Review

Sizilien, oh du, mein Sizilien! 

Nachdem mich Cimino mit seinen kürzeren, mainstreamigeren Werken massiv enttäuschte, kehrt er in meiner Watchlist nun immerhin zu den großen Epen zurück - mit „Der Sizilianer“ über einen der zweischneidigsten und mythosbeladensten Männer, die Italiens südlichste Insel je gesehen hatte…

Robin Hood oder Mobster?

„The Sicilian“ hat höchste Höhen und tiefste Tiefen. Das ist schon ein wilder Ritt! Mal ein poetisches Blutbad, mal unfreiwillige Komik. Mal theatereske Züge, fast operett, mal peinliche Parodie. Mal Biopic, mal Fantasie. Ein bizarrer Bastard. Mal Lambert, mal Turturro. Die nackte Sukowa, der nackte Wahnsinn! Siziliens schönste, kargste Landschaften. Was für eine Insel! Wie für's Kino gemacht. Allein das hält einen über Wasser. Audiovisuell oft ein Banger. Aber dann wiederum eine sprunghafte und sporadische Geschichte, die weder durchdacht Schwerpunkte setzt noch Laune macht, die oft voll den Faden verliert und nie wirklich eine lobenswerte Balance hinkriegt. Cimino hin- und hergerissen, ein Genie auf verlorenem Posten. Sicher sogar intern bei sich. Sehenswerte Momente wechseln sich ab mit Kopfschütteln. Lambert wirkt wie ein Fremdkörper, man kann es nicht anders sagen. Tut mir leid. Traurig. Mit einem Schauspielgiganten wie Pacino oder De Niro, die zu dieser Zeit selbst einen solchen Schmelztiegel von Produktion hätten schultern und an sich reißen können, wäre das Teil wohl wesentlich wohliger gealtert. Wirklich Würde lassen seine vielen Warzen in dieser Version nämlich aktuell nicht zu. Während Ciminos „Heaven’s Gate“ für mich mittlerweile in seiner restaurierten Langfassung völlig umwerfend funktioniert, bleibt „The Sicilian“ ein Wirrwarr bis Reinfall. Meine sizilischen Vorfahren mögen es mir verzeihen. Und wie gesagt mit einigen sprachlos schönen Ausblicken von Büschen bis zu Bergen. 

Theaterkino trifft Totalschaden

Fazit: die Landschaften Siziliens sind atemberaubend. Die Sonne, die Acker, die Pampas, Palermos Prachtbauten. Die Schauspieler sind dafür recht bemüht, allen voran der steife Lambert - bis auf den genialen Turturro, den hat man nie besser gesehen. Die Interpretation und Kreuzung der Geschichte von Guliano ist zumindest interessant. Ein Epos durch und durch. Und dennoch schafft es Cimino hier einfach nicht (selbst abgesehen von manch unfreiwilliger Komik und Schwülstigkeit) eine packende Geschichte zu erzählen - egal in welcher Version! 

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