Review

Und wieder so leicht angemufftes Fundstück, welches ohne die Bemühungen Tausender von Youtube-Usern praktisch komplett in Vergessenheit geraten wäre, so aber immerhin noch mal zu Ehren kommt.

„Encounter with the Unknown“ ist – im Kern – ein gruseliges Dokudrama, irgendwo zwischen Urbanen Legenden und merkwürdigen Begebenheiten, die man sich nicht erklären kann. Ein kleiner Anthologiefilm, der in seinem (recht dominant verwendeten) Sprechertext legendäre TV-Serien wie „Twilight Zone“ in Erinnerung ruft und gleichzeitig moderne Kultserien wie „X-Faktor: Das Unfassbare“ mit Jonathan Frakes vorwegnimmt.

Die Nähe zur Twilight Zone ist allein deswegen gegeben, weil Serienschöpfer Rod Serling dafür gewonnen werden konnte, den Off-Kommentar zu allen Geschehnissen zu verlesen. Das war eine schöne Leistung, denn er talkt nicht nur einen beachtlichen Teil des Films zu, er muss auch einen unglaublichen Mystik-Okkult-Mumbojumbo absondern, der als Einschlafhilfe am besten taugt.
Dennoch hat man drumrum sogar noch einen Off-Kommentar gelegt, der irgendeinen Schmonz von einem seltsamen Phänomen erzählt, nachdem fast alle Menschen, die mit dem Unerklärlichen im Kontakt waren, auf nur 23 Friedhöfen in den USA begraben. Was aber für den Film auch wieder ohne Bedeutung ist.

Ansonsten entwickelt sich vor den Augen der Zuschauer ein frühe Form dieser Omnibus-Kompilationen, drei Episoden, die den Zuschauer verwirrt oder gegruselt zurücklassen sollen. Was sie allerdings nicht schaffen.

Das bedingt schon allein die Lauflänge des Films, der zwar 90 Minuten lang ist, aber nur Stoff für etwa 45 davon mit sich herumträgt.
Dabei fängt es noch ordentlich an: die Story von drei harmlosen Prankstern, die ihren etwas naiven Mitstudenten an eine anonyme Adresse für ein heißes Date schicken. Die ältere Dame dort ist nicht erfreut und hat auch schon die Waffe im Anschlag, als sie das Missverständnis erkennt. Dummerweise löst sich dann ein Schuss und der Kollege verabschiedet sich ins Jenseits.
Seltsamerweise hat die Mutter des Toten nun aber nicht die tödliche Witwe, sondern die drei Mitstudenten auf dem Kieker und stößt noch auf dem Friedhof einen veritablen, wenn auch schwer entschlüsselbaren Fluch aus. Weil der so dolle zu sein scheint, kriegen wir ihn dann in der Episode etwa viermal zu sehen und dann noch mal am Ende des Films, aber da wissen wir es dann langsam auch.
Naja, wie soll es anders sein, der Erste rennt vor ein Auto, der Zweite stürzt mit dem Flieger ab, confesst aber vorher noch alles einem Priester, der neben ihm sitzt. Der wartet dann angemessen lange mit der Warnung für den Dritten, bis der schon zum Fallschirmspringen ist. Höhö.

In Episode 2 geht es ins Jahr 1906 und nach allerlei frohgemuter Wanderei eines Jungen und seines Hundes ist der Doggie dann plötzlich weg – man nimmt an, er sein in ein ominöses Loch gefallen, aus dem a) Rauch quillt und b) seltsame Schreie zu hören sind. Dad schaut sich das an, verwirft die Idee einer Rettung, überlegt es sich anders und holt die halbe Stadt dazu. Die kommt, geht wieder, kommt noch mal (da bin ich dann das erste Mal entschlummert) und lässt Daddy dann am Seil in die Tiefe herab. Großer Schrei, komplette Madness macht sich breit, Daddy geht in die Klapse. Hund bleibt verschwunden und Loch dampft weiter. Erhebend, dieser Erkenntnisreichtum.

Nachdem nun mühsam 50 Minuten um sind, kommt es in Episode 3 zu der alten urbanen Legende von dem Mädchen auf der Brücke, die dort nächtens wartet und nach Hause gefahren werden möchte. Ein Senator samt Frau erbarmen sich, aber der Daddy erklärt dem erschütterten Herrn, dass seine Tochter schon lange tot ist, weil sie von daheim mit einem Männe nicht von Vaters Gnaden weglief und per Auto ins Verderben stürzte – an besagter Brücke. Die Verstorbene ist inzwischen auch aus dem Auto verschwunden, aber dank der wirklich amateurhaften Einsatzes von Rückblenden erfahren wir den Familienzwist von damals an den unpassendsten Stellen. Und als die Sache klar ist, darf man den Liebenden noch beim Schmusen für etwa 4 Minuten zuschauen, während sich ein Popsong über die Szenerie ergießt.

War es das? Beinahe, denn wir sind erst bei Minute 80 (ich bin inzwischen ein zweites Mal erwacht) und die letzten 10 Minuten gönnt uns die Produktion noch mal ein Best-of des gesamten Streifens für ein Supernatural-Fazit, endlos längs geschwurbelt von Mr. Serling himself.

Daraus folgert: generell eine gute Idee, in der Ausführung jedoch ein pottenöder Film, der von Spannungsaufbau weder vorne noch hinten eine Ahnung hat. Zu sehen ist nichts, das Übernatürliche findet im Off statt und der Storyaufbau wiederum ist umständlich und verzögernd. Potential wäre dagewesen, denn eigentlich sind die Folgen ganz solide. Aber erst nervt Mama, dann die Wortkargheit der Delinquenten. In der zweiten Episode gibt es zuviel Tratsch der Marke „Waltons“ und wer die letzte Episode geschnitten hat, verdient fast schon aufs Maul.
Die finalen 10 Minuten ziehen dann endgültig den Stecker aus der Lebenserhaltung; da alles von halben Laien gespielt wird, ist der Eindruck dann entsprechend ziemlich hölzern.

Wer also mag, kann sich eine horrible Kopie auf Tubi einpfeifen, ich würde es aber nicht empfehlen, wenn man nicht auf hippieskes Pacing steht. Dass Serling parallel etwas so Rundes wie „Night Gallery“ fürs TV produzierte, ist dann der letzte Sargnagel dieser Amateurproduktion, die es tatsächlich kurz ins Kino schaffte.
Für ordentliche Aussstattung und brauchbare Inszenierung gibt’s den Gummipunkt, aber im Grunde ist die Variante Frakes dann deutlich wachhaltender. (2/10)

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