„Inside" fängt an, wie ein typisch französisches Filmdrama, oder sagen wir Tragödie. Die Szenen sind zunächst langatmig die Dialoge kurz und die Bilder bedrückend. Im Vordergrund der Handlung steht erstmal ein tragischer Autounfall, der unsere schwangere Protagonistin Sarah (Alysson Paradis) zur Witwe werden lässt. Trotz baldiger Erwartung ihres Babys, kann Sarah dem Leben anscheinend auch vier Monate nach dem schrecklichen Unfall, nicht mehr viel abgewinnen. In tiefer Trauer lebt sie ihr Leben in relativer Zurückgezogenheit so vor sich hin. So verbringt sie dann auch den Heiligen Abend allein in Ihrem Haus am Pariser Stadtrand. Sarah möchte einfach nur ihre Ruhe haben. Mit der Ruhe ist Schluss, als eine Unbekannte (Beatrice Dalle) an ihrer Tür klingelt und ins Haus möchte. Die Fremde weiß anscheinend alles über Sarah. Nicht nur Sarah ist diese Frau unheimelig. Der Zuschauer ahnt hier bereits, dass die Handlung hier eine entscheidende Richtungsänderung vollzieht. Er liegt richtig - hier beginnt der Horror! Ich verrate nicht zuviel: Ins Haus zu gelangen, ist für die mehr als seltsame Frau gar nicht so das Ding. Sie hat aber ein Anliegen. Die Frau weiß was sie will und ihr ist jedes Mittel recht, zu bekommen was sie will. Sie ist eine Meisterin darin spitze Haushaltsgegenstände in Waffen zu verwandeln und sie sticht damit in Stellen, wo es wehtut. „Inside" ist dann auch kein Film für schwache Nerven. Der Film ist ultrablutig, ultraeklig und eine Goreszene jagt die nächste. Der Splatterfaktor ist gigantisch. „Inside" wird fast im Blut ersoffen. Die Handlung ist einfach, geradlinig und hält gegen Ende noch eine Überraschung parat. Die Regisseure Alexandre Bustillo und Julien Maury haben den Film bildgewaltig in Szene gesetzt. Es ist Ihnen gelungen, die Einleitung des Films tragisch-melancholisch zu gestallten, um dann ebenso glaubhaft den Sprung in den blanken Überlebenskampf, einer vom Schicksal gebeutelten jungen Frau, gegen eine völlig entfesselten Psychopatin zu wagen.Die Leistung der Schauspieler war für mich durch die Bank weg überaus gut und sehr glaubhaft gespielt. Ein besonderes Lob geht von mir aber an Beatrice Dalle, die die unbekannte Besucherin mit einer beängstigenden Intensität spielte: Seltsam, schräg und völlig von Sinnen - Ich denke sie hat einen Oskar verdient!
Am Ende von knapp 90 Minuten Horror kann ich dann nur sagen, ich habe mit das blutigste Gemetzel ever gesehen. Horror in Reinkultur. Ein Film der nicht für jeden gedacht ist und den nicht jeder aushalten kann. Wer also schon bei „High Tension" Kotzkrämpfe hatte, der wird bei „Inside" echte Probleme kriegen.
In den Achtzigern waren es die Italiener, die das gelangweilte Kinovolk schockten, seit spätestens 2000 sind es die Franzosen. Es lebe der Eurohorror - Mehr davon!