Einer der wenigen Carpenters die ich bislang noch nicht kannte, nicht weil ich ihn explizit gemieden hätte. Eigentlich eher da ich doch viele seiner Filme als etwas zu überbewertet empfinde besonders sein bekanntestes 78'er Werk... naja ihr wisst schon, und dieser hier dann doch in seiner Filmographie etwas untergegangen ist und von vielen als so "lala" eingestuft wird.
Roddy "der Rowdy" Piper gibt sich hier die Ehre als etwas dumpf dreinblickender Bauarbeiter, frisch von den Ölfeldern aus Colorado eingetrudelt, auf der Suche nach einem Job in L.A. Der Film ist in seinen ersten 30 Minuten, für Carpenter typisch, recht subtil aufgebaut. Roddy alias Nada haust hier in einer Art Los Angeler Trailer Park, bzw. einer in Freiluft lebenden, etwas religiös anmutenden Gemeinde. Hier gibt es bereits erste Anzeichen das irgendwas faul ist, in Form eines blinden Priestes und eines bärtigen Predigers, der den Bewohnern stetig im TV erscheint und geheimnisumwitterndes Zeug schwafelt.
Auch die in Dauerschleife gespielte, Wild West ähnliche Melodie trägt hier deutlich zur Atmosphäre bei und gefällt mir besser als der sich zu schnell abnutzende Dudelkrams aus Carpenters 78'er... naja ihr wisst schon.
Als die Barackensiedlung dann ein jähes Ende durch Polizei & Planierraupe findet und Nada eine Sonnenbrille entdeckt, welche ihm die "Wahrheit" offenbart, ist sich Carpenter nicht zu Schade, die vorherige aufgebaute Suspense in waschechten Alientrash umzumodellieren. Konsumkritik wird reichlich plump aber wirksam mit eingesponnen und Nada darf einen dummen Oneliner nach dem nächsten raushauen und massig Invasoren über den Haufen schießen. Bis er schließlich seinen Kumpel Frank in einem beinharten Prügel-Duell davon überzeugt dass Aliens in LA wandeln, und fortan im Duo auf alles und jeden geballert wird.
Dieser schnelle Umschwung von Thriller auf Terminator tut dem Film dennoch gut, da unser Nada nunmal kein Vernunftsmensch ist, eher der "Erst-schlagen-dann-Fragen" Typ. Also lassten doch machen! Und mal ehrlich, was erwartet man von 'nem Streifen der sich "Sie Leben" nennt, und in dem ein Wrestler mit blonder Trucker-Proll-Haartolle und zwei Gesichtszügen die Hauptrolle spielt, egal ob er von Carpenter ist oder nicht? Übrigens ist Roddy mit mehr Leib und Seele dabei als beispielsweise Hulk Hogan in seinen filmischen Krampfadern."Sie Leben" steckt voll mit tollen Szenen:
Die Gesichter der Aliens sind verdammt wiederlich in Szene gesetzt, und ängstigen Anfangs sogar, nutzen sich mit zu viel Zeigefreudigkeit im Laufe des Films aber etwas ab. Mit der Spezialbrille erkennt man auch die Wahrheit, welche auf Werbeplakaten und Konsumgütern gekritzelt wurde. Als Nada mit Flinte und Sonnenbrille in eine Bank spaziert und die Zombiefressen mit 'nem mächtig coolem Spruch über den Jordan schickt, hat das ebenfalls Stil. Und die Klopperei zwischen ihm und seinem Kumpel Frank, von der man Anfangs noch annimmt sie sei wohl nur gaghaft aufgesetzt, aufgrund des Zusammenraufens der Beiden, wird im Verlauf so intensiv und brutal wie man es selten in einem Streifen dieses Kalibers zu sehen bekommt. Auch wird hier im Gegensatz zu vielen anderen L.A.-Filmen die dreckigere Seite der Stadt gezeigt ohne schillernde Stars & Sternchen. Am Ende wird dann endgültig der Vogel abgeschossen, aber das will ich hier nicht weiter ausführen.
- "Ich dachte, ich komm mal vorbei, kaue Kaugummi und tret 'n paar Leuten in den Arsch. Ich hab nur leider kein Kaugummi."
(Gab's nicht genau dieses, oder zumindest ähnliches Zitat später im "Duke-Nukem" Videospiel?)
Wrestler Roddy zeigt Invasoren aus dem All den Weg zum nächsten Space-Friedhof. Nur der letzte Funke will hier nicht so recht überspringen, schwer zu sagen woran das liegen mag. Mir hat er jedenfalls besser gefallen als Carpenters überschätzter 78'er.... Naja ihr wisst schon. Super 80'er Alien-Action, so originell wie prollig.