Wie auch die anderen osteuropäischen Filmländer war die DDR im Bereich des Kinder- und Jugendfilmes nicht nur sehr aktiv, sondern auch qualitativ weit vorne; Werke, die bei Erscheinen schon sofort die entsprechende Zielgruppe angesprochen haben und oftnals auch noch Jahrzehnte später und über Generationen hinweg Gefühle ausgelöst und Erinnerungen geweckt. Mit vorn dabei bei den Autoren und Regisseuren war Filmemacher Rolf Losansky, der vor allem in den Achtzigern einen wahren Lauf hatte und sein Metier und die Materie regelrecht perfektioniert. Von den Altersgruppen her durchaus auch eine größere Bandbreite im Visier und von der Thematik über Träume der Freiheit, über Abenteuer, Freundschaft, Erlebnisse mit neu gewonnenen Bekannten oder auch der ersten noch unbeschwerten, nicht unbeschatteten, aber unschuldigen Liebe hinweg wurden auch unterschiedliche Stadien zwischen Kindheit und bevorstehenden Heranwachsen in Augenschein genommen. Und jeweils in Der lange Ritt zur Schule (1981), Moritz in der Litfaßsäule (1983), Das Schulgespenst (1986) neue Welten im Hier und Jetzt erschaffen und gleichzeitig die Realität widergespiegelt:
Im Dorf Boddenhagen am Greifswalder Bodden lebt der junge Hannes Wittspeck [ Andreas Roll ], wo er auch mit der gleichaltrigen Carolin [ Constanze Berndt ] zur Schule und in die fünfte Klasse geht. Hannes hat ein Problem, ist er zwar schon lange mit Carolin befreundet, entwickelt sich aber momentan mehr beim ihm, was ihm nicht nur in der Schule leichten Ärger aufgrund vermehrt Unaufmerksamkeit im Unterricht einbringt, obwohl das noch von seiner Lehrerin [ Ellen Hellwig ] aufgrund eben der aufkeimenden Gefühle toleriert wird. Aber seine Mutter [ Petra Kelling ] ist wenig begeistert von der Schwärmerei, zumal ihr Mann [ Carl-Hermann Risse ] früher in Carolins Mutter verliebt war und eine Beziehung mit ihr hatte. Zusätzlich kommt hinzu, dass neuerdings Carolin vermehrt Kontakt mit dem Schulkumpan Benno [ Steffen Raschke ] hat, während er plötzlich ungewollt die Aufmerksamkeit von der Kameradin Kerstin [ Kirsten Rolletschek ] auf sich zieht.
Auffällig hier ist, dass die Welt groß und dennoch zu klein gleichzeitig ist, bei den geringsten Sachen von Hannes und Carolin werden sie beobachtet, kommentiert oder sogar gestört, nicht nur von den Erwachsenen, die sich oft gar nicht erwachsen verhalten (und von sich selber gegenseitig beobachtet bis beaufsichtigt werden), sondern meinen sich einbringen zu müssen. Als auch von anderen Kindern selber, die das 'miteinander gehen' der Beiden sabotieren oder darüber lamentieren. Handlungs- und Drehort Darß als Insel dabei immer vom rauen Klima beeinflusst als auch von der Einschränkung der Räumlichkeiten und der Abgeschiedenheit von der Gesellschaft (das Mobiliar wirkt grundsätzlich etwas älter als zur Drehzeit ersichtlich, oder war einfach länger im Gebrauch), ist der Schauplatz hier eine Art Dorf, mitsamt Schule (mit kleinem Klassenzimmer und Pioniernachmittag im roten Halstuch, bei dem Carolin scheinbar auch die Gruppenratsvorsitzende ist), Konsum (mit nur teils gefüllten Regalen, in denen es immerhin Spirituosen gibt, auch wenn zwischendurch mal die Kartoffeln aus sind und der Chef zwar nicht richtig bestellt, aber wie ein Wachhund im Käfig seine Mitarbeiter patrouilliert und kontrolliert), dem Hafen samt Bollwerk (gefilmt in Wustrow) und sonst nicht viel mehr als die Landschaft selber. Und eine Beengung, die dem Bewegungs- und Erkundungsdrang der Heranwachsenden widerspricht und wo selbst die jeweiligen Eltern sich schon kannten und auch mal ein Paar waren, was sicherlich nicht gerade hilfreich, die Geschichte eventuell gar am sich wiederholen ist. [Laut der zeitgenössischen Kritik soll die Haltung der Erwachsenen hier positiv idealisiert sein, was man nicht wirklich nachvollziehen kann: Die Lehrerin ist überfordert, die Mutter abweisend, der Vater gibt sich Mühe, verfällt aber stets in das “Du bist zu jung, du weißt nichts.“]
Erklären müssen sich die Adoleszenten auch, “Was weißt Du schon von der Liebe“ heißt es zwischendurch, ein großes Wort sicherlich, was aber gut beschrieben wird und wo die Tatsache anders als in der Schule auch mal Gefühl und das Gefühl gleichzeitig eine Tatsache ist. Inklusive den Begleiterscheinungen, die die Liebe so mit sich bringt, das Negative, das Alleinsein und Allein Fühlen, die Angst vor dem sich Offenbaren, vor der Zurückweisung und auch den Nebenbuhlern und der Konkurrenz. Auch die 'Fehler' sind schon da, das Verschweigen der eigenen Gedanken, die hier zwar der Zuschauer hört, aber auch nur er, und die sich zuweilen in trotzigen Taten und eingeschnappten Reaktionen ausdrücken, welche der Gegenüber missversteht und so zusätzlich auf Abstand geht. Die Veränderung des Lebens, von jetzt auf gleich und das völlig anders scheinende Verhältnis, dass selbst den Außenstehenden (“Ehekrach“) blitzschnell auffällt, wird von Regisseur Losansky wie im Nebenher und fließenden Übergang betrachtet und dennoch aufmerksam verfolgt; nun hat auch die einleitende allwissende Erzählerstimme Ihre Pause und wird sich ganz auf die Nöte des Hannes und ihn zumeist im Zentrum der Handlung, mit dem Mädchen eher als Firnis der Erzählung konzentriert.
Zur Ablenkung wird zwischendurch ein kleiner Abenteuerfilm aus der Geschichte, Hannes unternimmt viel, Hannes versteckt sich auch oft (vor seinem Vater oder einer 'aufdringlichen' Klassenkameradin), Hannes gerät auch des Tages ins Träumen, schippert auf einem gefundenen Kahn auf dem Bodden herum und stellt sich Schmuggler im Widerstreit mit Zöllner vor und andere Räuberpistolen (der Schmuggler war auch Antifaschist, der mit Flugblättern gegen das Hitlerregime gekämpft hat), wobei die Ablenkung für den Moment und die Zeit auch und die Gewöhnung an die verzwickte Situation hilft. Unrühmlich ein wenig das dramatische Ende, die rein auf oberflächliche Spannung prononcierte Katastrophenandrohung auf Hoher See, wobei die Geschichte dann dort auch wirklich aufhört, man aber schön gerne die Fortführung zwischen Hannes und seiner Carolin wissen tät.