsere Erde ist wunderschön, aber auch zerbrechlich und vielleicht sind einige der Bilder unwiederbringlich: Die Eisbärenmutter muss auf Nahrungssuche gehen, bevor das Eis sich soweit erwärmt hat, dass es ihr Gewicht nicht mehr tragen kann.
Der Eisbär wird zum Symbol der Lage unseres Planeten. Der Zuschauer weiß von Beginn an, wie der Zusammenhang zwischen ihm und dem Film ist. Jeder entscheidet darüber, wie sich die Erde entwickeln wird und ob aus dem Dokumentarfilm „Unsere Erde“ ein Historischer wird. Dies geschieht allerdings in den meisten Fällen des Films sehr unterschwellig und nicht mit einem moralisch erhobenen Zeigefinger, so dass der Film nicht ein schlechtes Gewissen vermitteln will, sondern Aufmerksamkeit und besonders Unterhaltung durch die Natur, die uns umgibt.

In Windeseile bewegt sich der Film gen Süden durch Taiga und Tundra, die gemäßigte Zone, den Regenwald, die Wüste usw. Überall bekommt man einmalige Bilder von der unberührten Schönheit der Natur zu sehen, man erhascht Einblicke in das Leben der jeweiligen Tiere und den Schwierigkeiten, die die Natur für sie bereit hält (und der Menschunterstützt).
Eine der eindrucksvollsten Sequenzenist der Marsch der Elefanten durch die Kalahari-Wüste zum Okawango-Flussdelta.Dort gibt es Wasser und wo Wasser ist, gibt es Leben. Auf dem Weg teilen sich die Elefanten ein Wasserloch mit einer Gruppe Löwen – ein beeindruckendes Bild, wie die großen Tiere aus derselben Quelle trinken, wie die beutelustigen Löwen.In imposanten Nachtaufnahmen sieht man wie dünn der Friede zwischen den Beiden war. Die Löwen versuchen die Nachkommen der Elefanten zu reißen, während die Dickhäuter sich zu wehren versuchen.

Fazit:
Eine filmerische Meisterleistung, vor der man nur den Hut ziehen kann und bewundernd nach Worten sucht, die zu einer solchen Ausdauer und Durchführung passen. Allerdings muss man den Film ja auch als Film beurteilen und nicht nur die Unternehmung und da muss ich leider den ein oder anderen Abstrich machen. Die Erde in 99 Minuten zu fassen ist sicherlich nicht möglich und ich unterstelle den Filmemachern nicht, dass sie den Anspruch hatten, dies zu erreichen. Allerdings hat man leider oftmals den Eindruck, von dem ein oder anderen Tier oder Zone nur einen wirklich flüchtigenBlick erhascht zu haben. Der Film hätte sich mehr Zeit nehmen sollen, zu verweilen. In manchen Szenen ist dies gut gelungen, aber um ein Gegenbeispielzu nennen: Zwischen die Geschichte einer Buckelwalmutter mit ihrem Jungen, werden (durchaus beeindruckende) Bilder eines weißen Hais geschnitten, der auf Robbenjagd ist. Man will einfach mehr über die Dinge wissen, die man leider manchmal nur im Anschnitt sieht: Befinden sich Wal und Hai im selben Gewässer, stellt er eine Gefahr da usw. Viele der Fragen kann man im Kopf beantworten, aber würde sie auch gerne in Bild und Ton hören und sehen. Ein weiteres Beispiel ist ein Vogelschwarm, der das höchste Gebirge der Welt überquert, um im Süden überwintern zu können – wunderbare Bilder, eine interessante Geschichte, aber leider ohne Anfang und Ende. Die Frage nach dem Warum? wird leider zu selten beantworten, denn gerade die Sequenzen, in denen man an einer Zone/ Tierart bleibt sind auf einem so hohen Standart, dass andere dagegen abfallen und das ist sehr schade.
Der Film ist auf jeden Fall einenKinobesuch wert. Man sollte sich diese Bilder nicht auf einer großen Leinwand entgehen lassen. Aber auf der anderen Seite wünsche ich mir für dieses Projekt, dass es in naher Zukunft eine Reihe herausbringt, die vieles, was nun dem Schneideraum zum Opfer gefallen ist, veröffentlicht und dann einige der Warum-Fragen beantworten. Für die bildgewaltigen Aufnahmen und das gesamte Unternehmen vergebe ich gerne 10 von 10 Punkten, für den fertiggestellten Film kann ich allerdings nur:

7 von 10 Punkten vergeben.

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