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Die 80er waren das Jahrzehnt von John Carpenter (Die Klapperschlange), während er in den 90ern nur eher mäßige Erfolge feiern konnte. Unlängst als Meister des Horror-Genres beweihräuchert lieferte er damals eine bunte Palette an guten Horror-Streifen ab. Dass dabei nicht alle Filme Klassiker wie Halloween, The Fog oder Das Ding aus einer anderen Welt dürfte klar sein. Doch wie schon anderorts erwähnt, sind Carpenters Filme eines mit Sicherheit: nie langweilig! In diese Kategorie kann sich auch der 1988 gedrehte Sie leben! einreihen, der mit eine passablen Handlung, ordentlichen Charakteren und einer gut portionierten Ladung Action aufwarten kann.

John Nada (Roddy Piper) macht eine unfassbare Entdeckung. Als er eine der Sonnenbrillen aufsetzt, die er zufällig findet, erkennt er, dass sich rings um ihn herum alles verändert zu haben scheint. Einige der Menschen, die ihm über den Weg laufen, haben dämonische Fratzen. Überall blinken Leuchtreklamen mit merkwürdigen Botschaften und unmissverständlichen Befehlen. Nada begreift, dass die Welt, in der er lebt, von Aliens besetzt ist. Alles deutet darauf, dass die fremden Wesen systematisch den Planeten ausbeuten. Und kaum einer kann sich der Gehirnwäsche entziehen. Als sich Nada einer Untergrundbewegung anschließt, um das Alienhauptquartier zu vernichten, entdecken die Invasoren und machen gnadenlos Jagd auf ihn...

Ex-Wrestler Roddy Piper (Back in Action) schlägt sich in dieser Actionrolle ganz gut und kann während des Schlagabtauschs mit Keith David (Schneller als der Tod) sogar ein paar Wrestling-Moves demonstrieren. Zwar ist er nie ein solch charismatischer Held wie Carpenters Spezi Kurt Russell, doch für diesen Streifen reicht seine Performance dennoch aus. Als farbigen Sidekick hat man hier Keith David verpflichtet, der gemeinsam mit Piper ein tolles Duo abgibt. Das Highlight der beiden ist natürlich der besagte Schlagabtausch. Als vermeintlichen Love Interest haben wir hier noch Meg Foster (Best of the Best 2), die aber ein gänzlich anderes Spiel treibt, als anfangs erwartet. Dabei agiert sie schon von der Mimik her genauso emotionslos wie die Aliens.

Die Action, die Carpenter einem hier auftischt kann sich durchaus sehen lassen. Denn kaum hat Nada den Braten gerochen, lässt er erstmal Taten statt Worte folgen und erhöht direkt mal den Bodycount, der hier ohnehin recht hoch ist. Ein ansehnliches Arsenal an Projektilwaffen haben unsere beiden Helden auch dabei, das von der Schrotflinte über die MP5, Desert Eagle bishin zum M16-Gewehr reicht. Ein paar anschaubare Explosionen gibt es auch noch und Carpenter vernachlässigt auch die blutigen Shoot-Outs nicht. Vor allem als die Alien-Cops das Versteck der Untergrundbewegung überfallen wird eine ziemlich große Anzahl von Protagonisten übelst durchlöchert. Politische Korrektheit war Carpenter hier offensichtlich ein Fremdwort, was ich durchaus begrüße. Die restlichen Effekte sind hingegen nicht ganz so eindrucksvoll insziniert worden, wie z.B. die Abflug- und Landestation der Aliens sieht doch schon irgendwie billig und zu künstlich aus. Die Sicht aus der Brille geht noch in Ordnung und lehnt sich an den Stil der Invasions-Streifen der 50er Jahre an. Der Look der Aliens hätte ruhig noch etwas besser gemacht werden können, doch auch diese kugeläugigen Skelettköpfe machen durchaus was her, wenngleich alles heutigen Standarts nicht mehr stand halten kann. Die Handlung ist recht unterhaltsam geraten, auch wenn sie naturgemäß kein Geniestreich ist. Carpenter nutzt sie hier zudem, um der Sozial- & Gesellschaftskritik etwas Platz einräumen zu können. Das macht er auch nicht schlecht, aber der Funke springt nicht wirklich zum Zuschauer über. Das hätte man noch ein bisschen ausgefeilter und raffinierter gestalten können. Logik wird auch nicht gerade groß geschrieben. Zum einen kann Nada erstaunlich viel einstecken, trägt selbst bei dem Sturz eines Abhangs hinunter kaum Schäden davon, und übersteht auch die Kloppe mit seinem Sidekick nur mit leichten Verletzungen. Dann verwundert es einen doch schon, dass so ein Alien-Hauptquartier nicht allzu stark bewacht ist und es davon nur eines in der ganzen Welt gibt. Selbstredend war Carpenter auch diesmal für die Mucke zuständig, und hat hier diesbezüglich alles im Griff, auch wenn ein einprägsamer Score a'la Halloween ausbleibt.

Zwar ist John Carpenter in meinen Augen kein echter Horror-Meister, aber ein erfahrener Genre-Lieferant, dessen Packete einen nur selten enttäuschen. Auch mit Sie leben! hat er mich kaum enttäuscht und bietet mit dem Film unterhaltsame 90 Minuten im 80er Jahre Flair.

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