Nach den Horrorthrillern „Saw“ und „Dead Silence“ machte sich Regisseur James Wan an den Selbstjustizfilm „Death Sentence“, wie der Klassiker „Death Wish“ basierend auf einem Roman von Brian Garfield.
Nick Hume (Kevin Bacon) ist Normalbürger, Familienvater und Manager. Doch diese Idylle wird jäh zerstört, als er nach einem Eishockeyspiel mit seinem ältesten Sohn Brendan (Stuart Lafferty) an einer Tankstelle hält: Eine Gang überfällt die Tanke und tötet Brendan sinnlos. Denn es handelt sich um die Aufnahme für ein Jungmitglied, ein Bandenritual, wie es auch in der Realität vorkommt, die so genannten Einstiegsmorde.
Mit Nick als einzigem lebenden Zeugen ist eine Verurteilung auf lebenslänglich sehr unwahrscheinlich, obwohl Nick das Gesicht des Mörders sah. Verzweifelt wiederruft Nick seine Aussage, sodass der Kerl freigelassen wird. Er folgt ihm nach Hause und kehrt abends zurück. Als er dem Mörder gegenübersteht, kommt es zu einem Handgemenge, an dessen Ende das Gangmitglied tot ist. Jedoch ist die Tat keineswegs geplant, „Death Sentence“ zeigt, wie Nick in seiner Verzweifelung ihm erst nur gegenübertreten und ihn dann zusammenschlagen will.
Doch die Gang von Billy Darley (Garrett Hedlund) erfährt, dass es Nick war, der ihr neuestes Mitglied auf dem Gewissen hat. Sie beschließen ihn zu rächen und beginnen einen Privatkrieg, der immer drastischer wird, mit Nick...
Trotz der jüngeren Welle an Rachefilmen ist „Death Sentence“ keineswegs ein Rückfall in den simplen Selbstjustizactioner, wie es vor allem die „Death Wish“-Sequels waren, sondern steht eher im Geiste von dessen ersten Teil. Er zeigt, wie ein Normalbürger zum Rächer wird. Und steht vor dem gleichen Problem neben Reflexion gleichzeitig auch Schauwerte bieten zu wollen. Doch meist gelingt dies sehr gut, mit zwei Schwächen. Zum einen legt man zum Showdown den Realismus ab, wenn Nick nach etwas hantieren mit Waffen im Schuppen eine Übermacht erledigt. Zwar sind es nie mehr als zwei oder drei Opponenten gleichzeitig und Nick ist kein Meisterschütze, doch die Gangmitglieder sind ihm an sich überlegen. Zum anderen ist die Gang etwas klischeehaft böse gezeichnet, mögliche Hintergründe für ihr Verhalten (soziale Verhältnisse etc.) werden nur kurz angerissen.
Jedoch macht „Death Sentence“ seine Sache reflektierter als die meisten Filme des Genres, wenn sich Nick in Aussehen und Verhalten immer mehr denen annähert, gegen die er kämpft. Zum anderen kontrastiert Wan Nicks Familie mit der Gang, eine Ersatzfamilie für die Mitglieder, die teilweise herzlicher ist als die eigene Verwandtschaft. Zudem wird Nicks Handeln kritisch beäugt, vor allem von der Polizistin, die anmerkt, dass derartige Gewaltspiralen nie ein Ende finden – je weiter Nick geht, desto mehr verliert er. *SPOILER* So ist „Death Sentence“ dann auch sehr konsequent, wenn Nick die Chance auf einen Neuanfang mit seinem überlebenden Sohn ausschlägt und die finale Konfrontation nur tödlich verletzt übersteht – in dem Wissen sterbend, dass sein Sohn als Vollwaise erwacht. In „Death Wish“ kam der Hauptcharakter ja noch lebend mit Stadtverbot davon. *SPOILER ENDE*
Im Zuge dieses realistischeren Ansatzes wird dann nicht zu sehr auf Action gesetzt, doch wenn es dann zur Sache geht, dann derb und roh. Als Normalbürger besorgt sich Nick erst spät Waffen, stattdessen sind die ersten Begegnungen mit der Gang herbe Kämpfe, in denen Nick alles benutzt, was er findet: Gurte, Autotüren oder den eigenen Aktenkoffer. Der Härtegrad ist hoch, vor allem die Schrotflintentreffer aus nächster Nähe, und so überzeugt die Action auf ihre derbe Machart, die zwar nicht übermäßig spektakulär, aber doch sehr fesselnd daherkommt.
Mengenmäßig ist nicht soviel vorhanden, doch James Wan inszeniert seinen düsteren Thriller mit ordentlich Drive. Ohne Längen dreht sich die Gewaltspirale immer weiter, die Ruhepausen mit der Familie zeigen einen alternativen Ausweg, doch Nick geht den Pfad konsequent weiter – was auch zu überraschend herben Rückschlägen für ihn führt. Jedoch ist „Death Sentence“ immer soweit es geht glaubwürdig (immerhin ist dies ja ein Film), wenn sich der Normalbürger zum Rächer wird und in seiner finalen Raserei wie eine Bestie erscheint – so wie vorher der Mörder seines Sohnes bezeichnet wurde. Hinzu kommt ein eingängiger Soundtrack und Inszenierung mit ein paar netten Kameratricks (z.B. beim Duell durch die Wand hindurch).
Kevin Bacon spielt die Hauptrolle auch sehr intensiv, die Wandlung seines Charakters kauft man ihm stets ab. John Goodman als Waffenhändler ist schön undurchsichtig, aber hat nur wenige Szenen, Garrett Hedlund als Bösewicht spielt mit Charisma. Dagegen wirken Kelly Preston und Jordan Garrett als verbliebene Familie Nicks doch etwas unscheinbar, auch sonst hinterlassen die Nebendarsteller wenig Eindruck. In einer Rolle ist auch Leigh Whannell, der Autor von „Saw“ und „Dead Silence“, zu sehen.
Der Spagat einen teilweise kritischen Selbstjustizthriller zu drehen und gleichzeitig noch Schauwerte zu bieten, gelingt „Death Sentence“. Spannend erzählt und gelungen inszeniert unterhält er ziemlich gut, auch wenn der kritische Ansatz gelegentlich mal flöten geht.