Der Held aus "Sie leben!" hat keinen Namen, dafür 'ne scheiß Frisur. Der Abspann jedoch verifiziert den Haarunfall als Nada. Gespielt wird der Held ohne Namen von Roddy Piper, grobschlächtiger Ex-Wrestler, der allen Erwartungen gemäß schlecht spielt. Seine Figur ist eine Art Landstreicher, unterwegs durch die USA. Er sagt, er glaube an dieses Land, und wartet nur auf seine Chance, auch einmal Glück zu haben, und das passende Geld zu verdienen. Wenig später hat er eine Sonnenbrille in der Hand, die ihm erstmals gewährt, die Wahrheit zu sehen: Unsere Welt steckt in der Hand von Aliens, die unsere Rohstoffe ausbeuten, und die gesamte Bevölkerung unterwandert haben.
Ganz schön viel Belastung auf einmal für so einen einfachen Mann wie Nada. Aber bewaffnet mit einem grauenerregenden Holzfällerhemd, der Super-Sonnenbrille und ein paar Schießeisen wird er das Ding schon schaukeln. Er verbündet sich mit einem Schwarzen und kämpft fortan gegen die Aliens und gegen ihre menschlichen, kapitalistischen Unterstützer - ach, eigentlich gleich gegen alles, was die Reagen-Ära in den Achtzigern ausgemacht hat. Doch neben jenen satirischen Schlägen hat "Sie leben!" nicht viel zu bieten.
Die stimmungslose Musik von Carpenter selbst fängt nie die Ausweglosigkeit in der sich die Menschheit angesichts der Invasoren befindet ein - und auch die Story vermag nicht einmal dem nachzukommen. Die ganze Erde ist von Aliens übersät, aber Mr. Roddy Piper muss sich nur kurz in der nächsten Seitenstraße verstecken, und schon ist er sicher - dass ganz Amerika inklusive der menschlichen Bürger dank Steckbrief-Plakatierung und TV-Propaganda sein Gesicht kennen, stört ihn und Regisseur Carpenter anscheinend nicht. Selten, eigentlich nur zu Anfang des Films, zeichnet Carpenter den außerirdischen Aggressor als wahre Bedrohung für Nadas pulsierendes Leben. Anstatt seine Bösewichte wirklich gefährlicher und interessierter an einer aktiven Sterbehilfe für Nada zu inszenieren, hält sich Carpenter lieber mit einer minutenlangen, ermüdenden Wrestling-Szene auf, in der Nada und sein afroamerikanischer Kumpel Frank sich gegenseitig die Birne einkloppen, weil wieder einmal jegliche Vernunft oder verbale Kommunikation versagt haben.
Vielleicht hätte man mehr Geld in das Drehbuch investieren sollen, und nicht nur John Carpenter alleine daran ’rumdoktoren lassen - das Geld hätte man sich aus der Gage von Roddy Piper sparen können. Kein Zuschauer hätte es bemerkt, hätte man den Stiernacken mit einem kostengünstigen Pappaufsteller seiner selbst ausgetauscht. Relativ clever fällt da auch die Auswahl der anderen Darsteller aus. Keiner der B-Mimen, die hier herumstolpern, haben nur ansatzweise das Können oder die Begabung, um den überforderten Piper an die Wand zu spielen. Carpenter hat seinen Film durchweg schlecht besetzt. Der Höhepunkt ist die schreckliche Meg Foster, deren Leinwandtot man ständig entgegenfiebert.
Positiv kommt das Alien-Design weg. Gerade in den ersten irritierenden Szenen, in denen Nada seine Sonnenbrille aufsetzt, und der außerirdischen Hässlichkeit ins Angesicht blickt, wirken erschreckend und schön irreal. Doch der Zauber verfliegt proportional zu den öfter vorkommenden Alienfratzen schnell.
Wem die Satire an den Konsumismus gefällt, der mag kurze Zeit unterhalten sein. Aber die schlaffe Inszenierung, die langweilige, musikalische Untermalung und die desaströsen "Schauspieler" machen den Filmtitel zu einer Lüge: "Sie leben!" ist so leblos, inhaltlich wie formal, dass der 90-minütige Durchgang durch diesen Carpenter-Streifen fast zwangsläufig mit einem Sekundenschlaf verbunden sein muss. Verpassen wird man nichts.