Review

"Ich kann mich nicht beschweren, ich verdiene gutes Geld. Aber der Job ist nichts für jeden."

Joe (Nicolas Cage) ist ein international aktiver Profikiller und hat seiner Tätigkeit wegen wenig Umgang mit festen Bezugspersonen. Nach jahrelanger, makelloser Erfolgsquote beschließt er nach dem angenommenen Auftrag in Bangkok auszusteigen. Insgesamt vier Personen soll er für die lokale Unterweltgröße (Nirattisai Kaljaruek) töten. Der Kontakt zwischen beiden wird durch entbehrlich angesehene Mittelsleute so anonym wie möglich gehalten. Joe wählt den Straßendieb Kong (Shahkrit Yamnarm) um in zeitnahen Abständen Koffer mit Informationen über die Zielpersonen von der Nachtclub-Tänzerin Aom (Panward Hemmanee) abholen zu lassen. Während das erste Attentat glückt entdeckt Joe in Kong eine ähnliche Ader wie in sich selbst, und bildet ihn entgegen seinen Regeln zum Kopfgeldjäger aus. Parallel lernt er in einer örtlichen Apotheke die taubstumme Fon (Charlie Yeung) kennen, die ihm durch ihre charmante sowie lebensfrohe Art nicht mehr aus dem Kopf geht. Die Gratwanderung zwischen skrupellosem Killer und der Fürsorge zu den beiden Gefährten gefährden die Tätigkeiten während seines letzten Auftrags.

Mit "Bangkok Dangerous“ lieferten die Zwillingsbrüder Danny und Oxide Pang im Jahre 1999 ihre erste gemeinsame Regiearbeit ab. Obgleich jene visuell anregend umgesetzte, thailändische Low-Budget-Produktion unterm Strich weder als sonderlich originell noch umfassend gelungen bezeichnet werden kann, erregte sie dennoch internationale Aufmerksamkeit. Bereits mit "The Eye", welcher in der östlichen Region bereits als erfolgreicher Dreiteiler anerkannt ist, wurde eine ihrer Produktionen in ein sehr westliches Format umgewandelt. Das westliche Remake zu "Bangkok Dangerous“ dagegen behält einen Großteil seines östlichen Charmes durch Originalschauplätze und einen weitestgehend einheimischen Cast.

Die Handlung wird aus der Perspektive von Joe präsentiert, der ohne jegliche emotionale wie geographische Verbundenheit in der titelgebenden Stadt eintrifft, um nichts weiter als seinen Tätigkeiten nachzugehen. Eingangs beschreibt Joe die Metropole als ein überbevölkertes, korruptes, unübersichtliches sowie kriminelles Pflaster. Er erfährt jedoch im Laufe der Zeit eine andere Sicht. Fon öffnet ihm die Augen für die traditionellen Veranstaltungen und Gebäude die sich hinter der dreckigen Fassade verstecken.
Toleranz ist eines der Themen die "Bangkok Dangerous“ anschneidet, und versucht damit etwas Tiefgang in den erwarteten Actionfilm zu bringen. Dass es sich hierbei um keinen puren Actionstreifen handelt ist anhand der genannten Aspekte ersichtlich. Vielmehr handelt es sich um eine bunte Mischung aus Liebesdrama und melancholischer Bewusstseinswahrnehmung des Schattendaseins eines Kopfgeldjägers mit Action-Elementen, denn diese sind leider nicht sonderlich zahlreich.

Zugegeben, die Geschichte weiß zu unterhalten, echte Höhen sind jedoch nicht vorhanden. Dies ist insbesonders das Problem des wirren Genre-Mischmaschs. Der zum Zweck der inhaltichen Tiefe konzipierte Sub-Plot erfüllt zwar seine angedachten Aufgaben, bringt den Verlaufsfluss aber des Öfteren von seinem idealen Kurs ab, indem gefühlvollere Augenblicke regelmäßig die eigentlich angenehm gradlinigen sowie zügig voranschreitenden Action- und Thriller-Sequenzen unterbrechen. Dadurch wird das Tempo in regelmäßigen Abständen unvorteilhaft ausgebremst.
Die Love-Story ist vor Klischees strotzend und selten ist der jeweilige Handlungsgrund der Figuren ersichtlich. Woher die plötzlichen Sinneswandel der Charaktere rühren bleibt im verborgenen. So ist es schwierig sich mit diesen zu identifizieren, geschweige denn sie als glaubhaft anzusehen.
Um so vorhersehbarer ist dafür der Ablauf der Geschichte. Bereits im zur Eröffnung des Films unterlegten Voiceover, welches von der gewohnt emotionslos wirkenden Stimme Nicolas Cage's Synchronsprecher passend präsentiert wird, wird schnell klar, dass die eisernen Regeln des Killers über kurz oder lang nicht eingehalten werden. Auch später überrascht der Film zu keiner Zeit, endet stattdessen überhastet und ohne ein sinngemäßes Fazit zu ziehen.

Fazit hin oder her, krachen solls wenns Action gibt. Und zumindest hier hat "Bangkok Dangerous“ ein paar wenige Höhepunkte, wenn auch widerlich penetrante Gewaltspitzen. Die opulenten Stunts der Verfolgungsjagden sind ansehlich und angenehm geschnitten. Keine Sicht von verwackelten Aufnahmen oder sinnloser Zeitlupeneffekte, aber trotzdem flott inszeniert. Fraglich ist da welchen Sinn ein abgeschnittener Armstumpf und eine zerfetzte Körperhälfte bei der sonst bodenständigen Präsentation haben.
Weitere Schauwerte bietet das sowohl ungemütlich-gefährlich als auch exotisch-anziehend erscheinende Bangkok selbst. Die Bilder reichen von nur spärlich ausgeleuchteten Schauplätzen bis zu einem farbenprächtigen Tabledance-Club, eines der visuellen Highlights des Films. Dazu gesellt sich ein unaufdringlich wie dienlich begleitender Soundtrack der die entscheidenden Momente akzentuiert.

Nach "Con Air“ trägt Nicolas Cage ("Adaptation“, "Next", "Lord of War") einmal mehr seine Haare in ungewohnt langem Format. Ohne groß gefordert zu werden, agiert er solide und lässt sporadisch gar einige feine schauspielerische Nuancen erkennen, die daran erinnern, zu was der Mann eigentlich fähig ist. Charlie Yeung ("New Police Story“, "Die sieben Schwerter") umschifft gekonnt die befürchteten Klischees der zarten Interaktionen zwischen ihr und Cage, die die Handlung ihr nichtsdestotrotz auferlegt.
Daneben steht der noch recht unerfahrene Shahkrit Yamnarm recht alleine da und muss gar neben dem attraktiven thailändischen Model Panward Hemmanee diverse Schauwerte einbüßen.

"Bangkok Dangerous“ steht neben den vergleichbaren Filmen "Leon" und "The Replacement Killers" auf verlorenem Posten. Die Actionszenen sind zwar ordentlich allerdings rar gesäht. Nur zu Beginn und am Ende krachts ordentlich. Dazwischen bricht das Tempo drastisch ein. Die gebotenene, kitschige Lovestory bietet absehbare Folgen, der melancholische Sinn nach menschlicher Nähe eines Killers ist nachvollziehbar, jedoch figurentechnisch nicht ausgereizt. Eine konsequente Verfolgung eines Genre wäre hier wohl sinniger gewesen, so verliert sich das Action-Drama leider in der Mittelmäßigkeit.

5 / 10

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