Als sensible Charakterstudie mit Anteilen eines Selbstjustiz-Dramas geht Terry George´s Streifen allemal durch, doch dabei verlässt er sich allzu sehr auf seine beiden Hauptfiguren, die es innerhalb einer fast belanglos anmutenden Geschichte nicht schaffen, eine emotionale Kraft zu entwickeln.
Es ist dieser einzige Augenblick, der das Leben zweier Familienväter von einer Sekunde auf die nächste verändert. Anwalt Dwight (Mark Ruffalo), mit seinem Sohn auf dem Rückweg von einem Baseballspiel, überfährt den zehnjährigen Jungen von Professor Ethan Learner (Joaquin Phoenix) und begeht Fahrerflucht. Von Rachegefühlen getrieben und von den Ermittlungsergebnissen der Polizei enttäuscht, forscht er auf eigene Faust nach und schaltet eine Anwaltskanzlei ein, jene, in der Dwight tätig ist…
Es ist ein Film des Leids und des Leidens. Zwei Männer, denen anfänglich klar Sympathie und Verachtung zugewiesen werden, im Umgang mit Schuld und Sühne.
Ethan kapselt sich immer mehr von Frau und Tochter ab, besessen von dem Gedanken, einen „Mörder“ dingfest zu machen, dessen Identität einzig durch eine vage Beschreibung des Fahrzeugs auszumachen sein könnte.
Dwight hingegen verliert immer mehr den Boden unter den Füßen, aus Angst das Besuchsrecht für seinen Sohn zu verlieren, schweigt er über die Tat, doch als Ethan sich mit seiner Anwaltskanzlei in Verbindung setzt und nichts ahnend dem Unfallfahrer gegenüber steht, zerreißt es ihn zwischen Angst vor Rache und dem schlechten Gewissen, sich nicht offenbaren zu können.
Das ist alles ganz wohlwollend gemeint, auch großartig geschauspielert, grundsolide gefilmt, musikalisch fantastisch untermalt, doch bei alledem packt einen der Stoff nicht.
Er ist weder ergreifend, noch spannend, denn zu sehr mäandert man inhaltlich umher, lässt Randfiguren wie Mütter oder Polizisten zu kaum mehr als schattenartige Klischeefiguren verkommen und konzentriert sich zu sehr auf die beiden Väter, deren emotionale Martyrien zwar glaubhaft erscheinen, aber eben kaum zu Konfrontationen mit der Umwelt führen.
Vielmehr läuft alles auf ein finales Aufeinandertreffen beider hinaus, denn, das ist von Anbeginn klar, wird die Wahrheit gewiss ans Tageslicht kommen.
Mit dem Ausgang dieses Aufeinandertreffens kann man jedoch zufrieden sein, denn er lässt Möglichkeiten offen, wo andere vielleicht ein radikales Ende gesetzt hätten, was sich auf dieser Ebene auch deutlich von Rachedramen abhebt, die mehr auf Tempo und Nervenkitzel setzen.
Allerdings fehlen dem Streifen anderweitig große emotionale Momente, die das Sujet eigentlich geradezu herbei schreit. Da ist eine Szene, als Ethans Töchterchen bei einer Schulaufführung das Stück ihrem verstorbenem Bruder widmet und während beide Elternteile stolz zuhören, sich nach langer Zeit wieder etwas näher kommen, - das sind diese stillen Sekunden, von denen es mehr bedurft hätte und nicht ein immer wieder kehrender Chat mit gleichgesinnten Unfallopfern oder das stetige Zelebrieren von Baseballspielen mit wachsender Erkenntnis, dass der äußere Schein nicht länger aufrecht gehalten werden kann.
Beide Hauptfiguren werden zu lange in isolierten Situationen gezeigt, ohne dass die eigentliche Handlung vorankommt.
Ohne Frage, Phoenix und Ruffalo spielen grandios auf, doch das Script schafft es kaum, diese Leistungen zu würdigen, indem es sich überwiegend auf Großaufnahmen ihrer Gesichter beschränkt, jedoch nicht in der Lage ist, die eigentlich unglaublich tragische Geschichte auch emotional hautnah zu transportieren.
Das Ganze wirkt ein wenig mechanisch ohne aufzurütteln und das ist bei dieser Prämisse letztlich reichlich enttäuschend.
Gerade noch
5 von 10