Review


Der Mensch als Nutzvieh.

Stilistisch erinnert "They Live" an Szenarien aus den 50ern, schon damals gab es im Kino die außerirdische Bedrohung, die nicht mit Ufo-Bordkanonen wüst Großstädte einäschert, sondern die Menschheit via Gedankenkontrolle und Manipulation zu unterwerfen trachtet.
Carpenters "They Live" ist voller Seitenhiebe auf das Reagan-Amerika der 80er; satirisch werden Dekadenz und Arroganz der Eliten und die Fixierung der breiten Masse auf blödsinnigste Formen des Konsums und das hohle Fernsehprogramm angeprangert.
Auch der Hauptdarsteller, ein einfacher Wanderarbeiter, der sich die Demütigungen von Arbeitsvermittlungsangestellten und Vorarbeitern gefallen lassen muss, wartet nur auf seine Chance und sieht (vorerst) keinen Anlass zu gesellschaftlichen Veränderung: "Ich glaube an Amerika, ich halte mich an die Regeln."
Aber wenn einer der Widerständler, der um schon um die Invasion weiß, verkündet: "Sie bauen unmerklich die schlafende Mittelschicht ab, immer mehr Leute werden arm. Wir sind ihre Viehherde, wir werden von ihnen für die Sklaverei gezüchtet", dann kommt Carpenter hier mit sehr offensichtlicher, aber treffender Doppeldeutigkeit.
Ansonsten:
- Für einen Wrestler macht sich Roddy Piper in der Hauptrolle darstellerisch wirklich passabel.
- Atmosphärisch, wie so oft in Carpenters Filmen, sind die spartanischen Synthie-Klänge.
- Die Szene, wo Roddy alias John erstmals die "Sonnenbrille" aufsetzt und eine erste Ahnung davon erhält, was um ihn herum ist, gehört sicherlich zu den erinnerungswürdigsten Szenen des gesamtem Genres. Überboten fast nur noch von der Szene, wo John versucht, seinen Kollegen Frank (Keith David) zu "überreden", die Brille auch aufzusetzen...
- Bei der Erstsichtung erschien mir das Ende zu abrupt, ich hatte mir da noch die große, finale Auseinandersetzung erhofft; heute erkenne ich, dass Ende ist zwar budgetfreundlich, aber, als "böses Erwachen" der Menschheit, auch souverän inszeniert, wie eigentlich der ganze Film.

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