Review

Als Kinder war Weihnachtszeit im Kino gleich Disney-Zeit.
Familienunterhaltung wurde groß geschrieben, ein bißchen süßlich, ein bißchen kitschig, mit viel Humor und vollgepropft mit Songs, die sich zum Fest natürlich unter dem Tannenbaum wiederfinden sollten.
Irgendwann war der Ofen aus und zunehmend eroberten sich andere Firmen und Franchises das Plätzchen beim Lametta, Merchandising ist ja schon lange kein Monopol mehr.

Jetzt ist Disney mit der typischen Weihnachtsunterhaltung zurück und nennt das alles „Enchanted/Verwünscht“.
Nicht mehr ganz so klebrig und kariesverursachend, dafür mit ironischer Distanz und Klischeedurchlöcherung aufgefrischt, so daß kaum jemand was zu meckern hat.
Um den Kessel auch schön voll zu bekommen, wurde auch noch Realfilm mit klassischem 2-D-Zeichentrick kombiniert und Alan Menken trat seinen Weg aus der „Beauty and the Beast“-Versenkung zurück ans Licht an und klotzte noch ein paar schmissige Songs ran.

Das alles ergibt die Fantasystory von der Zeichentrickprinzessin, die von der bösen Stiefmama in spe per Zauberbrunnen ins reale New York entsorgt wird, woraufhin sich gleich auch noch der Prinz, ein Backenhörnchen, ein schussliger Vasall und am Ende die böse Hexe auf die Socken machen – während das naiv-fröhliche Tausendschönchen aber schon das Leben und das Herz eines geknickten Anwalts samt sechsjähriger Tochter so durcheinander gewirbelt hat, das am Ende die Animations- und Realweltverteilung eine ganz andere (wenn auch vorhersehbare) Wendung nimmt.

Die ersten 10 Minuten sind im klassischen Zeichentrickstil gehalten und hier zielt die Produktion noch tief genug für einige wirkliche Treffer: die Schneewittchen/Aschenputtel-Kombination wird dermaßen übertrieben mit der großen Kelle ausgeschenkt, das man Niedliche-Tierchen-Overkill bekommt.
Und auch nach der Ankunft in New York bleibt die Story noch eine ganze Weile frisch, was vor allem an dem Charme von Patrick Dempsey liegt, der als Anwalt den Knuddelfaktor auf seiner Seite hat. Natürlich gibt es die üblichen Zivilisationsschocks und Irritationen, wobei vor allem die Reinigung der Wohnung durch die angelockten Tiere (im Big Apple gibt es leider nur Ratten, Tauben, Kakerlaken und Schmeißfliegen) noch die Treffenste ist.

Spätestens zur Halbzeit kommt aber nur noch Vergnügen auf, wenn man ein Auge (und das Fachwissen) dafür hat, welche Disneyfilme hier jetzt wieder teilweise oder ganz zitiert werden (sehr charmant: Susi und Strolch bzw. am Ende „Sleeping Beauty“) oder wenn die PC-Animateure sich wieder an dem hervorragenden Backenhörnchen probieren dürfen, dessen „Poisoned-Apple“-Scharade ein absolutes Highlight ist.

Immer stärker geht jedoch der satirische Impuls zurück und auch wenn es stets noch etwas zu lachen oder zu schmunzeln gibt, wird dann doch im großen Stil die zu erwartende Romanze breitgewalzt, wobei die Musiknummern sich dermaßen ausbreiten, das man an die grauenhaften Massenszenen a la „Mary Poppins“ oder massentaugliche Phil-Collins-Ware erinnert wird.

Da mangelt es der Story einfach an Überraschungspotential, das Feelgood-Bemühen ist allseits spürbar und selbst der FX-Drache im Finale kann nicht darüber hinwegtäuschen, das all die Klischees am Ende gegen die ironische Brechung immun sind.

Erfreulich jedoch der motivierte und flotte Cast, wobei man Susan Sarandon als Queen-Bitch-Domina noch ein paar Szenen mehr gegönnt hätte und James Marsden endlich mal eine Rolle hat (als Prinz), an die man sich nach dem Film noch erinnert.
Das macht unter dem Strich dann also doch nur Konfektionsware von der Stange (bzw. aus dem Lager) mit dem nötigen Quentchen Lufterfrischer, um die US-Kritiker sofort auf die Knie sinken zu lassen.
Das Familienlager wird der dieser gewaltfreie und fröhliche Märchenmix sicherlich gefallen und zur Weihnacht für volle Kassen sorgen, neu erfunden hat sich Disney damit aber keinesfalls. (knapp 7/10)

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