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Es war einmal vor vielen Jahren, da revolutionierte ein junger Amerikaner das Animationskino. Seit dem Walt Disney, im Jahre 1937 mit "Schneewittchen und die sieben Zwerge", den ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm in die Kinos brachte, gilt er als derjenige, der das Sagen in Sachen Animationskino inne hat. Aber wie alles von Qualität so hat natürlich auch er genügend Gegner, die mit seinen Filmen nicht viel anfangen können. Zu viel Gesinge, sprechende Tiere und viel zu viel der "heilen Welt", dass ist nicht jedermanns Sache. Wie kann man sich als Studio nur gegen diese Vorwürfe verwehren? Ganz einfach, man zieht sich einfach mal selbst durch den Kakao. Doch besteht dabei nicht die Gefahr, die eigenen Fans zu verprellen? Definitiv! Also den Film gleichzeitig als Hommage an das Disneykino anlegen, sozusagen Satire und Hommage in einem! Ist das möglich? Durchaus, wie uns Disney mit "Verwünscht" beweist.

"Verwünscht" zeigte schon im Trailer, dass man es dieses mal mit einem ganz anderen Disney-Weihnachtsfilm zu tun bekommt, wenn auch das Endergebnis nicht so wahnsinnig anders ist als erwartet. Es geht um die Prinzessin Giselle, die sich schon einen Tag nach Kennenlernen ihres Prinzes Edward entschließt diesen zu heiraten. Dessen böse Stiefmutter sieht dies aber gar nicht gerne und verbannt Giselle kurzerhand aus der Märchenwelt, hinein ins reale New York. Dort angekommen hat die sonst animierte Prinzessin erst einmal mit allerhand Tücken des typischen Menschen-Alltages zu kämpfen und lernt dort zudem den Witwer Robert kennen, in den sie sich kurzerhand ebenfalls Hals über Kopf verliebt. Doch Prinz Edward ist schon auf dem Weg, seine Verlobte in die Fantasiewelt zurück zu holen und seine Stiefmutter ist auch nicht so ganz ohne... Und es ist ohne Frage, was die Geschichte angeht, hat Disney seit langem das fantasiereichste ausgebrütet, was das Studio in letzter Zeit so auf die Leinwand gebracht hat. Märchenfiguren die durch die reale Welt laufen sind zwar nicht wirklich etwas Neues, doch so konsequent wie hier, wurde diese Tatsache dennoch kaum durchgezogen. Auch wenn man sich von Anfang an darauf einstellen sollte, dass man es hier wirklich mit einem (etwas anderem) Märchen zu tun bekommt, so kann die Story trotzdem von Anfang bis Ende überzeugen.

Wunderbar ist dabei vor allem wirklich die konsequente Selbstverarsche, die Disney hier durchführt. So beginnt der Film schon einmal mit einer gar typischen Disney-Szene, in dem Giselle, fröhlich ein Liedchen zwitschernd, mit den Tieren des Märchenwaldes das Haus putzt und dies auf eine derart überzogene Art und Weise, dass selbst Disney-Fans davon leichte Bauchkrämpfe bekommen können. Das typische Disney-Zeichentrickfilmkonzept wird sofort auf die Spitze getrieben und erst mit dem Schwung in die reale Welt, wird dieses Konzept über den Haufen geworfen. Denn so einfach wie in den meisten Disneyfilmen ist das Leben in New York nun einmal nicht. Und so muss sich Giselle mit allerhand Tücken herumschlagen, wie den größtenteils muffelig gelaunten New Yorkern, Werbetafeln mit aufgemalten Märchenschlössern und sonstigen Alltäglichkeiten, welche sie so noch nie gesehen hat. Und der Zuschauer schafft es dabei wirklich, sich ein ums andere Mal auf die Schenkel zu klopfen vor lachen. Vor allem wenn die böse Stiefmutter, in Gestalt von Susan Sarandon, New York verwüstet und im Finale einen auf King Kong macht.

Wie schon eingangs erwähnt, versteht sich "Verwünscht" aber nicht nur als Satire, sondern gleichzeitig auch als Hommage an das Disney-Studio. So ist z. Bsp. schon der Anfang und das Ende im typischen Disneydesign gehalten, in dem ein Märchenbuch auf- bzw. zugeschlagen wird und eine Sprecherin beginnt die Geschichte zu erzählen. Oder auch zwischendurch, wenn viele liebgewonnene Details durchschimmern und ein großer Disneyfilm nach dem anderen seine Erwähnung findet. Von Schneewittchen, über Cinderella und "Die Schöne und das Biest" (in Form von Musikklängen), viele der großen Disneyer finden hier ihre Erwähnung. Sowieso können wohl nur eingefleischte Fans mit Insiderkenntnissen über die meisten der Witze wirklich lachen.

Schade nur, dass man sich in Sachen Bissigkeit nicht noch mehr zugetraut hat. Denn so sehr die Macher hier den Disneykonzern auch veräppeln, so sehr knien sie im Endeffekt auch vor ihm nieder und lassen wirklich böse Witze nur selten einmal durchschimmern, wie z. Bsp. den vergifteten Apfel, der sich durch einen Fahrradhelm frisst und sogar beim Besitzer ein nettes Loch in die Haarpracht brennt. Bevor es richtig böse werden würde, knicken die Macher leider immer wieder ein. Dazu kommt das recht kitschige Ende, welches zwar irgendwo auch typisch für Disney ist, hier aber irgendwie doch merkwürdig störend ist, vor allem weil es auch, selbst fürs Genre, viel zu einfach gestrickt wurde. Ab und ein Biss hier und da mehr, hätte dem Ganzen jedenfalls spürbar gut getan.

Dafür können allerdings die Darsteller wieder vollkommen überzeugen. Vor allem Hauptdarstellerin Amy Adams ist beeindruckend, denn sie spielt die Prinzessin aus dem Märchenwald mit Bravour und zwar durchgehend so, als wäre sie wirklich eine Zeichentrickfigur. Sprich ihre ganze Mimik und Gestik hat sie voll und ganz auf das nötige Zeichentrickniveau gefahren, so dass man wirklich durchgehend das Gefühl hat, man hätte es mit einer animierten Figur zu tun. Nicht ganz so gut, aber immer noch überzeugend, agieren auch James Marsden als durchgeknallter Prinz, Susan Sarandon als böse Stiefmutter und Patrick Dempsey als unfreiwilliger Retter in der Not. Kurzum, man kann zufrieden sein.

Fazit: Gelungene Mischung aus Satire und Hommage, welche sich zwar durchgehend an die bekannten Disney-Regeln hält, diese dabei aber dennoch immer wieder durch den Kakao zieht. Die Story dafür funktioniert von Anfang bis Ende und ist fantasievoller denn je, die Charaktere sind allesamt wohlig durchdacht und ein gelungener Joke reiht sich an den Nächsten. Auch wenn sich das Ganze zum Ende hin ein wenig zu sehr in Kitsch verrennt und auch wirklicher Biss in den meisten Witzen fehlt, so kann man sich mit "Verwünscht" dennoch einen gemütlichen, familientauglichen Abend machen. Nur Disneyfan sollte man schon sein!

Wertung: 7,5/10 Punkte

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