Review

Viel zu lange habe ich gezögert, bevor ich mir diesen Film angesehen habe. Die vielen schlechten, bzw. mittelmäßigen Bewertungen auf diversen Film-Seiten haben mich doch abgeschreckt, das gebe ich zu.

Allerdings hätte ich es besser wissen müssen. Immerhin spielt Song Kang-Ho mit. Einer der besten Schauspieler unserer Zeit (und nicht nur Asiens, wie dauernd gesagt wird. Diese Einschränkung halte ich für sehr ungerechtfertigt).

Warum kommt dieser Film überall so schlecht weg? Zwei scheinbare Gründe sind mir dabei besonders oft aufgefallen.

1. Manche meinen, schon zu viele ähnliche Filme gesehen zu haben. Und dazu möchte ich sagen: Ich selbst habe ebenfalls schon viele ähnliche, sehr ähnliche Filme gesehen. Für mich ist dies jedoch bei Weitem kein Grund, dieses Werk als schlecht anzusehen. Was ist denn das bitte für eine Logik? Wenn man konsequent so empfinden würde, dann würde man vielleicht 2 - 3 Filme eines Genres gut finden und den Rest verschmähen. "Wie? Ein Actionfilm? Ach nee, lass ma, da hab ich schon welche von gesehen, ist doch eh immer das gleiche." - sowas habe ich noch nie jemanden sagen hören. Obwohl wir alle wissen, dass Actionfilme sich nur zu gerne ähneln. Komisch, dass es anscheinend nur asiatischen Gangsterfilmen negativ angerechnet wird.

2. Mein Lieblingsgrund: Der Film sei zu langatmig und stellenweise zu ruhig. Da frage ich mich dann, was man erwartet, wenn man, wie der "deutsche" Titel es schon ankündigt, ein Porträt, also eine intensive Charakterdarstellung, ansieht.

Denn da punktet der Film ungemein. Der Charakter des Kang In-Gu wird in all seinen Facetten ausführlich vorgestellt. Wir erleben ihn als Freund, als Gangster, als Ehemann und als Vater. Und dabei wird sehr anschaulich gemacht, wie unterschiedlich ein einziger Mensch sein kann, in was für unterschiedlichen Welten sich ein einziger Mensch bewegen kann, und vor allem: Wie diese unterschiedlichen Welten aufeinander wirken.

All das wird durch den Hauptdarsteller bestens gespielt. Er schafft es, dass man regelrecht Mitgefühl bekommt mit dieser gescheiterten Figur, die es einfach nicht auf die Reihe kriegt, sich aus illegalen Geschäften zurückzuziehen und sich endlich seiner Familien zu widmen, wie er es schon seit Jahren verspricht.

Ein erfolgreicher Gangster, aber ein sozialer Versager. So kann es gehen. Grade zum Ende hin, als die Aussichten auf ein glückliches Familienleben wortwörtlich immer weiter in die Ferne rücken und sich Reue und Einsicht manifestieren muss man, so unterstelle ich einfach mal, regelrecht herzlos sein, wenn man nicht so etwas wie Mitgefühl empfindet für diesen Menschen, der es doch eigentlich nur gut meint, ironischerweise aber oftmals grade deswegen so viele Fehler macht.

Der Film ist relativ schlicht gehalten. Eine realistische Darstellung war offenbar Ziel und wurde auch erreicht (soweit ich als Nicht-Gangster und ohne Kontakte in diese Branche das beurteilen kann.) Die Optik gefällt mir ziemlich gut. Alles wirkt mordern und zeitgemäß, allerdings nicht überzogen oder überkandidelt. Der Soundtrack wirkt auf den ersten Bli.. äh.. beim ersten Anhören ein wenig unpassend, entfaltet aber im weiteren Verlauf des Films einen leicht ironischen Unterton, der sich gut in das Gesamtbild einfügt. Der Film beinhaltet einige humoristische Momente, wirkt aber - keine Sorge - zu keiner Zeit albern, überdreht oder lächerlich.

Auf meiner Dvd steht hinten "Halsbrecherische Stunts, knallharte Actionszenen und blutige Fights" - Nun, das ist zu 80 % gelogen. Scheinbar glaubte man, der Film würde sich so besser verkaufen. Im Nachhinein betrachtet sind vermutlich grade wegen dieser Versprechungen viele enttäuscht. Der Film verzichtet nämlich weitestgehend auf Action in Form von Explosionen, Schießereien oder stundenlangen Schlägereien. Dennoch enthält er einige Reibereien und Auseinandersetzungen, die durchaus auch blutig werden. Aber wie gesagt, er ist allgemein eher realitätsnah. Er begleitet einen Charakter. Und die meisten Menschen - auch Gangsterbosse - haben mehr zu tun, als sich von einer Schlägerei in die nächste zu "fighten".

Alles in Allem hat mir diese Personenvorstellung bestens gefallen. Man darf sich von den vielen unterdurchschnittlichen Wertungen, die der Film offenbar überall einheimst, nicht blenden lassen. Er ist längst nicht so schlecht, wie die meisten sagen. Vorausgesetzt natürlich, man weiß, was ein Porträt ist.

Fans von Song Kang-Ho können ohnehin nichts falsch machen. Dieser Schauspieler gehört zu meinen aktuellen superduper-Lieblingsschauspielern. Und dieser Film zeigte mir einmal mehr, warum.

09/10

Nachtrag: Man sollte, bzw. muss sich den Film unbedingt auf Koreanisch mit deutschen Untertiteln ansehen. Die deutsche Sprachausgabe ist nicht komplett scheiße, jedoch auch alles andere, als gut. Es geht unglaublich viel der Charaktere verloren!

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