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Nach dem schon harten "High Tension", legen die Neulinge Alexandre Bustillo und Julien Maury nochmal zwei Schippen drauf. Neben "Inside" ging mit "Frontiers" noch ein weiterer französischer Horrorthriller an den Start. Das hier Gebotene ist wirklich ziemlich heftig, "Saw" und Konsorten stinken dagagen völlig ab. Kein Wunder, dass "Inside" in Deutschland einen ziemlich schweren Stand hat.

Vor vier Monaten verlor die schwangere Sarah (Alysson Paradis) ihren Freund Matthieu (Jean-Baptiste Tabourin). Nun steht sie kurz vor der Geburt ihres Kindes, den letzten Abend will sie deshalb allein verbringen. Doch bald taucht eine unbekannte Frau (Béatrice Dalle) auf, die Sarah zu terrorisieren beginnt. Bald hat sie sich Zutritt zu Sarahs Haus verschafft und jetzt wird der werdenden Mutter klar, was die Fremde will. Die Psychopatin hat es auf Sarahs Kind abgesehen. Zwischen den beiden Frauen entbrennt ein blutiger Kampf und Jeder der Sarah zu Hilfe kommt, wird bestialisch ermordet.

Ein paar Feinschliffe an der Story hätte man noch vornehmen können. Das Motiv der Psychopatin ist vorerst völlig unklar und wird erst im Finale geklärt. Der Horrorkenner kommt aber vorher darauf. Eine wirkliche Überraschung ist es nicht, denn es geht nur um das älteste Motiv der Menschheit, nämlich Rache.
Aber Bustillo und Maury peppen die gängige Story mit ihrer brillanten Inszenierung auf. Zudem wird "Inside" nicht durch irgendwelche unnötigen Charaktere in die Länge gezogen. Der Film ist nur 79 Minuten kurz und so kommt man schnell zum Wesentlichen. So war Sarah gerade bei ihrer letzten Kontrolle im Krankenhaus, ihren letzten ruhigen Abend will sie in Abgeschiedenheit verbringen, obwohl es Heiligabend ist.

Das kommt auch noch dazu. Es ist das Fest der Liebe und Sarah steht ein wahrer Alptraum bevor. Dank Weihnachten ist sie besonders angreifbar, denn in ihrer Strasse sind viele um Urlaub, so kann sich die Fremde unbemerkt an ihr Haus heranschleichen. Erst versucht sie sich auf normale Weise Zutritt zu verschaffen, schleicht ein wenig um Sarahs Haus herum, bis Diese die Polizei ruft. Erst nach dem Besuch der Ordnungshüter kommt die Psychopatin ins Haus und will sogleich Sarahs Baby aus ihrem Leib schneiden.

Immer wenn es um kleine Kinder, oder wie hier um Babys geht, ist es ein noch brisanteres Thema. Es gab schon einige Vorfälle im realen Leben nach diesem Muster, genau das macht "Inside" noch schlimmer. Was nun folgt ist nicht nur ein ultrablutiger, sondern auch ein hochspannender Todeskampf. Sarah ist in ihrem Haus gefangen, durch ihr Baby ist sie viel verletzlicher. Natürlich konzentriert man sich nicht nur auf den Kampf zwischen Sarah und der Unbekannten, es kommen noch mehrere Personen dazwischen. Zum Beispiel Sarahs Mutter, ihr Chef Jean-Pierre und drei Polizisten mit einem Gefangenen. Für viele blutige Goreeffekte und einen ordentlichen Bodycount ist hier gesorgt.

Die Fremde scheint keine Gnade zu kennen. Bevorzugt benutzt sie eine große Haushaltschere. Da werden Augen eingestochen, Kehlen durchgeschnitten, ein Kopf zerschossen und bei den Zweikämpfen schenkt man sich nichts. Das blutige Treiben ist wahrlich nichts für Feingeister, die FX können sich wahrlich sehen lassen. Doch auf CGI konnte man nicht ganz verzichten und manche Effekte sind nicht so gut gelungen. Man nehme den Kopfschuss, oder wie Sarah die Killerin anzündet.
Aber die beiden Neulinge verstehen ihr Handwerk und verwandeln Sarahs kleines Häuschen in eine klaustrophobische Kulisse. Trotz der Vorhersehbarkeit ist und bleibt "Inside" spannend bis zum Schluss. Auch der unheimliche Score, eigentlich sind es eher nur Töne, harmoniert perfekt mit dem Geschehen.

Dank der beiden Hauptdarstellerinen weiss "Inside" auf voller Linie zu überzeugen. Die in Frankreich sehr bekannte Béatrice Dalle gibt die unbekannte Psychopatin und das sehr dämonisch. Man bekommt wirklich Angst vor ihr, obwohl sie nicht immer ein schlechter Mensch war. Die junge Alysson Paradis ist recht neu in der Branche, verkörpert ihre Rolle jedoch, als würde sie schon ewig schauspielern. Das Damenduo spielt die restliche Riege locker an die Wand.

Werdende Mütter und Feingeister sollten die Finger von "Inside" lassen. Man braucht wirklich einem stabilen Magen, um diesen Goretrip zu verdauen. Bei der Story hätte man sich ein wenig mehr einfallen lassen können, aber spannender könnte "Inside" kaum sein und blutiger ebenfalls nicht. Hinzu kommen zwei absolut überzeugende Darstellerinen und eine brillante Inszenierung. Der Horrorfan kommt nicht drum herum.

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