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TKKG vs. KKK oder von der Gülle zum Trickfilm

Ob nun Ninja Vengeance oder Ninja Revenge, Karl Armstrong und der Verleih nutzen nicht nur einschlägige Reizworte, sondern Armstrong versucht sich auch an einer möglichst klischeereichen Geschichte, über die er nie die Kontrolle zu gewinnen scheint. Der Held ist ein Jüngling, welcher als Schwarzgurt Ninjakrieger seinen Meister verlassen hat, um eigene Erfahrungen zu sammeln. In seinem Gepäck stets ein Ninjahandbuch und zahlreiche Plastikutensilien. Auch wenn seine spirituelle Seite manchmal den Riten eines Michael Dudikoff in American Fighter nahe stehen, doof bleibt es trotzdem.

Überhaupt ist doof eine recht treffliche Beschreibung für einen Film, der selbst praktisch schon einen Chauvinismus daraus entwickelt, die Handlung ausbeuterisch um einen afroamerikanischen Studenten zu stricken, der irgendwo in Texas einigen hinterwäldlerischen Klansmen zum Opfer fällt. Bürschchen stolpert selbstverständlich dazwischen und ich könnte schwören, in der räumlich vollkommen unpassenden deutschen Synchro seine Leihstimme als die Sascha Draegers entlarvt zu haben. Dies verleiht dem Geschehen in Ninja Revenge tatsächlich noch ein Kirschchen auf die Sahnehaube, läßt sich doch eine gewisse Verwandtschaft zur stereotypen Polemik eines Stefan Wolf attestieren, welcher die TKKG-Geschichten verfasst, zu deren Hörspielfassung Draeger wiederum die Hauptrolle Tarzan spricht.

Was auch immer das Ziel Karl Armstrongs gewesen sein mag, sein Ninja Revenge wirkt wie ein drittklassiger, semi-profesioneller Beitrag für einen amerikanischen Regionalsender. Nicht nur treibt er den hanebüchenen Plot mit einer phlegmatischen Ruhe voran, auch die wenigen Actionszenen haben nichts mit Kampfkunst zu tun, sondern eher einer volltrunkenen Interpretation eines Tanzbärballetts. So glotzt man sich nun die Glubscher wund, als die Tochter eines Klansmen, selbst auf eine seltsam unterdrückte Art emanzipiert, nach dem Tod ihres dunkelhäutigen Freundes nun die Nähe zum Ninja-Fatzke im raschelnden Stroh sucht.

Sollte Ninja Revenge nun Drama oder Actionfilm werden? Man weiß es genauso wenig, wie warum Armstrong es ausgerechnet ins Editorial Department von Animationsfilmen wie Madagascar geschafft hat. Dieses Exponat jedenfalls belegt nur abermals zu gütig, was man sich in den 80ern so alles unter dem Label “Ninja” zumuten mußte. Nicht, daß die Handlung in ihrem grobmaschigen Konstrukt feiner hätte strukturiert werden müssen, aber dieses fadenscheinige Gerechtigkeitsmotiv hätte ja wenigstens durch ein amtliches Feuerwerk übertüncht werden können, anstatt quasi ganz auf eine Entwicklung zu verzichten.

Vielleicht ist Ninja Revenge gar Anwärter auf Platz 1 der obersten Ninjagülle. Der Terminus “Direct-to-Video” scheint sich zu einem “Direct-to-Garbage” zu verformen. Im Müll wäre Ninja Revenge nämlich offenbar nach seiner Fertigstellung 1988 verblieben, hätte Columbia TriStar Home Video sich nicht entschieden, dieses Machwerk doch noch auf die Menschheit loszulassen. Ob Menschlichkeit oder Mitleid eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben 1993 noch solche angeranzten Gurken zu exhumieren bleibt wohl fraglich.

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