Review

Flash Point



Sorry gleich zu Beginn. Muss dem Film, auf persönlicher Meinung basierend, so eine gute Bewertung geben, da ich als HK-Cinema-Fan, leider nicht vollends objektiv bleiben kann.

Keine Frage Wilson Yip’s Film hat seine Ecken und Kanten, doch sind es gerade diese, die Man(n) so liebt. Auch wenn andere dies gern als Anlass für negative Kritik, oft natürlich auch gerechtfertigt, hernehmen. Freilich kann die austauschbare Rachestory nicht positiv punkten und dient nur als Mittel zum Zweck um etwaige Szenarien zu begründen. Natürlich bleibt dabei Spannung und Charaktertiefe auf der Strecke, obwohl die Filmemacher sich tatsächlich Zeit für diesen Bereich genommen haben und vor allem Donnie Yen’s Charakter nicht nur eine oberflächliche Hülle bleibt, auch wenn er zutiefst menschliche Instinkte verfolgt und Zeitweise mehr an ein Tier als an einen denkenden Menschen erinnert. Das war bei Yip`s SPL so und auch der schon etwas ältere „Bullets Over Summer“ musste mit dieser Tatsache klarkommen und schaffte es trotzdem leicht sich aus der unglaublichen Produktionsflut aus HK/China heraus zu kristallisieren.

Doch zurück zu Flash Point, ihn als reinen Action/Martial Arts-Streifen abzutun hätte der Film nicht verdient. Dafür bietet er dann doch auch noch andere Momente. Mein persönliches Highlight ist dabei die Sequenz um Ma (Donnie Yen), als er einen der Kriminellen regelrecht zu Tode prügelt, nachdem dieser ein Kind als Geisel missbraucht hat. Dabei ziele ich nicht auf den Gewaltakt ab, sondern fokussiere die Kamera. Diese zeigt nämlich das Szenario nicht explizit detailliert, sondern macht den Zuschauer zum passiven Betrachter, welcher ähnlich den involvierten Zeugen samt Mutter des Kindes, hilflos und schockiert, bei dieser gerechtfertigten Selbstjustiz, zusehen muss. Hammerhart dabei diese INTENSITÄT. Zurück bleiben ein sprachloser Ma, dessen später eintreffenden Kollegen und wir Zuschauer.

Zwischenmenschlichkeit, Egoismus, Fanatismus, Loyalität und Freundschaft werden aufgegriffen und ins Thema eingebunden. Dies sorgt zumindest für genug Dramatik und auch eine gewisse Authentizität. Dies alles hat Regisseur Wilson Yip mehr als solide umgesetzt und funktioniert in Verbindung mit dem eingängigen, auch mal treibenden, Score von Chan Kwong Wing ausgesprochen gut.

Natürlich dürfen die Kampfsequenzen, als solche, als das Highlight des Filmes angesehen werden. Viel Akrobatik, teilweise an Wrestlingmoves erinnernd, gepaart mit erstklassigen Martial Arts, lassen das Herz des Genrefreunds höher schlagen. Dabei werden auch noch ziemlich abgefahrene Stunts eingebunden, wobei hier das Hauptaugenmerk auf den minutenlangen finalen Endkampf zu richten wäre. Die Kamera bleibt oft in der Totalen. Durch ihre zusätzliche Bewegung wird eine gelungene Dynamik erzeugt. Erinnert mehr als einmal an den ersten großen Teamplayer SPL von Yip/Yen. Da auch der Gebrauch von Waffen zu vermelden ist, sollten auch die Boodshedfans zufrieden gestellt sein.

Lediglich die Gewichtung der Actionszenen könnte man kritisieren, da sie an einer Hand abzuzählen sind. Doch aufgrund der kurzweiligen Laufzeit von ca. 80 Minuten ist dieser Makel auch zu verschmerzen.

Fazit: Kleine Action/Martial Arts-Perle aus Hongkong, welche ganz eindeutig auf ihren Hauptdarsteller zugeschnitten wurde. Der Rest vom Stab fügt sich prima ein und wird mit fortschreitender Laufzeit dezimiert. Ein treibender Score und ein gutes Maß Härte lassen Actionfans definitiv kaspern.

Hmm, am Ende wohl doch ein reiner Actionfilm!!!

8 von 10, weil ich ihn sogar besser fand als SPL.

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