Robert Steinhäuser läßt grüßen:
Vor Jahren starb Michaels (Furlong) Mutter bei einem Autounfall, er selbst überlebte schwerverletzt. Nur eine gräßliche Narbe an seinem Knie erinnert noch an die Tragödie. Sein Vater, ständig auf Geschäftsreise, ist keine große Hilfe. Desillusioniert verbringt er seine Zeit mit dem Zocken immer neuer PC-Spiele und dem Betrachten seiner heimlichen Liebe Kimberly (Hargreaves) von nebenan. Eines Tages erzählt ihm sein Kumpel Kyle (Marsh) von einem brandneuen Spiel namens "Brainscan", welches angeblich die Grenze zwischen Realität und Fiktion durchbrechen soll. Und tatsächlich: Am nächsten Morgen, nachdem Michael einen Mann im Cyberspace getötet hat, untersucht die Polizei einen Mord in der Nachbarschaft.
"Brainscan" ist einer dieser Filme, von denen der Zuschauer nicht genau weiß, was er zu erwarten hat, um schließlich doch positiv überrascht zu werden. Sowohl die Haupt- als auch die Nebenrollen sind glaubhaft charakterisiert, wirken aber nicht zu überfrachtet: Furlong als Pubertierender mit schicksalhafter Vergangenheit; Hargreaves als Objekt seiner Begierde, welches er durch das Teleskop betrachtet; ein autoritärer Schuldirektor (Hemblen), dem das Treiben in Michaels Schul-Horrorclub zutiefst suspekt ist; und ein herrlich zynischer Anti-Held namens Trickster (Ryder-Smith), der Michael zum Spielen wider Willen überredet, wohlwissend, daß dies nur weitere Todesfälle nach sich zieht. Lediglich Frank Langella macht in seiner Rolle als Lieutenant Hayden keine besonders gute Figur, mit seinen grauen Jacketts und dem düsteren Blick wirkt er fast wie die US-Ausgabe von Inspektor Derrick, nur ohne Tränensäcke.
Neben den eher lustigen Discount-F/X im Cyberspace und den spärlich gesäaten - wenn auch heftigen - Goreszenen gerät vor allem das vorhersehbare wie notwendige Ende etwas enttäuschend, zuviele Zufälle kann selbst die beste Realität nicht verkraften. Hier zeichnet sich auch Flynns krassester Logikfehler ab, als Michael Direktor Fromberg die CD-Rom übergibt, befindet er sich bereits nicht mehr im Spiel. Dennoch läßt man ihm diesen Schnitzer zugunsten des tongue-in-cheek Effekts gerne durchgehen.
Als Running Gag erweist sich das Auftauchen von Schäferhund Zak, zuerst verschwindet er mit dem abgetrennten Fuß, den Michael nur möglichst schnell beseitigen will, um dann kurz nach Beginn der Credits mit eben diesem Fuß zwischen den Zähnen eine Straße zu überqueren.
"Brainscan" ist kein visionärer Endzeitstreifen mit sozialkritischem Hintergrund, er benutzt Themen wie ausufernde Spielsucht, jugendliches Interesse für sinnlose Gewalt und Mord als unterhaltsames PC-Spiel nur als Rahmen für einen clever gestrickten Thriller, der ebenso spannend wie kurzweilig ist. Mehr konnte man von Regisseur Flynn ("Deadly Revenge") auch nicht erwarten.