Das Herz eines jeden Tierhorrorfreundes dürfte endlich wieder schneller schlagen, denn diese Hommage an Hitchcocks „Die Vögel“ kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen.
Regisseur Sheldon Wilson konnte nicht nur Altmime Rod Taylor gewinnen, der sich anno 1963 bereits mit den Vögeln anlegte, sondern auch richtig gut dressierte Raben, die zeitweise für hoch spannende Momente sorgen.
Das Geschehen spielt sich in einer amerikanischen Kleinstadt ab. Obgleich Sheriff Wayne hier seinen letzten Tag in aller Ruhe bestreiten will, kommt alles ganz anders: Zunächst wird er zu einer Scheune gerufen, um den mysteriösen Tod eines Farmers zu untersuchen, woraufhin ihm der lokale Versager Clyde von einem Angriff aggressiver Krähen berichtet.
Wayne kann seiner Erzählung jedoch erst glauben schenken, als er sich an einem Unfallort dem angriffslustigen Schwarm schwarzgefiederter Zweibeiner ausgesetzt sieht.
Das Treiben gönnt dem Betrachter nicht eine Ruhephase, setzt schön klassisch mit der kurzen Vorstellung des Helden ein, um zeitgleich den Tod des ersten Opfers einzuleiten. Ganz genretypisch will man den Ernst der Gefahr nicht erkennen und es muss zu einigen Übergriffen kommen, bis die Verantwortlichen handeln.
Das steigert sich dramaturgisch gekonnt mit den Angriff auf einen Hund, der Bedrohung eines Kindes unter einem Fahrrad versteckt und erhält seinen Höhepunkt, als der vermeintliche Loser Clyde mit dem Bus und einigen Mädchen darin im nächtlichen Wald eine Panne hat und die Gruppe recht schnell belagert und attackiert wird.
Hinzu kommt die mysteriöse Rolle einer Mennoniten-Familie (die aber komplett amish aussieht und sich von denen nur durch Autofahren unterscheidet), der Fall in eine Kadaver-Grube, sowie ein klassisches Finale mit Verbarrikadierung in einem Diner und ganz zum Schluss, eine erwartungsgemäß makabere Endeinstellung.
Da bereitet es nicht nur Freude, einem Kerl wie Rod Taylor, wenn auch nur in einer Nebenrolle als Arzt zuzusehen, auch Sean Patrick Flanery kann seiner Heldenrolle als Sheriff gerecht werden.
Allerdings ist der zu keiner Zeit so imposant wie die eigentlichen Hauptdarsteller.
Denn die Raben wurden erstklassig dressiert und es ist erstaunlich, wie viel man diesen intelligenten Tieren beibringen konnte. Wenn sie so in Scharen lauern oder sich auf dem Dach eines Autos sammeln, dann wieder im Pulk eine Person attackieren oder dem Wurf einer Dose ausweichen, ist man froh, dass man weitestgehend auf CGI verzichtet hat. Die kommen nur zum Einsatz, wenn riesige Mengen durch die Lüfte flattern oder sich von weitem annähern, um kurz darauf rechts und links vom Betrachter einen derben Wind zu veranstalten.
Aber auch die Computergenerierten bewegen sich auf einem ordentlichen Niveau.
Zudem sorgen die schwarzen Flatterviecher für ein paar kleine Bluteffekte, es wird hin und wieder an einigen Opfern herumgepickt und auch mal ein wenig Gehirn verspeist.
So ergeben sich im Verlauf nicht nur zahlreiche spannende Szenen, die mit streicherbetontem Score hervorragend zum Tragen kommen, sondern auch atmosphärisch dichte Momente.
Da bleiben vor allem eine Flucht durch ein hohes Feld unter Einsatz von Schusswaffen (auch von weitem wahrgenommen) und dieser gelbe Bus im Wald stehend, mit Leuchtmond und einzeln umherschwirrenden Raben länger in Erinnerung.
Natürlich kann man „Kaw“ den Vorwurf des überaus dreisten Plagiats machen, denn einige Elemente, wie dieses Diner mit den beiden Zapfsäulen, welches als Treffpunkt aller relevanten Figuren dient, erinnert überdeutlich an Hitchcocks Werk. Darüber hinaus kennt man diese Rabentaktik, - erst umherschwirren, sich vermehrt irgendwo niederlassen, um dann, wie auf Kommando, anzugreifen.
Anders wäre das Konzept aber sicher nicht aufgegangen, zumal man hier sogar noch eine Erklärung für das Phänomen parat hat. Diese bringt, so kennen Genrefreunde das, ein paar gewaltige Logiklöcher mit sich, was aber kaum negativ ins Gewicht fällt.
An dieser Stelle könnte man noch erwähnen, dass die Gegend manchmal mit Schnee ausgestattet wurde, während er in der nächsten Szene wieder verschwunden ist oder man den Raben soviel Cleverness zumutet, dass diese Steine tragen, um damit gezielt Scheiben einzuwerfen. Okay, etwas dick aufgetragen, aber im Zuge einer solchen Ereigniswucht kein Problem.
Denn für eingefleischte Tierhorrorfreunde dürfte diese Hausmannskost ein wahrer Leckerbissen darstellen. Viele Angriffe, zügige Schauplatzwechsel, keine unnötigen Laberphasen, die am Ende knapp 88 Minuten beste Unterhaltung liefern.
Und wer Hitchcocks Klassiker bereits in und auswendig kennt, könnte hierdurch ein wenig in nostalgisch anmutende Gefilde entschwirren, - es lohnt sich, denn es beschert Neues im vertrautem Gewand.
8,75 von 10