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Die hochschwangere Sarah hat mit ihrem Ehemann Matthieu einen schrecklichen Autounfall, bei dem Matthieu ums Leben kommt. 4 Monate spaeter steht Sarah kurz vor der Entbindung und will sicht nicht wirklich ueber das Kind freuen. Zu sehr sitzt noch der Schmerz um den Verlust ihres Mannes in ihrem Herzen. Entgegen den Rat ihrer Mutter beschliesst Sarah Heiligabend allein zuhause zu verbringen. Sie sieht keinen Sinn darin, Weihnachten zu feiern. Mitten an Heiligabend klingelt eine Frau an Sarahs Tuer und bittet um Einlass. Veraengstigt ruft Sarah die Poilzei, doch diese kann die unheimliche Frau nicht finden und zieht wieder ab. Genau in diesem Moment verschafft sich die Frau Zugang in Sarahs Haus, denn sie will Sarahs Baby...

Das Horror-Genre scheint eine ziemlich harte Zeit durchzumachen. Schon seit Jahren gelten die Amerikaner als Pioniere des Horror-Genres und das vielleicht auch nicht zu unrecht, da viele Klassiker aus Amerika kamen. Doch seit dem Beginn des neuen Jahrtausends legt sich Amerika auf die faule Haut und dreht nur noch Remakes. Dabei werden alte amerikanische Horrorklassiker sowie moderne Horrorfilme aus anderen Laendern misshandelt. Die Remake-Maschinerie kennt keine Grenzen und selbst im Jahre 2008 will diese kein Ende nehmen. Fuer die meisten Horrorfans ist diese Entwicklung eine kleine Katastrophe, da neue Ideen ziemlich Mangelware geworden zu sein scheinen.

Umso ueberraschter blickte im Jahr 2003 die Horror-Gemeinde nach Frankreich, wo der Horrorschocker "High Tension" unglaubliche Kritiken einheimste. Das erste Horror-Meisterwerk des neuen Jahrtausends schien gefunden worden zu sein und der Film konnte Horrorfans in aller Welt begeistern. Der Regisseur Alexandre Aja schaffte mit dem Werk auch sofort den Sprung nach Hollywood und legte damit den Grundstein fuer das moderne franzoesische Horrorkino. Als naechstes versuchten die beiden Franzosen Xavier Palud und David Moreau mit ihrem Horrorschocker "Them" den Sprung nach Hollywood. Der Film der Beiden begeisterte auch wieder die Horrorfans und auch diese beiden Franzosen schafften den Sprung nach Hollywood. Die Kompromisslosigkeit der Franzosen gefiehl den Horrorfans und damit wurde ganz Frankreich wachgeruettelt.

So wurden auch die beiden Freunde Julien Maury und Alexandre Bustillo auf den Erfolg franzoesischer Horrorfilme aufmerksam. Die Beiden sahen darin ihre Chance, nach Hollywood zu kommen. Gemeinsam ueberlegte man sich eine auesserst grauenvolle Geschichte aus und Alexandre Bustillo schrieb diese zu einem Drehbuch um. Da Alexandre Bustillo kein grossartiger Schreiber war, entstand die Idee, den Film mit wenigen Worten zu drehen. Die Gesichtsausdruecke und Handlungen sollten mehr sagen als tausend Worte. Dieses Verfahren hatte auch schon beim Schocker "High Tension" prima funktioniert, warum sollte es nicht auch bei "Inside" funktionieren? Die Hauptfigur war eine schwangere Frau, womit beide Filmemacher eines der bekanntesten Horrorfilm-Tabus brechen wollten. Denn gerade in Amerika ging die filmische Gewalt gegen Kinder oder schwangere Frauen dem Publikum zu weit, doch Frankreich war ein anderes Land, dort konnte man diesen Versuch wagen.

Als das Drehbuch nun endlich stand, fehlte nur noch der Rest. Der Rest war natuerlich nicht wenig, vorallem Schauspieler brauchte man. Fuer die Hauptrollen engagierte man zwei sehr talentierte Schauspielerinnen und fuer die Nebenrollen mussten groesstenteils die Freunde der beiden Regisseure herhalten. Jetzt wo alles stand, konnten die Dreharbeiten endlich beginnen. Die beiden Regisseure wollten den Film allerdings in aller Ruhe drehen, so dass kaum Informationen an die Oeffentlichkeit gelangten. Selbst die weltweit groesste Horror-Webseite "Bloody-Disgusting" erfuhr nichts von dem Film und erfuhr erst von dessen Existenz, als die ersten Trailer die franzoesischen Kinos stuermten. So konnten sich die unerfahrenen Regisseure voellig auf ihr Werk konzentrieren und mussten sich nicht um die anstrengende Promotion kuemmern. Diese sollte erst nach Fertigstellung des Filmes ins Rollen kommen und das war wohl eine der intelligentesten Ideen der letzten Jahre.

Der Film beginnt sofort mit hoffnungslosen und trostlosen Bildern und legt damit den Grundstein fuer alles Folgende. Wir sehen den Autounfall, ueberall ist Blut und nur der Regen prasselt herunter. Diese Szene weckt eine surreale Stimmung und sorgt direkt fuer Unbehagen. Auch die weiteren Szenen des Filmes strahlen etwas duesteres aus. Obwohl es hellichter Tag ist, wirken die Bilder bedrueckend und traurig. Die Trauer von Sarah uebertraegt sich auf die Bilder der Kamera. Man sieht die Umgebung foermlich mit "ihren" Augen. Dieses Stilmittel hatte man so zuletzt beim Klassiker "Halloween - Die Nacht des Grauens" gesehen, denn auch dort strahlten die Bilder eine ganz besondere Atmosphaere aus, so als wuerde man durch die Augen einer anderen Person sehen. Die beiden Regisseure haben sich von diesem Stilmittel scheinbar inspirieren lassen und dieses endlich wieder ins Horror-Genre zurueckgeholt. Dadurch entsteht sogar schon Spannung, obwohl noch gar nichts passiert ist.

Als Sarah an Heiligabend alleine zuhause ist, werden die Bilder noch duesterer und finden ihren Hoehepunkt in einer Alptraumsequenz. So traeumt Sarah das ihr ungeborenes Kind aus ihrem Mund herauskommt. Diese Szene versteht es gekonnt zu schocken und gerade als man sich von dieser Szene erholen will, beginnt der Film erst richtig loszulegen. Denn es klingelt ploetzlich an Sarahs Tuer und eine unheimliche Frau bittet um Einlass. Durch gekonnte Aussen- und Innenaufnahmen des Hauses entsteht eine sehr beklemmende Atmosphaere und die Luft zum Atmen wird fuer den Zuschauer immer duenner. Das Haus selbst hat schon eine bedrohliche Stimmung, so dass wir die unheimliche Frau gar nicht sehen muessen um uns unwohl zu fuehlen. Doch die Frau laesst sich an einem Fenster blicken und damit hat der Film direkt eine seiner genialsten Sequenzen. Die Frau ist voellig in schwarz gekleidet und Sarah schiesst Fotos von ihr. Die Kamera positioniert sich hinter die unheimliche Frau und nur das Blitzlicht der Kamera laesst die Umrisse ihres Koerpers erkennen. Diese Szene wirkt derartig unheimlich und furchteinfloessend, dass man fast schon schreien moechte. Eine der gelungensten Horrorszenen der letzten Jahre.

Der Film erreicht seinen vorlaeufigen Hoehepunkt, als die Frau sich endlich Zutritt in Sarahs Haus verschafft hat. Sarah schlaeft und die fremde Frau streicht mit einer Schere ueber Sarahs Bauch bevor sie zusticht. Jetzt zeigt "Inside" endgueltig wohin der Hase laeuft. War es anfangs nur die Stimmung die den Zuschauer Angst machte, so sind es nun die Bilder. Denn ab jetzt beginnt ein unglaublicher Zweikampf den das Horror-Genre so noch nie zuvor gesehen hat. Sarah tut alles um zu ueberleben und die fremde Frau tut alles um das Baby aus Sarahs Bauch herauszubekommen. Beide Frauen verhalten sich unglaublich realistisch und gehen nicht zimperlich miteinander um. Sarah versteckt sich lange Zeit im Badezimmer, was ihre Angreiferin zur Weissglut bringt und diese wie ein wildes Tier gegen die Tuere tritt und schlaegt. Diese Szenen wirken sehr menschlich und machen dem Zuschauer direkt klar, dass dies kein gewoehnlicher Horrorfilm ist. Normalerweise haben wir einen uebermaechtigen Killer der einfach die Tuer einschlaegt oder geduldig wartet, doch die "Frau in Schwarz" will das Baby sofort haben und verliert sich in Wutausbruechen. Das wirkt unheimlich, real und sehr beaengstigend.

Interessant ist auch das Erscheinungsbild der beiden Frauen. Sarah traegt ein weises Nachthemd, waehrend die fremde Frau voellig in schwarz gekleidet ist. So stellt Sarah das Gute und die Angreiferin das Boese dar. Diese Ansicht behaelt der Zuschauer den ganzen Film auch fast ueber, doch am Ende lassen die beiden Regisseure die Grenzen zwischen Gut und Boese verschwimmen. Denn wir erfahren das Motiv der Frau, wir erfahren warum sie ausgerechnet das Baby von Sarah haben will . Diese Begruendung ist ueberraschenderweise gut nachvollziehbar und moeglicherweise wuerden viele Menschen es der Frau gleich tun. So versteht man als Zuschauer am Ende die Motivationen beider Frauen und kann sich fuer jeweils eine Seite entscheiden. Natuerlich bleibt die "Frau in Schwarz" trotzdem "das Boese", da sie jeden Eindringling zur Strecke bringt. Doch ihre Motivation ist derart nachvollziehbar, dass man fuer beide Frauen Symphatien empfinden muss. Ein cleverer Schachzug der beiden Regisseure, der nicht jedem Zuschauer schmecken duerfte.

Wo der Film mit seiner Geschichte und seinen trostlosen Bildern punkten kann, kann er es auch mit seinem Soundtrack und dem Sound in allgemeinen. Der Soundtrack passt sich groesstenteils den Bildern des Filmes an. So sind die trostlosen Aussenaufnahmen mit einer traurigen Musik unterlegt und bringen die Stimmung des Zuschauers auf den Nullpunkt. Sobald die Frau sich Zugang ins Haus verschafft hat und ihr blutiges Werk beginnt, wird der Soundtrack heftiger und von merkwuerdigen Geraueschen durchzogen. Der Soundtrack wird voellig verstoerend und der Wahnsinn der Bilder uebertraegt sich auf die Musik z.B. als die Frau wuetend gegen die Badezimmertuere schlaegt wird der Film von einem Nervenzerrenden Musikstueck begleitet. Als die Frau aufhoert gegen die Tuer zu pruegeln, verschwindet der Soundtrack ploetzlich voellig, denn manchmal kommt der Wahnsinn ganz leise. Wo der Soundtrack ganz besonders ueberzeugen kann, ist bei den Schlachtszenen. Immer wenn die Frau wen toetet ertoent ein derart krasser Soundeffekt, dass man als Zuschauer direkt hochfaehrt. Ein sehr genialer Soundtrack.

Der normale Sound weiss auch zu ueberzeugen. So sind die Schlitzgerauesche und Schritte im Haus sehr gut zu hoeren und wirklich sehr realistisch geraten. Vorallem bei den Schlitzgeraueschen hat sich das Team unheimlich viel Muehe gegeben und auf uebertriebene Soundeffekte verzichtet. So hoert man foermlich schon, wie die Schere durch die Haut und das Fleisch dringt. Diese Soundeffekte sind sehr hart und schockierend. Da sich fast der ganze Film in einem einzigen Haus abspielt, sind natuerlich auch die Gerauesche im Haus wichtig. Auch hier weiss der Sound sehr zu ueberzeugen, wenn man Fussschritte, Kratzen oder Schleichen hoert. Das verdichtet die ohnehin schon sehr dichte Atmosphare um einiges und intensiviert die gezeigten Bilder noch zusaetzlich. Das Soundteam hat ganze Arbeit geleistet.

Die Schauspieler spielen alle auf einem ziemlich guten Niveau. Allen voran die beiden Hauptdarstellerinnen Alysson Paradis (Sarah) und Beatrice Dalle (Frau) legen eine unglaubliche schauspielerische Leistung an den Tag. Selten hat man Frauen derart animalisch erlebt und sass geschockt vor dem Bildschirm. Die Beiden spielen so gut, dass man manchmal vergessen koennte, dass es sich nur um einen Film handelt. Alysson Paradis gibt sich ungemein entschlossen und kaempft hart um ihr Ueberleben. Man kauft ihr diese Rolle und vor allem ihren Ueberlebenskampf sofort ab. Beatrice Dalle dagegen will das Kind von Sarah haben und legt eine der schockierendsten Leistungen der letzten Jahre an den Tag. Allen voran ihr Blick ist derart hasserfuellt, dass man als Zuschauer Angst vor ihr bekommen koennte. Zwei unglaubliche Frauen, von denen man hoffentlich noch mehr im franzoesischen Kino sehen wird. Die anderen Schauspieler dagegen bleiben etwas blasser und dienen groesstenteils nur als Kanonenfutter. Doch ueber dieses Manko kann man leicht hinweg sehen, da diese Zuschauer nicht sehr viel Screentime haben.

Wenn es eine Sache gibt fuer die "Inside" im Vorraus gelobt wurde, dann sind es wohl seine Splattereffekte. Und ich muss zugeben, es wurde nicht zuviel versprochen. "Inside" ist brutal, sehr brutal sogar. Das faengt schon in der Szene an, wo die Frau mit ihrer Schere in den Bauch von Sarah sticht. Diese Szene wirkt derart realistisch und kalt, dass selbst der abgebruehteste Horrorfan dabei hochfahren wird. Doch damit faengt das Blutbad erst richtig an. Sarah muss unglaubliche Qualen erleiden, so wird ihr eine Schere quer uebers Gesicht gezogen, ihre Hand wird mit einer Schere an der Wand festgenagelt und sie bekommt sogar einen Toaster ins Gesicht. Das dabei das Blut spritzt duerfte niemanden wundern. Doch Sarah bleibt nicht allein, denn sie bekommt von einigen Menschen an Heiligabend besuch und diese werden von der "Frau in Schwarz" blutigst zur Strecke gebracht. Da wird jemanden der halbe Kopf weggeschossen, eine Schere in die Hoden gerammt, im Gesicht herumgestochert, eine Schere in den Kopf gerammt, ein Bauch aufgeschnitten und noch viele andere Nettigkeiten. Diese Szenen wirken sehr realistisch und das ganze Haus wird vom Blut foermlich ertraenkt. Selten durfte man als Horrorfan solch ein hartes Blutbad mitansehen. Definitiv einer der brutalsten Filme der letzten Jahre.

Obwohl 2 Regisseure bei dem Werk Regie gefuehrt haben, wirkt der Film wie aus einem Guss. Es gibt keinerlei Stilbrueche und das ist sehr beachtenswert. Leider haben es die beiden Regisseure versaeumt die Nebencharaktere etwas besser auszuleuchten. Zwar wirken die Morde an diesen sehr hart und schockieren, doch irgendwie fehlt da noch etwas. Vorallem die Polizisten verhalten sich in einigen Szenen etwas unrealistisch, was nicht zum Gesamtbild des Filmes wirklich passen will. Da haetten die beiden Regisseure vielleicht etwas mehr Sorgfalt walten lassen sollen oder sich von einer erfahreneren Person helfen lassen sollen. Trotz allem ist die Regie gekonnt ruhig und sehr anspruchsvoll geraten. In einigen Szenen wirkt der Film glatt wie "Halloween - Die Nacht des Grauens" was schon ein sehr grosses Kompliment ist. Ueberhaupt erinnert die Regie der beiden Junggerisseure sehr an die alte Regie des legendaeren John Carpenter. Ob da sich da 2 Nachfolger fuer John Carpenter gefunden haben? Man kann es als Horrorfan nur hoffen, denn solch eine schoene und professionelle Regie hat man als Horrorfan schon lange nicht mehr erleben duerfen.


Fazit

Boah, was fuer ein Film. Ich bin wirklich so froh, dass ich den Film in meiner neuen Heimat Japan im Kino erleben durfte. Denn solche Filme MUSS man auf der Leinwand sehen. "Inside" ist der "Halloween" des neuen Jahrtausends. Die beiden Regisseure haben es geschafft den duesteren Stil von "Halloween - Die Nacht des Grauens" auf ihren Film zu uebertragen und schaffen damit eine Atmosphaere, wie man sie seit Jahrzehnten im Horror-Genre nicht mehr gesehen hat. Die Bilder sind duester und bedreuckend. Der Film will nicht begeistern, sondern schockieren und das schafft er definitiv. Neben der gelungenen Atmosphaere koennen auch die Splattereffekte schocken. Diese wirken naemlich derart realistisch, das selbst Horrorfans dabei zusammenzucken. Hier werden keine Koepfe "belustigend" mit Macheten abgeschlagen oder dergleichen, sondern Menschen auf brutalste Art und Weise "langsam" und "schmerzvoll" zur Strecke gebracht. Diese Szenen machen keinen Spass und verdichten die unheimliche Atmosphaere noch weiter. Doch der Film wuerde sogar ohne diese Splatterszenen gut auskommen, der Grund ist die Schauspielerin Beatrice Dalle. Diese stellt die wohl unheimlichste Filmkillerin aller Zeiten da. Wer braucht schon einen Michael Myers oder Jason Voorhees, wenn solch eine realistische Killerin so schockierend sein kann? Ihre ganze Praesens weckt unbehagen bei mir und ihr hasserfuellter Blick ist einzigartig. Alleine das sie Sarah nicht nur toeten, sondern ihr bei lebendigen Leibe das Baby herausholen will, spricht fuer die unglaubliche Boesartigkeit dieser Frau.
Bloody-Disgusting bezeichnete den Film einst als "den perfekten Horrorfilm". In gewisser Weise hat diese Webseite mit der Aussage sogar Recht. Denn die Vorstellung nicht nur getoetet, sondern bei lebendigem Leibe aufgeschnitten zu werden IST eine Horrorvorstellung. Sarah weiss das die Frau sie noch nicht toeten will, sondern ihr bei lebendigen Leib den Bauch aufschneiden und das Kind herausholen will. Diese Vorstellung alleine ist eine der Schrecklichsten ueberhaupt. Der Gedanke getoetet zu werden ist schon furchtbar, aber auf so schmerzvolle Art und Weise noch viel mehr.
Deswegen will ich mich der Meinung der Webseite hiermit anschliessen.
Der perfekte Horrorfilm!

10 / 10

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