Review

Mal geben sich Schwule als Heteros aus, mal ist es umgekehrt – die Idee ist so alt wie der Film an sich.
Bei „Chuck und Larry“ kommt Variante B mal wieder zum Tragen, wenn Larry (Kevin James) seinen Feuerwehrkollegen Chuck (Adam Sandler) zum Traualtar führt/zerrt, weil er durch eine gleichgeschlechtliche Ehegemeinschaft sich die Möglichkeit offen hält, seine minderjährigen Kinder per Versicherung abzusichern, nachdem er die nötigen Fristen nach dem Ableben seiner Frau versäumt hat. Doch aus der kleinen Finte wird prompt große Not, als Behörden aufgrund des möglichen Betrugsverdachts beginnen, ihnen nachzustellen und das schwule Zusammenleben nun Tagespflicht ist. Und natürlich geraten auch in anderen Lebensbereichen die Dinge in Bewegung…

Wer bei so einem Plot Klischees vermutet, der liegt vollkommen richtig.
„Chuck und Larry“ ist kein neuer Aufbruch des Themas Homosexualität im Film, sondern benutzt die bereits ausgetretene Thematik für eine Neubeackerung.
Dabei liegt die Entscheidung über Amusement oder nicht ganz beim Zuschauer, der sich entscheiden muß, ob er über die zu erwartenden Flachheiten lachen will oder sich eher aufregen möchte, dass schon wieder Schwule für nicht sonderlich originelle Witzchen ausgebeutet werden, selbige als schrille Paradiesvögel dahingestellt und Heteros mit Vorurteilen geschwängert rübergebracht werden.

Das ist nicht neu, das ist nicht originell und wenn man möchte, kann man sich über die Abgelutschtheit des Themas echauffieren.
Allerdings kann „Chuck und Larry“ mit einem prominenten Cast punkten, angefangen schon bei den beiden Hauptdarstellern Sandler und James, die allerdings wenig mehr zu tun aber, als ihre vielfach erprobten Standardfiguren (bei James aus „King of Queens“, bei Sandler fast jede Komödie, die er gedreht hat) auf Befehl abzurufen. Die Chemie stimmt, das Tempo ebenfalls und die beiden spulen die zu erwartenden Gags, von denen einige ausgelatscht (das ständige Beharren auf den monumentalen Analsex der beiden) und andere überraschend treffsicher sind.
Nach dem Dauerfeuerprinzip wird hier Pointe auf Pointe abgefeuert und einige werden schon treffen – was allerdings auch leicht fällt, wenn ein Hüne wie Ving Rhames einen schwulen Kollegen spielt, Rob Schneider nach langer Zeit als asiatischer Schnellverhochzeiter mal wieder so etwas wie Humor abliefert, Jessica Biel trotz eingeschränkter Fähigkeiten ihre Rolle recht locker abspult, Dan Aykroyd nach bewährtem Motiv (z.B. „Evolution“) herumpoltern darf und sich sogar Richard Chamberlain zu einem Gastauftritt hergibt.
Die letzte Würze bringt Steve Buscemi dann als fieser Behördenprüfer – ein Standard, aber gekonnt gespielt.

Die Idee gibt hier nur die Richtung vor, alles andere entwickelt sich sprunghaft und wenig linear, seien es die Familienprobleme, das Ansehen in der Schule, die Probleme mit den Kollegen oder den Reiz des anderen Geschlechts – wobei es ein wenig seltsam anmutet, dass ein „womanizer“ wie Sandler sein übliches Ziel (Weiber) nach der Eheschließung recht flüssig unter Kontrolle bekommt.

Letztendlich muß man zugeben, dass sich die Macher am Ende jedoch nicht wirklich trauen, mal etwas zu wagen. Der „Beweiskuss“ während der Anhörung gerät mal wieder zum Stolperstein und fördert mehr Vorurteile zu Tage, als das Bemühen um Ausgleich vorher eingedellt hatte – aber es ging hier weder um Aussagen noch um echte Substanz, das Publikum sollte eine Runde ablachen und es gab schon plumperen und ekligeren Humor auf der Leinwand zu sehen.

Wer also sein Bewusstsein soweit unter Kontrolle hat, sich wertfrei dem Amusement hinzugeben, hat einen schönen Abend mit guten bis sehr guten Jokes – wer etwas Neues aus der schwulen Ecke erwartet oder davon ausgeht, das mit den Stars auch die Innovation eingezogen ist, meide den Film bitte tunlichst. (7/10)

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