Mit Charles Bronson alias Paul Kersey fing damals alles an, wenn man an Selbstjustiz denkt, fällt einem unweigerlich die "Death Wish" Reihe ein und natürlich der Name Brian Garfield, nach dessen Novelle damals "Ein Mann sieht rot" entstand. In den 80er Jahren wuchsen die Selbstjustizfilme quasi an den Bäumen, bevor es in den 90er Jahren deutlich ruhiger, fast totenstill wurde. Doch das typische Rachekino scheint ein Comeback zu erleben. So ist es für die Regisseure und Drehbuchautoren eine wahre Herausforderung, diesem Thema neue Facetten abzugewinnen und das Handeln des Rächers durch ständige Hinterfragung und Gefühlsausbrüche zu rechtfertigen. So war es in "Die Fremde in mir" mit Jodie Foster, während James Wan (Saw, Dead Silence) mit "Death Sentence" deutlich härter zu Felde zieht.
Manager Nick Hume (Kevin Bacon) führt mit Helen (Kelly Preston) und seinen zwei Söhnen Brendan (Stuart Lafferty) und Lucas (Jordan Garrett) ein rundum perfektes Leben. Bis zu jenem Abend, als er mit ansehen muss, wie Brendan von einer Gang brutal ermordet wird. Nick ist nicht nur ausser sich vor Trauer, sondern auch vor Wut und beschließt sich an der Gang von Billy Darley (Garrett Hedlund) zu rächen. Die Warnungen von Detective Wallis (Aisha Tyler) schlägt er in den Wind und über die Konsquenzen macht er sich gar keine Gedanken. Es kommt zu einer Tragödie.
Wenn man sich solch einen Film ansieht, stellt man sich manchmal die Frage, was man selbst in solch einer Situation machen würde und auch wie weit man gehen würde. Doch die Konsequenzen lässt man meist ausser Acht, genau das passiert auch Nick Hume. Bei ihm scheint alles perfekt zu sein. Er hat einen gut bezahlten Job, ist glücklich mit seiner Frau Helen und hat zwei Söhne. Doch seinem Erstgeborenen Brendan, schenkt Nick ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Er ist dabei Karriere als Eishockeyspieler zu machen und auf der Rückfahrt von einem Spiel passiert das Unfassbare. Zudem ist der Mord an Brendan völlig sinnlos. Jemand muss sich beweisen, um in Darlys Gang aufgenommen zu werden und dafür muss Brendan sterben.
Wie es in der Realität auch ist, so können die Gerichte nicht viel dagegen machen. Der eigentliche Mörder von Brendan konnte geschnappt werden, doch Nick macht eine Falschaussage, da er den Kerl eigenhändig umbringen will. Schusswaffen hat er keine, so kramt er in seiner Garage, findet dort ein Messer und auch sein Aktenkoffer etabliert sich noch als Schlagwerkzeug. So wie in "Ein Mann sieht rot" wird auch Nick stets von Gewissensbissen begleitet und er bereut seine Taten. Doch etwas läuft hier anders. Billy Darley und seine Gang warten nicht bis Nick sie dezimiert hat, sondern sie schlagen zurück und zwar gnadenlos.Nick und Lucas werden lebensgefährlich verletzt, Helen stirbt und das trotz Polizeischutz. So beweist "Death Sentence" auch, wie sinnlos Rache sein kann, statt einem Opfer hat Nick nun mehrere zu beklagen.
Doch jetzt brennen bei ihm völlig die Sicherungen durch. Er besorgt sich Waffen und greift die Gang in ihrem eigenen Viertel an. Die Actionszenen hat Wan sehr kompromisslos in Szene gesetzt, besonders den Überfall auf Nicks Familie. Realistisch gehaltene Zweikämpfe, blutige Einschüsse, auch wird Nick einmal quer durch die Stadt gejagt. Man fragt sich nur, woher Nick auf einmal so gut schießen kann, wo er sich kurz zuvor erst einmal die Gebrauchsanweisungen für die einzelnen Waffen durchlesen musste. Und auch bei Billy Darly und seiner Gang griff man tief in die Klischeekiste. Die sind natürlich von der übelsten Sorte, verkaufen Drogen, Morden aus Spass und sind stets tätowiert. Der Grund warum sie das tun, dürfte wohl ihr Umfeld sein, oder der Gruppenzwang, darauf wird leider kaum eingegangen. Wie der Vater, so der Sohn, das dürfte eine plausible Erklärung sein, wenn man Billys Vater (John Goodman) kennenlernt.
Mit Kevin Bacon (Mystic River, Hollow Man) in der Rolle des Nick Hume, ist "Death Sentece" fürstlich besetzt. Vom sympathischen Familienvater bis zum Racheengel, Bacon wirkt immer glaubwürdig und unterscheidet sich im Finale kaum noch von Darly und seiner Gang, so weit ist er gegangen. Garrett Hedlund (Vier Brüder, Eragon) hat nicht sonderlich viel zu tun, ausser gefährlich auszusehen, Aisha Tyler (.45, Santa Clause 2,3) als Detective Wallis macht ihre Sache gut, so auch Kelly Preston (Twins - Zwillinge, Nix zu verlieren) als Helen Hume. Nur die Mitglieder der Gang können keine Akzente setzen.
"Death Sentence" glorifiziert die Rache nicht, sondern zeigt auch drastische Konsequenzen auf. Einige Klischees haben auch ihren den Weg gefunden, doch viel besser hätte James Wan das nicht machen können. Knallhart, blutig, kompromisslos, tragisch und spannend und zudem top besetzt. Wesentlich besser als "Die Fremde in mir".