Review

Carpenters Filme bringe ich immer mit dem Wort Isolation in Verbindung, wie ihr vielleicht schon in meinen anderen Reviews lesen konntet. Isolation im engeren Sinn der Definition herrscht hier aber nicht vor. Kommen wir zunächst einmal zur Story: Hauptdarsteller Roddy Piper hat allen Grund, ensetzt zu sein. Denn durch die Sonnenbrille - eine Spezialanfertigung einer Untergrundorganisation - kann er erkennen, dass die ganze Welt das Opfer einer gigantischen Verschwörung geworden ist. Außerirdische haben mittels Massenhypnose die Bevölkerung manipuliert. Hinter dem harmlosen und bunten Bild unserer modernen Wegwerfgesellschaft lauert die düstere Wahrheit: Sonden, die am Himmel schweben, sorgen allgegenwärtige Überwachung. Hinter der bunten Werbung verbergen sich Parolen, die unser Unterbewusstsein infiltrieren und zum maximalen Konsum, zum Gehorsam und zu harter Arbeit aufrufen, und - das Furchtbarste - an allen wichtigen Positionen, ob Management, Politik oder Polizei, sitzen Außerirdische. Nur mit Hilfe der Spezialbrillen kann man die wahre Welt erkennen - und ihre Herren, die totenköpfigen Monstren in Menschengestalt.
Wie ich oben schon erwähnte, herrscht hier die Isolation im engeren Sinn nicht vor, wohl aber das Gefühl, alleine in einer Welt zu sein, die nicht mehr die eigene ist. Nada und seine Freunde, eine Gruppe von Widerstandskämpfern, sind Außenseiter der Gesellschaft. Nicht nur, weil sie von den Außerirdischen wissen, sondern auch, weil sie längst durch die Maschen des Systems gefallen sind. Wie wenig wir dabei unsere eigene Welt verstehen, zeigt ein Blick durch die Brille, durch den man ihr wahres Aussehen erkennt.: Eine düstere Welt, hinter deren Farben nichts anderes als unterbewusst wahrgenommene Befehlsbotschaften der Außerirdischen stecken.
Gegen ein solch weitreichend verzweigtes System, wie es die Außerirdischen aufgebaut haben, ist ein reiner Sieg natürlich nicht möglich, weswegen Nada am Ende auch unterliegen muss. In seinem Tod findet er jedoch die Befriedigung, die Anwesenheit der Außerirdischen vor allen Menschen enthüllt zu haben. Während die Bedrohung diesmal tatsächlich ein Gesicht bekommt, ironischerweise aber von praktisch keinem in diesem Film erkannt werden, beschäftigt sich Carpenter wieder ausführlich mit seinem geliebten Motiv des eigenen Opfers, das zu einem besseren Ganzen führt und den Tod letztlich in einen Sieg verwandelt.

Fazit: John Carpenters Hommage an die Horror- und SF-Billigfilme der 50er Jahre kam seinerzeit im Kino nicht sonderlich gut an. Dabei hat der Film seinen ganz eigenen Charme und entpuppt sich darüberhinaus als recht originelle Kritik am kapitalistischen System. Insgesamt ein interessantes Werk, aber kein Highlight des Horror-Meisters.

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