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"Geh mit Gott. Und deiner Tasche voller Waffen."

Kurz zusammengefasst ist "Death sentence" ein großkalibriges Actiondrama im kleinen Stil.
In John Hume's Leben (gespielt von einem hervorragenden Kevin Bacon) ist alles in Ordnung. Er ist erfolgreich in seinem Job, hat eine Familie die zusammen hält und führt ein ausgeglichenes Leben. Zumindest bis sein erstgeborener Sohn vor seinen Augen auf dem nächtlichen Nachhauseweg an einer Tankstelle von einer Gang ermordet wird. Ab diesem Zeitpunkt soll sich alles ändern.

Zugegeben, der Plot ist nicht neu. Selbstjustiz gab es schon in unzähligen Filmen und wird, wie auch hier, gerne als Aufhänger für groß angelegte Metzelorgien heran gezogen. Bis es aber zu letzt genanntem kommt ist ein wenig "Vorarbeit" nötig. Und hierfür wurde ein äußerst intelligentes Psychogramm erstellt. Anfangs bricht der Hauptcharakter immer wieder mal zusammen, hat Selbstzweifel an seinem tun, zeigt Angst und flüchtet vor Konfrontationen soweit es möglich ist. Die Spirale der Gewalt zeigt aber kein erbarmen und zieht die Schlinge um John Hume im mittleren Teil nochmals enger. Ab hier verändert er sich völlig, gibt sein Leben auf und hat nur noch ein Ziel: Die Gang bzw. dessen Kopf zu töten.

Der Weg bis dorthin ist sehr spannend und temporeich, aber ebenso einfühlsam bebildert.
Mit bedrückender Musik wird anfangs ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Es gibt einige tolle, minutöse Kamerafahrten durch geordnete Büroräume sowie im Kontrast stehende, schmutzige Vorstadtslums.
Interessant ist die Kritik am Justizapparat, welcher hier mit gebundenen Händen agiert und überhaupt nichts tun kann. Dies führt später leider zu einigen Logiklöchern, denn gerade in Amerika ist die Tötung von Polizisten garnicht gern gesehen und dürfte ein ganzes Aufgebot eben dieser inclusive SWAT oder ähnlicher Institution zur Folge haben, was hier aber nicht der Fall ist.

Ganz besonders beeindruckend ist die One Man Show durch Kevin Bacon. Die Verwandlung vom erfolgreichen, ausgeglichenen Geschäftsmann zum vernarbten Racheengel trägt zu einem Großteil der Atmosphäre bei. Die entspannte Haltung weicht einem ohnmächtigen, gleichgültigen Ausdruck was hervorragend in seinem Gesicht zu erkennen ist. Support bekommt er kurzzeitig von John Goodman der hier als Vater des Oberhauptes der Gang mal in einer ungewöhnlichen Rolle steckt. Der Rest ist so gesehen Kanonenfutter.

Betonen möchte ich die recht harte, grafische Gewaltdarstellung. Da größtenteils mit großkalibrigen Waffen umgegangen wird fällt schon mal ein Bein ab, es sind dicke Einschusslöcher inclusive Blutwolken ersichtlich, ebenso abgeschossene Finger. In ähnlicher Konfiguration gab es schon andere indizierte Medien. Hier wundert mich also die "milde" FSK 18 Freigabe. Möglicherweise trägt hier die abschließende Moral, dass Gewalt zu nichts führt und am Ende alle kaum etwas von Famlie vorzuweisen haben, ein Gewicht.

Einfühlsames Familiendrama + knallharte Action + herausragende schauspielerische Leistung + mit Nachsicht behandelte Logiklöcher + hab ich alles schonmal in besser gesehen = gute

7 / 10

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