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Roddy Piper spielt einen Bauarbeiter, dem eine mysteriöse Sonnenbrille in die Hände fällt. Mit dem Aufsetzen der Brille nimmt er die Welt um sich herum komplett anders wahr, er stellt fest, dass überall versteckte Botschaften stehen, die die Menschen gefügig machen und darüber hinaus muss er feststellen, dass Aliens in Menschengestalt auf der Erde leben und die Menschheit von gehobenen Positionen aus kontrollieren und unterdrücken. Zusammen mit einem Freund, gespielt von Keith David, nimmt er den Kampf auf.

"Sie leben!" muss doch ein Film nach John Carpenters Geschmack gewesen sein. Nach aufwendigen Produktionen und Erfolgen wie "Big Trouble in Little China", "Das Ding aus der anderen Welt" und "Die Klapperschlange" drehte er noch einmal ein richtiges B-Movie mit schlechten Darstellern, simplen Spezialeffekten und billigem Look, dass aber durchaus überzeugen kann, was hauptsächlich auf die Grundidee zurückzuführen ist.

Die Idee, dass die Menschen von Außerirdischen unterdrückt werden, die sich unter ihnen befinden und den einfachen Bauarbeiter, der schließlich klar sieht, ist zunächst einmal sehr gut und anfangs macht Carpenter auch etwas aus seiner Idee. In dem Moment in dem Piper schließlich die Brille aufsetzt, zeigt er mit einem Auge, sowohl für Atmosphäre und Grauen, als auch für Gesellschaftskritik, eine triste und furchterregende Welt auf und baut mit seinem selbst komponierten Soundtrack direkt eine gespannte Atmosphäre auf, aber, dass Carpenter ein gutes Händchen und viel Routine bei atmosphärischen Inszenierungen hat, war ja bereits bekannt.

Nach dieser guten Grundidee und dem starken Anfang hat Carpenter dann aber auch schon sein ganzes Pulver verschossen. Die Story baut immer weiter ab, die Ideen um den Untergrund, der versucht, die Menschen darüber aufzuklären, dass sie von Aliens kontrolliert werden und den Angriff auf deren Zentrale, von wo aus ein Signal versendet wird, durchführen, sind eher lächerlich und flach und so gibt es in der zweiten Filmhälfte nichts mehr zu bewundern, als ein paar ziemlich brutale Schießereien, die sich mit billigen Effekten ziemlich unrühmlich in das 80er-Jahre-Actionkino einreihen. In der zweiten Hälfte schmerzt es beim Zusehen geradezu, wie Carpenter am laufenden Band Potential verschenkt, da der Film aber auch in der zweiten Hälfte wegen der düsteren Atmosphäre ganz gut unterhalten kann, bleibt er über dem Durchschnitt. Aber schon hier merkt man, dass Carpenter verglichen mit seinen vorherigen Werken deutlich nachgelassen hat und dieser Abwärtstrend sollte bekanntlich weiter anhalten, so ist "Sie leben!" eines seiner letzten guten Werke.

Roddy Piper, der sich zuvor mit Wrestling sein Geld verdiente, spielt eher dürftig und nervt mit seinem stählern ernsten, beinahe maskenhaften Gesichtsausdruck, der in jeder Sekunde des Films seine mimischen Defizite offenbart. Immerhin bringt er die Action-Szenen solide auf die Leinwand und passt mit der schlechten Leistung in den teilweise trashigen Film, dennoch hätte sich Carpenter besser einen fähigen Darsteller holen sollen. Keith David, der zuvor durch Nebenrollen in "Das Ding aus der anderen Welt" und "Platoon" in Erscheinung trat, macht sich besser als Piper, zumal die Latte ja nicht sonderlich hoch liegt, spielt aber auch nicht mehr als solide, genauso wie der übrige Cast, der auch besser sein könnte.

Fazit:
Die Action-Szenen sind billig, die Darsteller schlecht und die zweite Hälfte des Films sehr handlungsarm, aber dennoch ist "Sie leben!" ein überdurchschnittlicher Sci-fi-Thriller, der vor allem durch seine Grundidee und seine atmosphärische Inszenierung überzeugen kann.

66%

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