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Carpenter, den ungekrönten König des B-Plots, kann man lieben, wenn man will. Seine Werke haben immer einen unverwechselbaren Stil, aber manchmal kann auch die beste Absicht oder eine gute Idee noch keinen ausgezeichneten Film generieren.

„Sie leben“ ist Carpenters Reflektion auf die Reagan-Ära und die 80er Jahre, hier wie auch in der Realität eindeutig im Zeichen des Kapitalismus stehend.
Es erinnert schon ein wenig an die 50er Jahre, als die Alieninvasionen noch Metaphern für den Feind von drüben waren. Die Zeiten waren vorbei, nur hat es niemand dem Regisseur gesagt.

In „They Live“ bedienen sich die Aliens nun einer seltsamen Strahlung, die den Menschen im Unterbewusstsein suggeriert, möglichst träge und kapitalistisch orientiert vorzugehen. Das offenbart sich dem kleinen Mann, der sein Brot als Wanderarbeiter auf der Straße suchen muss. John Nada, nicht mal so übel von dem Wrestler Roddy Piper gespielt, kommt zufällig auf den Trichter, als die Obrigkeit eine Rebellenorganisation aushebt.
Eine spezielle Sonnenbrille zeigt ihm die Welt, wie sie wirklich ist und von da an bekämpft der Held das System, bis zum bitteren Ende.

Leider ist „They Live“ nicht besonders gut konstruiert. Die mysteriöse Organisation und das Vorgehen des Staates sind zu Beginn noch recht ordentlich gelungen und erinnern an die goldnen 70er, als das Individuum in französischen und italienischen Filmen gegen die dunkle Macht im Hintergrund keine Chance hatte. Doch der Film kippt in dem Moment, in dem er auf Effekte und Enthüllung setzt. Zwar ist die Weltsicht durch die Brille ein Überraschungseffekt, doch das Skript kann mit diesem Potential kaum etwas anfangen.
Die simple Formel: Das System ist nicht, was es vorgibt zu sein – zerstört das System! – sie führt nur zu einem ungeplanten Amoklauf, ein sinnfreies Kräftemessen ohne Basis. Nach einem Kampfintermezzo zu zweit (weiß und schwarz vereinen sich gegen die Aliens) werden wieder die Rebellen dazwischen geschoben, doch auch das führt nur zu einer Aufreibung der Renegaten in kürzester Zeit.

Von da an ist das Buch nur noch bemüht, ein wenig Hintergrund für die Aliens aufzubauen (Kapitalisten und Aliens kooperieren, der Reichtum profitiert zusätzlich auf Kosten des armen Mannes) und das ungleiche Duell zwischen unseren beiden Helden und der Übermacht zu forcieren. Stark vereinfacht und mit simpler Moral gerät der Showdown zum Actiongeballer mit wieder mal einer Carpenterpointe, die das Leben auf dem Planeten in eine neue Richtung lenken wird, wobei hier die Logik (wieso gibt es nur einen Sender und warum ist der nicht besser bewacht) sich wieder mal der Botschaft beugen muss.

„Sie leben“ funktioniert durchaus, vor allem bei jüngeren Semestern (im Teenageralter fand ich die Aussage sehr beeindruckend), später jedoch wird überdeutlich, dass nur wenig Handfestes geboten wird. Substanziell unbedeutend, aber halbwegs unterhaltsam. (5/10)

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