Sicherlich ein grenzwertiger Film und ein herausstechendes Glanzlicht der letzten Jahre, denn er bricht Tabus, die so noch nicht da gewesen sind. Dennoch muss ich vielerlei bemängeln, denn der Plot ist, trotz seiner Neuartigkeit einfach zu gehaltlos und auch sicherlich zu vorhersehbar, um wirkliche Höhepunkte zu setzen.
Man kann sogar behaupten, dass der Film sein simples Drehbuch mit ausufernd geschmacklosen und an die Substanz gehenden Splatterorgien zu übertunschen und zu rechtfertigen versucht. Wem das nichts ausmacht, und so erging es mir weitesgehend auch, spürt eine bedrückende und erschauderliche Faszination, denn der Film ist nicht nur stimmig und bedrohlich in seiner Kammerspielartigen Umsetzung, sondern bietet auch noch optisch so einige gruselige Leckerbissen, was merklich zur beängstigen Atmosphäre beiträgt.
Inside ist realitätsnah, wenn man bedenkt, dass Mutterliebe oder Rachgelüste soweit gehen kann. Leider dramatisiert der Film zu wenig und bildet zu wenig Identifikation, um für seine zwei Hauptdarsteller den eigentlichen Antagonisten oder Protagonisten auszumachen, auch wenn man sicher sagen kann, dass dies Ansichtssache des Zuschauers sein sollte. Zum Ende hin aber übertreibt er dennoch zu hart, somit das Gesamtergebnis erschreckend ist, man dem Film aber auch exzessiven Voyeurismis an Blutorgien ohne jede Rechtfertigung anhaften könnte.
Dennoch ein guter Film, der bewegt und niederschmettert, denn er ist einfach menschlich. Vielleicht zu menschlich, um als Unterhaltung durchgehen zu können. Ich halte nichts von Beschlagnahmung, aber in Kinderhände gehört dieses Stück Film keineswegs. Die Massenstimmen haben meistens Recht: Inside ist harter Tobak, vielleicht aber auch nur weil er so plakativ kompromisslos ist.
(7/10)