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Gangsterboss Dragon [ Michael Chan Wai – man ] hat vor Jahren die Frau seines Konkurrenten Tiger ausgespannt. Dieser revanchierte sich, indem er dessen gemeinsamen Sohn Prince [ Jacky Cheung ] raubte und zu einem Killer heranbildete. Prince hat sich zusammen mit seiner Assistentin Chin [ Carina Lau ] zum gefürchtesten Mann hochgearbeitet; insgeheim träumt er aber seit Jahren von einer geheimnisvollen Frau. Als er Tweedy [ Rosamund Kwan ] während eines Auftrages als seine Traumfrau erkennt, scheitert sein Anschlag; dennoch lässt er sie laufen. Dragons 2ter Sohn [ Hacken Lee ], ein Cop, nimmt die Zeugin unter Beobachtung, bekommt allerdings nichts aus ihr heraus...

Taylor Wongs With or Without You war 1992 mit einem Einspiel von HK$ 9.6 Millionen ein moderater Hit, der ein Jahr später mit diesem Prequel fortgesetzt wurde. Die Gründe für gerade diese Entscheidung statt einem ja auch möglichen Sequel sind offensichtlich: Jacky Cheungs Rolle des schon manischen Topkillers Prince war so etwas wie das Salz in der Suppe, dass die ansonsten leicht behäbige Romantik - Drama - Action Mischung kräftig angewürzt hat und womit er deswegen natürlich die interessantere Figur als Leon Lai als ihn jagender Cop war.
Ausserdem hatte Lai dort bereits sein eigenes Starvehikel abbekommen, und da ist es nur Recht, nun die Seiten zu wechseln; die Vorgeschichte der seltsamen Liebe zwischen Prince und Tweedy zu erzählen.
Taylor Wong produziert hier nur und überlässt dem damaligen Kameramann Herman Yau die Regie; vielleicht nicht die weiseste Entscheidung.

Dem Film eilt zwar der Ruf voraus, besser als sein Gegenstück zu sein; kann diesen allerdings überhaupt nicht bestätigen. Der Charakter des Prince ist in seinem theatralischen Auftreten ebenso wie das entsprechende Spiel von Jacky Cheung nämlich nichts für die abendfüllende Vorstellung, sondern hebt durch sein unnormales Verhalten plus die hier präsentierten Umstände den Film stark in das Reich der Phantasie. Wenn man die Geschichte in der Umsetzung als fiebrigen Traum präsentieren würde, wäre sie vielleicht erfolgreich; im hier und heute gesetzt geht es daneben und bekommt nicht annähernd ein Bein in die Realität. Dadurch dass er seine Hauptfigur ständig übertreiben lässt und ihn zusätzlich in eine Welt positioniert, die noch unwirklicher ist wie von bspw. Naked Killer, kann man den Film nur mit gehörigem Abstand ansehen. Er ist viel zu surreal, um ernstgenommen zu werden und zu ausgedacht um sich hineinzuversetzen.
So verwundert der schnelle Einstieg mit seiner Tatsache, dass ein zu stürmender Gerichtssaal doch tatsächlich in einem Hotel positioniert ist, und lenkt dadurch jede Aufmerksamkeit von der dargebotenen Action ab.

Bereits die anfänglich dauernd gesetzten Rückblenden gehen weder von der Ausgestaltung noch ihrem Inhalt konform mit der Wirklichkeit; die Kindheit von Prince und sein Werdegang zum Topkiller werden mit ständigen Popanzen aufgezeigt, die teilweise eher unfreiwillig lustig sind. Besonders die zwischenzeitliche Frisur von Jacky Cheung und die seltsam - absurden Geburtstagsgeschenke seines Ziehvaters reizen leicht zum Lachen, was durch den permanenten rosa Schleier noch verstärkt wird.
Derartige Einzelheiten ziehen sich durchweg über die Laufzeit und sind anscheinend wirklich so geplant gewesen; nur warum sollen die Polizisten VW Käfer samt Rennnummern auf der Seite als Einsatzwagen nutzen ? Und warum tragen sie keine normale Uniform, sondern alle beige Khakianzüge mit Schirmmützen ? In welcher Dimension spielt der Film ?
Und spielt er ganz dort, oder doch noch halb auf der Erde; so wie wir sie kennen ?

Man bekommt nicht die Kurve zu einer Seite hin, sondern pendelt zwischen den Gegensätzen beliebig hin und her; entweder nach Gutdünken oder je nachdem, ob die Szene mal hinhaut oder eher nicht.
Sicherlich gibt es auch Werke, die ähnlich aufgebaut sind und funktionieren, aber nicht wenn die Diskrepanzen zwischen gewollt und gekonnt derartig voneinander abweichen und so vieles ungereimt und deplatziert wirkt.
Und wenn doch, sind es zumeist Comicverfilmungen, die sich das aber auch leisten können, weil sie ja in einer Wunschwelt ablaufen. No More Love, No More Death sieht zwar streckenweise so bunt wie Dick Tracy aus, hat aber damit völlig seine Zielrichtung verloren.
Aber das man den Bezug zum Nachfolger komplett verliert stört offensichtlich niemanden.

Ausserdem schafft es die Geschichte nicht, in irgendeiner Weise originär zu wirken; das geht schon beim Grundaufbau los: Hacken Lees Polizist ist vom Aussehen und Auftreten viel zu dicht an der Lai – Rolle im Sequel dran und wirkt ausgerechnet in dem Punkt komplett wie eine Wiederholung, was man ja nun überhaupt nicht gebraucht hätte. Einen derart schwächlichen, zurückhaltenden Charakter im Vergleich zu Prince hatte man ja bereits gesehen; wäre ja mal von Interesse gewesen, ihm jemand Ebenbürtigen vorzusetzen. Lee ist aber so kontrastreich wie sein hellgelbes Jacket, also gar nicht.
Noch schlimmer ist beinahe, dass sich die Geschehnisse schnell als eine weitere Crying Freeman Verfilmung ausmachen lassen; teilweise sogar von den Details her. Zeugin Tweedy verweigert die Aussage und ist auch so nicht besonders kooperativ gegenüber der Polizei, aber malt daheim das Gesicht des Killers. Nur die Mundpartie fehlt, die er bei einem heimlichen Einstieg in ihr Zuhause vollendet.

Der Fortgang ist also bekannt und kann daraus nicht allein Spannung beziehen; zudem verzögert man die Handlung, indem man sich auf das Pärchen und ihre Annäherung zueinander konzentriert, da es ja den Auslöser des Ganzen darstellt. Nun ist viel Warten, viel Sinnieren, die Zeit totschlagen zu nervendem Synthesizer im Weichzeichner angesagt; da man den anderen wegen der Observierung der Polizisten ja nicht frei Haus treffen kann. Allerdings kann man sich woanders treffen, da die Polizisten schlauerweise nur Tweedys Haus bewachen, aber die Person selber nicht. Bei den Dates will sie wissen, warum er tötet: „Um zu zerstören“.
Er will wissen, ob sie ein Problem damit hat: „Ein Killer zu sein ist nicht so schlimm. Schlimmer sind diejenigen, die nicht mit Händen, sondern mit Worten töten.“

Manchmal fragt man sich da schon, ob die Filmemacher auch nur annähernd mit ihren Kopf beim Set waren oder gleich beschlossen haben, mal ohne Bedenken die Sau herauszulassen. Das hätten sie mal lieber bei den Actionszenen tun sollen; gerade auf dem Gebiet findet kein Exzess statt.
Der Rest ist nur was für sehr überzeugte Trashfans; mit viel Geduld und Sinn für Kitsch.

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