Verdammt... Über 20 Jahre nach dem Erscheinen erst gesehen, und da ich ein Arbeiterklassenarsch bin, muss ich leider gestehen, dass ich in den Genuß von "Sie leben!" erst jetzt gekommen bin.
Warum "Arbeiterklassenarsch" ? Naja, der Film soll wohl Science Fiction sowie Horror und Außerirdische verbinden, abgefilmt von Großmeister John Carpenter, aber dennoch hebt dieser Film den Finger in Richtung Sozialkritik und moralischen Grundwerten, bzw. wie weit ein Mensch gehen kann, für Geld, Macht, Ansehen und eine dicke Villa mit Whirlpool und sprechender Gummipuppe sein Eigen zu nennen.
Die Schande ist (für mich persönlich) perfekt, da Roddy Piper alias der schottische "Hot Rod", der den Hauptdarsteller mimt, eins meiner damaligen Idole im Wrestling war, als ich noch Luft in Richtung Himmel wichste.
Roddy Piper spielt hier den arbeitssuchenden Rucksacktouristen John Nada (=Nix, = Nothing ?!?), der Arbeit auf dem Bau findet und sich dort mit Frank (Keith David) anfreundet, damit das Malochen nicht im Monolog stattfindet. John begleitet Frank nach der Arbeit in seine "Wohnung", die in der örtlichen "Penner-Ablage" liegt. Zelte statt Mamor, eine Essensküche statt einem 5-Gänge-Menü - und ein Fernseher, für die alten Säcke, die sich gepflegt abends einen hinter die Binde kippen. Doch das bescheidene Leben unter freien Himmel ist dann doch nicht so einfach. Der örtliche Priester scheint am Rad zu drehen und auch das Fernsehprogramm beim "Public Viewing" wird immer wieder durch Hacker unterbrochen, die etwas von Weltuntergang und Außerirdischen faseln. John Nada denkt sich anfach nichts dabei, bis er in den Besitz einer magischen Sonnenbrille gelangt, durch die er nur schwarz/weiß sieht, Werbeplakate wie Propaganda-Texte erscheinen und er in manchen Menschen "tote Gestalten" sieht... Ist die Erde wirklich von Aliens besessen? Oder ist die Sonnenbrille einfach nur eine Hugo Boss-Fälschung?
Damit wären wir beim interessanten Teil der Story. Alles fängt gemächlich an, man schaut John Nada und der Unterschicht zu, wie sie ihr tägliches Leben bewerkstelligen. Untermalt von hypnotisch wirkendem Score, spürt man irgendwie, dass da die Kacke mächtig am Dampfen ist. Doch Carpenter lässt sich Zeit, und man darf erst mal bei einer Polizei-Willkür zuschauen, wie die Heimat der Geächteten in Grund und Boden gestampft wird.
Erst als diese Sonnenbrille ins Spiel kommt, wird der Film exzellent, sowie total banal. Das ist das große Problem von "Sie Leben!".
Wirkt im zweiten Drittel diese Sonnenbrille in ihrem Schwarz/Weiß-Modus noch genial, bangt mit Roddy Piper mit, fühlt man sich als Zuschauer genervt und beleidigt, als er auch beim hundertsten Versuch scheitert, irgendeiner anderen Person diese Brille aufzusetzen - immerhin schießt Piper alias Nada ein paar Cops und ein paar "unschuldige" Bürger über den Haufen - obwohl er nicht die Fähigkeiten besitzt, einen auf Rambo zu machen und scheinbar trotz vieler Morde nicht zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt wird.
Ohne viel von der Story zu erzählen kann man das noch durchgehen lassen, aber was dann folgt, kann man lediglich nur noch als Trash ohne Sinn und Verstand beschreiben. Klar, jeder der den Film nicht kennt, dürfte wissen, dass Außerirdische eine Rolle(x) spielen, aber mit welchen banalen Mitteln dann zum Gegenangriff geblasen wird, spöttet jedem Hirn das intelligenter ist wie fünf Meter Feldweg. Man merkt John Carpenter schon an, dass er was erschaffen wollte, dass das wahre Gesicht des 08/15-Menschen entlarvt - der Schock sitzt auch einigermaßen. Jedoch drängt sich das Gefühl auf, dass J.C. das irgendwie zum Guten ende lassen wollte und so merkt man auch, dass zwanghaft (und total idiotisch) versucht wird, dass sich das Ganze in Buddy-Manier zum Guten wenden soll. Egal wie blöd es auch zu sein scheint. Bei mir persönlich zieht dann mehr der kritische Unterton.
Wenn man ohne Vorurteile an diesen Film rangeht, weitestgehend das Hirn ausschaltet, kann man seinen Spaß dabei haben. Schließlich spiegeln manche Sätze das eigene Arbeitsleben, in dem manche Menschen durch permanente Arschkriecherei und dem Verkauf der Seele eine Position höher kommen, ohne Rücksicht auf Verluste der ganzen Umwelt um sie herum spekulieren.
Normalerweise würde der Film 4 Pünktchen bekommen, aber da ich beim Ansehen von "Sie Leben!" an mindestens fünf Leute denken musste, die bis auf die Füße im Arsch des Chefs stecken, hat er eine größere Wirkung hinterlassen. Für solche Lakaien dürfte der Film ein Blick in den Spiegel sein...
7/10