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Die Dokumentation thematisiert die Dreharbeiten zu Francis Ford Coppolas Vietnamkriegs-Klassiker „Apocalypse Now“ in den späten 70er Jahren. Neben Coppola kommen u.a. Martin Sheen, Dennis Hopper, Robert Duvall und die Ehefrau des Regisseurs zu Wort, die einige Gespräche mit ihrem Mann während der Dreharbeiten heimlich aufzeichnete.

Vielleicht ist „Apocalypse Now“, der nach Meinung vieler Kritiker beste Kriegsfilm aller Zeiten, auch aufgrund seiner fast schon sagenumwobenen Entstehungsbedingungen zum Kult geworden. Glaubt man zudem den Beteiligten, ist der Film vielleicht auch deshalb zum Meisterwerk geworden, weil er nicht nur Vietnam thematisiert, sondern, wie Coppola mehrfach erzählte, für seine Macher ein eigenes kleines Vietnam darstellte. Immerhin hätte ihn der Dreh, den er größtenteils selbst finanzierte, komplett ruinieren können.

Die Dokumentation gibt interessante Einblicke in die Konzeption und die Produktion des Films, lässt viele Beteiligte zu Wort kommen und thematisiert, ganz im Stile eines klassischen Making-Offs, auch einzelne Sequenzen genauer, welche der Zuschauer danach vielleicht mit anderen Augen sieht. Die Anekdoten des Regisseurs, der Crew und der Darsteller halten jedenfalls durchweg bei Laune und man hat jederzeit das Gefühl, dass sie noch sehr viel mehr erzählen könnten, ohne dass es langweilig würde. Der Film folgt dabei grob der Entstehungsgeschichte des Films in chronologischer Reihenfolge. Gerne hätte man aber am Ende auch noch den einen oder anderen Filmkritiker dazu gehört, etwas über die Rezeptionsgeschichte erfahren.

Die Beteiligten geben auch Intimes preis, erzählen ehrlich und durchaus selbstkritisch, wie sie den Dreh erlebt haben. Wir erfahren, dass Martin Sheen die Eingangssequenz sturzbetrunken und in einem depressiven bis aggressiven Gemütszustand gedreht hat oder dass Marlon Brando es trotz seines üppigen Salärs nicht einmal für nötig gehalten hatte, den Roman „Herz der Finsternis“ zu lesen und sich so sehr für seine füllige Figur schämte, dass Coppola diese erst gar nicht zeigen sollte. Vor allem erfährt man viel über Coppola, der sich am Set nach eigenen Angaben teilweise wie ein Diktator aufführte, den sein Megaprojekt bis in seine Träume verfolgte. Das ist interessant, wenngleich man den permanent über seinen Film grübelnden Coppola irgendwann nicht mehr jammern hören möchte. Ärgerlich ist auch, dass die Macher ihre emotionale Beziehung zum Film, ihre Verbundenheit zu den Filmfiguren derart psychologisieren, dass man stellenweise den Eindruck gewinnen muss, sie wollten hier im Nachhinein einen allzu großen Mythos um „Apocalypse Now“ heraufbeschwören. Der ist jedenfalls auch so schon groß genug.

Unterhaltsam ist die Doku mit ihrer knappen Laufzeit dennoch und für Filmfreunde, für Interessierte und die Fans des Kriegsfilms ohnehin Pflichtprogramm. Witzig ist der Film auch. Die damalige Presse, die etwa mit „Apocalypse when?“ oder „Apocalypse Forever“ titelte, machte sich, ähnlich wie die Beteiligten in der Doku, über die abstrus lange Drehzeit lustig. Zur Rubrik Pleiten, Pech und Pannen gehören denn auch die Entlassung des ursprünglichen Hauptdarstellers Harvey Keitel, der Monsun oder der Umstand, dass das philippinische Militär die zum Dreh benötigten Hubschrauber immer wieder für eigene Zwecke vom Set abziehen musste. Nachdenklich stimmt dagegen der Herzinfarkt von Martin Sheen, den der größte Kriegsfilm aller Zeiten um ein Haar als Tribut gefordert hätte.

Fazit:
„Hearts of Darkness“ bietet einen interessanten Einblick in einen der denkwürdigsten Drehs der Filmgeschichte, den sich der interessierte Zuschauer keinesfalls entgehen lassen sollte. Der Mythos „Apocalypse Now“ wird dadurch greifbarer.

65 %

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