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Als 1960 Peeping Tom veröffentlicht wurde, verursachte der Film einen Skandal, der die Karriere von Regisseur Michael Powell vorzeitig beendete. Powell hatte seinem Publikum zu viel zugemutet. Der Film verschwand in den Archiven. Aus heutiger Sicht ist das nur wenig nachvollziehbar. Nachvollziehbar ist aber, dass, nachdem u.a. Martin Scorsese Powell's Film zu neuem Ruhm verhalf, Peeping Tom als Meisterwerk des britischen Horrorkinos gehandelt wird. Vielmehr ist Peeping Tom jedoch ein Psychothriller, der den Killer als Menschen darstellt, als Täter und als Opfer, für den wir Bedauern empfinden können. Mark, der Täter, ist Opfer der Experimente seines Vaters, der ihn mit Kamera dazu missbrauchte, Angst zu erforschen. Wie besessen setzt Mark die väterliche Tradition fort, indem er Frauen mit dem Stativ seiner Kamera tötet, sie dabei filmt, und durch einen angebrachten Spiegel, die Opfer ihren eigenen Tod bzw. ihre Todesangst beobachten lässt. Schon bald ist die Polizei hinter ihm her und er muss seine Studie zum Abschluss bringen...

Ein wirklich spannender und atmosphärischer Thriller, der sich zu Filme von Hitchcock vor allem insofern unterscheidet, dass der Zuschauer selbst zum Voyeur wird: Von Anfang an ist klar, wer der Killer ist, und wir als Zuschauer können an seinem Leben teilhaben und (müssen) uns mit ihm identifizieren, denn wir sind genaus Voyeur wie Mark, der alles mit seiner Kamera festhält. Vielleicht ist das das Schreckliche an Powell's Film: Mark hält die Kamera nicht nur auf seine Opfer sondern auch auf uns. 10/10 Punkten!

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