Wie hatte ich mich auf "Unsere Erde" gefreut. Alles, aber auch wirklich alles, was ich im Vorfeld über die Produktion und die eindrucksvollen Bilder gelesen und gesehen habe, hat eine enorme Erwartungshaltung in mir erzeugt...und vielleicht bin ich auch deshalb etwas enttäuscht aus dem Kino gegangen. Aber fangen wir von vorne an:
- Bezüglich seiner Aufnahmen ist der Film über wirklich jeden Zweifel erhaben. Egal ob es eindrucksvolle Slow-Motion Aufnahmen von weißen Haien sind, oder aber der schier endlose Kampf einer Gazelle gegen einen Geparden, ob Enten wie Steine in Blätter fallen oder Delphine eine beeindruckende Choreographie im Wasserballett bieten. Ständig bleibt einem der Mund offen stehen und man fühlt, wie hart die Kamerateams an dieser Umsetzung gearbeitet haben. Fast schon blickt man hinter die Kamera und spürt, wie es den Machern bei vielen Aufnahmen nur kalt den Rücken herunter gelaufen sein muss.
Mal abgesehen von "Deep Blue" (wenn man mal bei diesem Format bleibt) kenne ich nichts, das nur annähernd mit "Unsere Erde" vergleichbar wäre....rein visuell.
- Denn so ganz ohne Makel ist "Unsere Erde" leider nicht.
Zum einen ist hier ganz klar die Erzählweise, respektive Dramaturgie zu nennen. Man merkt leider an jeder Ecke wie sich die Macher gedacht haben müssen: "Hey, die Aufnahme is noch gut. Die müssen wir noch unterbringen". So kommen Sequenzen zu stande wie: Walmama + Walkind schwimmen im Wasser von Karibik in Richtung Südpol. Mit einem mal zwei Slow-Mo's von einem großen Weißen der eine Robbe weghapst, und wieder Walfamilie. Da fragt man sich doch was das mit dem Hai jetzt sollte. Entweder ihr zeigt mir mehr von ihm oder ihr lasst ihn weg. Und derer Sequenzen gibt es viele im Film. Das nimmt leider sehr sehr viel Atmosphäre und man kann nur hoffen, dass eine DVD-Box mit der Langversion (darf von mir aus auch 10 Stunden gehen) kommt.
Ein weiteres Manko ist in meinen Augen (Ohren) der Sprecher, der nicht wirklich begeistern kann. Die Stimme ist zu hoch und die Witze kommen nicht wirklich rüber. Da hätte ich mir mehr so einen "Clausthaler"-Sprecher gewünscht. Aber abwarten was der englische Kommentar kann, der bei "Blauer Planet" auch um einiges besser war als der deutsche.
Weiter meckern will ich mal bei der musikalischen Untermahlung. Die ist zwar zu 80% recht passend und auch gut. Die anderen 20% schienen mir aber etwas undurchdacht. Wenn ruhige und totale Aufnahmen von Federvieh, das über den Mount Everest fliegt, gezeigt werden, will ich keine halbe Marschmusik dazu hören. Abermals ist das nicht die einzige Stelle des Films in der so ein faux-pas auftritt.
Was bleibt also unterm Strich übrig?
"Unsere Erde" ist ein Film, der mit uneingeschränkt beeindruckenden Bildern aufwartet, die leider im Gesamtbild aufgrund der oben genannten Schwächen nicht vollends überzeugen können. Ich stempel das mal als Schnellschuss ab und warte auf die hoffentlich erscheinende DVD-Box, die den Aufnahmen die nötige Zeit gewährt, sich so zu entfalten wie sie es verdient haben.
Bilder 10 / 10
Rest 2 / 10
Gesamt: 6 / 10