Die erste Vorschau, die ich im Kino von „Superbad“ sehen durfte, war nicht sonderlich verheißungsvoll. Mir schien, es handele sich um eine 08/15 Teeniekomödie, die im Vergleich zu den zahlreichen Vorgängern wenig Neues bietet. Die üblichen „Alter, wir müssen noch vor Ende des Schuljahres vögeln!“-Sprüche kamen einem doch sehr bekannt vor. Da ich allerdings noch immer zu der Gattung gehöre, die sich diese Filme gerne – noch lieber mit ähnlich gesinnten Kumpels – reinzieht, reichte der mittelmäßige Trailer aus, um mich in’s ortsansässige Kino zu bewegen. Hinzu kam zugegebenermaßen die überraschende Bewertung in der amerikanischen Filmdatenbank, wo der Film zu den 250 Besten aller Zeiten gezählt wird. Sehr unüblich für diese Art Komödie.
Der Film beginnt mit einem wenig überragenden Gespräch zwischen dem übergewichtigen Seth (Jonah Hill) und seinem schüchternen besten Freund Evan (Michael Cera). Trotz ihrer optischen und einstellungstechnischen Differenzen sind sie seit Jahren unzertrennlich. Lediglich die Tatsache, dass sie unterschiedliche Colleges anstreben, da Evan bessere Noten hat, steht zwischen ihnen. Statt mit Seth wird Evan mit Fogell (Christopher Mintz-Plasse) ein Zimmer teilen, obwohl dieser ein kompletter Vollloser ist. Das stellt jedoch eher eine Randgeschichte dar. Wesentlich ist, dass die beiden vor ihrer Aufsplittung noch einmal zu Potte kommen wollen. Anfänglich scheint das sehr schwierig zu werden, da sie eher Außenseiter sind und von den coolen Jungs der Schule auch gerne mal angespuckt werden. Eine angenehme Wende zeichnet sich ab, als Seth im ungeliebten Hauswirtschaftskurs von Jules (Emma Stone) zu deren Hausparty eingeladen wird. Auch Becca (Martha MacIsaac), der Schwarm von Evan, wird dort zugegen sein. Die sowieso für die beiden erregende Lage verschärft sich, als sich herausstellt, dass Fogell einen gefälschten Ausweis erhalten wird. Das erzählt Seth sofort weiter und wird somit beauftragt, den Alkohol für die Party zu besorgen. Da die beteiligten Personen alle erst um die 18 sind, erweist sich das als riesiges Problem und der Rest des Filmes beschäftigt sich mit dem bevorstehenden Abend, der Suche nach Alkohol und der aufreibenden Jagd nach Liebe und Sex. Zudem zeichnet sich ein sehr amüsanter Nebenhandlungsstrang zwischen Fogell und zwei nichtsnutzigen Polizisten ab.
Noch immer ist unklar, was nun „Superbad“ von all den pubertären Komödien absondert, die wir schon kennen. Als erstes fällt mir da die Kameraführung ein. Während die mir bei vergleichbaren Filmen immer hektisch in Erinnerung geblieben ist und sich auch die einzelnen Szenen aufgeregt aneinanderreihen, lässt sich der Regisseur Greg Mottola viel Zeit. Mit 113 (bzw. 119 in der unrated version) Minuten ist der Film auch ein wenig länger, als man es von seiner Art erwartet. Die Szenen sind auffällig lang und meist eher behäbig. Das sind Worte, die negativer klingen als ich sie im Zusammenhang mit dem Film empfinde. Denn mir hat diese Vorgehensweise sehr gut gefallen, da ich das in dieser Form noch nicht gesehen habe. Die Stimmung und die Schnitte haben eher an einen düsteren Horrofilm (ja, ich übertreibe) erinnert als an eine Teeniekomödie.
Der Humor ist nicht so frequent ausufernd, wie man es hätte erwarten können. Natürlich hat auch „Superbad“ seine niveaulosen Momente, wenn beim Geschlechtsakt knapp neben den Kopf des Sexualpartners gekotzt, „auf andere Menschen menstruiert“ oder über Pornoseiten mit Fetischinhalt diskutiert wird. Nichts davon erschien mir persönlich „auffällig“. Besonders gut haben mir dabei die Charaktere gefallen. Sie werden – auch dadurch, dass man sich mehr Zeit lässt – liebevoll gezeichnet und sind weitgehend ziemlich sympathisch. Besonders die beiden Hauptakteure Seth und Evan. Ich habe mich zudem zu einem Fogell-Fan entwickelt. Ich kenne seine Gattung Mensch und hab mit ihm eigentlich am stärksten mitgelitten, besonders, wenn er sich ungewollt in diverse Schlamassel begeben hat. Ausnahmsweise ist in diese Falle auch die deutsche Synchronstimme gut gelungen. Mit dem angesprochenen Thema geht man nicht so übertrieben um. Die angestrebten Geschlechtspartner sind schon attraktiv, aber keine Überflieger wie man sie sonst kennt. Mir erschien alles viel mehr an der Realität als gewohnt und das Happy end ist nicht so perfekt wie sonst. Am Ende wird außerdem – wenn auch in skurriler Form - dargestellt, dass die Freundschaft unter den Männern viel wichtiger sein könnte als alles andere.
In den Staaten hat der Film großenteils ungewöhnlich positive Kritiken erhalten. Alleine die bereits erwähnte IMDB-Platzierung spricht für sich. Warum das in Deutschland nicht der Fall ist, kann ich mir nicht genau erklären. Am Ende ist alles wohl Geschmackssache. Ich will mich auf jeden Fall den Amerikanern anschließen. Ich halte den Film für außergewöhnlich und würde mich jederzeit wieder in’s Kino begeben. Dort strich „Superbad“ übrigens mittlerweile über 140 Millionen Dollar ein (den Großteil davon in den USA) und ist damit bei Produktionskosten von ungefähr 20 Millionen Dollar der erfolgreichste Highschool-Teenie-Komödien- Streifen aller Zeiten. Ein Zufall kann das wohl kaum sein.
Fazit: „Superbad“ ist die etwas andere Teeniekomödie. Gleiches Thema und gleiche Scherze wie üblich. Aber alles ein bisschen weniger hektisch und ein bisschen mehr erwachsen. Für mich einer der besten Filme seiner Art, mit sehr sympathischen Charakteren und Darstellern. Von mir daher 9 Punkte.
Euer Don