IM KRIEG DENKT JEDER BETEILIGTE ER IST IM RECHT, ABER AM ENDE SIND ALLE TOT ....
Eine Yuppi Familie wie aus dem Lehrbuch für Vorzeige US Bürger, wird durch einen eiskalten völlig sinnlosen Mord am ältesten Sohnemann aus ihrer heilen Welt gerissen. Der anwesende Vater John Hume (wie immer stark: Kevin Bacon, aber mit einer Synchronstimme bestraft, die den dafür Verantwortlichen mal Anlaß zum Nachdenken geben sollte!) kann den Täter zwar eindeutig identifizieren, gelangweilte Justitz und handlungsunfähige Polizei lassen den fassungslosen Mann aber nur verstört ohne belastende Aussage den Gerichtssaal verlassen. Als John Hume noch in der selben Nacht den Mörder aufsucht und im Affekt tötet, tritt er mit dieser Aktion eine Lawine der Gewalt los. Der Bruder seines Opfers, Anführer einer durchgeknallten Psychopathenbande, löscht umgehend den restlichen "Hume Stammbaum" aus und ....
Mit James Wan's Welterfolg SAW bin ich nie so richtig warm geworden. Zu konstruiert war mir das Ganze, zu groß und ungerechtfertigt das verzückte Gequieke der Massen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie uns Besuchern des Fantasy Filmfestes von der unsicheren Verleihfirma ein Fragebogen mit der Bitte um "Mithilfe" angedreht wurde und wir den Film bewerten sollten. Eine Testvorführung für die man Eintritt zahlen mußte so zu sagen (hä, hä). Das Wan sich für seinen nächsten Film ausgerechnet das Thema Selbstjustitz ausgesucht hat, finde ich als Freund solcher Exploitationfilme sehr schön. DEATH SENTENCE kommt zwar nicht mal in die Nähe solcher Klassiker wie VIGILANTE (William Lustig 1982), THEY CALL HER ONE-EYE ( Bo Arne Vibenius 1974), IL GRANDE RACKET (Enzo G. Castellari 1976) oder THE DELINQUENT (K.C. Hung/Chang Cheh 1973), ich erwähne gerade diese Streifen, damit endlich begriffen wird, das es sich auch bei diesem Genre nicht um eine rein amerikanische "Erfindung" handelt. Das liegt z.B.daran, das man weder in Bacons Familie, noch in der (etwas kleinbehirnten) Gang Figuren fndet, die einen umhauen. Bacons Söhne fand ich eher ekelig, wiederliche Saubermänner. Der eine ein Hockey Crack und Strahlemann, der andere ne Heulsuse, beide hatten ihr ganzes Leben lang Watte im Arsch. Das Eheweib (Kelly Preston, die Dame hat übrigens mit 52 PICK-UP und dem hervorragenden Bronson Vehikel TEN TO MIDNIGHT ja bereits Erfahrung im Genre) trauert mir für eine Mutter auch etwas zu wenig um ihren gemeuchelten Sohn. Also weg damit, kann Kevin endlich zu Schrotflinte und 375er Magnum greifen. Bei den "Bösen Buben" sieht es ähnlich aus. Der Anführer wird von nem "Babyface" (Garrett Hedlund, mir total unbekannt und ich kenne einige Gesichter, soll in TROJA nen Halbnackten dargestellt haben) gespielt, den man sofort ansieht, das er nicht hart ist, sondern nur auf hart getrimmt ist. Seine "Brüder bis in den Tod" sind auch nur ein eher lustiger Haufen. Der farbige Quotenwüterich besitzt z.B.ein so schickes absurdes Bart Tattoo, das sogar meine (mit mir in der von 3 Menschen besuchten Nachtvorstellung sitzende) Frau gackern mußte. Tätowiert sind se natürlich alle, wie Mike Tyson direkt in der Fresse oder die Männer in ONCE WERE WARRIORS (nur dort wirkt das autentisch!). Ok, so schlimm wie in EXTERMINATOR 2 waren die Typen dann doch nicht. Der Film machte auf mich lange Zeit einen eher zwiespältigen Eindruck. Doch immer wenn ich DEATH SENTENCE gerade als US Schrott abschreiben wollte, rappelte sich der Film wieder auf und überraschte dann doch. Und zwar durch den James Wan Look und Stil, den ungewöhnlichen Soundtrack (ein angenehmes seltsam warmes Musikthema, welches ab und an mit guten Songs abwechselnd eingesetzt wird) und wegen der Topdarsteller John Goodman (fetter denn jeh, abartig hässlich, fies und mit einer modischen Hornbrille verschönert, so hab' ich ihn noch nicht gesehen....) und Kevin Bacon. Befriedigend für den eliteren Filmfreund ist im Besonderen, das Wan einen konsequenten Genrefilm abgeliefert hat. Es geht wirklich sehr hart zur Sache. Als John Hume und der Vernichter seines Lebensinhaltes Billy Darley am Ende schwer verwundet nebeneinander sitzen, flüstert der Geisteskranke triumphierend: "Siehst du, jetzt bist du wie einer von uns",dann ist das TAXI DRIVER und damit fast schon Kult (entschuldigt bitte dieses überstrapazierte Wort).
Fazit: Gute Genre Kost! Kein neuer ROLLING THUNDER, aber halbgaren sich beim Mainstream Puplikum einschleimenden Möchtegern Reißern wie FALLING DOWN (im Besonderen), oder 8 MM (im Allgemeinen) weit überlegener, sauber inszenierter, seiner Linie immer treu bleibender Rächerfilm. Im Jahr 2007bedeutet diese Tatsache schon einiges.