John Carpenter hat sich in den 70er und 80er Jahren mit vielen Kultfilmen wie "Halloween", "The Thing", "The Fog" und "Die Klapperschlange" seinen Ruf als Meister des fantastischen Films etabliert. Mitte der 90er bis heute steckt er in einem künstlerischen Tief, was Flops wie "Flucht aus L.A." und "Ghosts Of Mars" beweisen.
Das Werk "Sie leben!", das 1988 entstand, gehört noch zu Carpenters fruchtbaren Phase.
Sein Drehbuch, das er unter dem Pseudonym Frank Armitage verfasste (warum auch immer), erzählt die Geschichte von John Nada, der frisch nach L.A. kommt und dort nach einem Job sucht. Er wird als Bauarbeiter angestellt, wo er sich mit Frank anfreundet. Doch bald geschehen eigenartige Dinge: Ins Fernsehen hacken sich seltsame Priester ein, die offensichtlich verwirrt über irgendwelche Fremdlinge sprechen. Doch dann findet John einen Karton mit Sonnenbrillen und als er eine aufsetzt, kann er es nicht glauben. Mit der Brille kann er die Realität sehen: Viele Menschen sind gar keine, sondern Aliens, die mit verschlüsselten Botschaften die Menschen unterwerfen. Und so überzeugt John Frank und sie schließen sich einer Untergrundbewegung an, die den Kampf mit den Mistviehern aufnimmt.
So weit die Story, bei der man sich wundert, ob die Wachowski-Brüder für ihre "Matrix"-Filme nicht ein wenig bei diesem Streifen geklaut haben.
Jedenfalls ist dieser Film ein echter Carpenter, dessen Filme sich ja durch gekonntes Mixen von Genres auszeichnen.
"Sie leben!" beginnt wie ein Sozialdrama. Der Außenseiter John kommt in eine ihm fremde Stadt auf der Suche nach Arbeit, verbringt eine Nacht sogar im Freien und kommt im Obdachlosen-Viertel der Stadt unter.
Nach dem Auftauchen der Aliens geht der Streifen als Mischung aus Science-Fiction, Action und Gesellschaftskritik weiter, was zunächst als etwas seltsame Mischung erscheint, jedoch komischerweise sehr gut zusammenpasst.
Die Darstellerriege wird von Roddy Piper, einem Ex-Wrestler, angeführt. Von Piper ist zwar heute nichts mehr zu hören, doch damals muss er recht bekannt gewesen sein. Seine Schauspielkünste halten sich schwer in Grenzen, doch physisch ist er für die Rolle perfekt. Keith David spielt Frank. David hat sich heute in Filmen wie "Armageddon" und "Verrückt nach Mary" einen Namen gemacht und gibt in "Sie leben!" noch schauspielerisch die beste Leistung ab.
Carpenter beweist auch mit seinem kurzweiligen "Sie leben!", dass er ein hervorragender Regisseur trotz anhaltender Flopserie ist. Langeweile kommt keine auf, die Story ist näher betrachtet gar nicht mal so dumm wie sie scheint, die Action stimmt und die Aliens sehen technisch sehr gut aus. Höchstens gegen Ende lässt die Spannung ein wenig nach.
Man wundert sich, was man filmisch mit 4 Mio. Dollarn an Budget so alles anstellen kann und muss den Kopf schütteln, wenn man bedenkt, dass manche Stars eine Gage von 20 Mio. erhalten, wo man für das gleiche Geld wahrscheinlich 5 hervorragende Independent-Streifen drehen konnte.
Bleibt nur die Frage, warum Carpenter nicht seinen Kumpel Kurt Russell als John Nada besetzte.
8 / 10