Unverblümt – Nichts ist privat
(Delphi Filmverleih)
Alan Ball!!! Ein Name, hinter den ich gerne mal drei Ausrufezeichen setze! Eigentlich wollte ich ihn noch auf Schriftgröße 28, kursiv in Fettdruck setzen, aber das hätte den Rahmen ein wenig gesprengt! Aber ich schweife ab. Zurück zu ALAN BALL!!! Einer der wohl derzeit besten Drehbuchautoren der Filmlandschaft! Bekannt wurde er schlagartig mit seinem Drehbuch zu dem grandiosen American Beauty, und dem damit verbundenen Oscar. Dies gab ihm die kreative Freiheit, weitere eigene Ideen zu verwirklichen, woraus dann eine der besten und innovativsten TV-Serien der letzten Jahre entstand: Six Feet Under! Diese Serie festigte seinen Ruf als innovativen und anspruchsvollen, aber trotzdem unterhaltsamen Autoren und Produzenten, der sich nun gelegentlich die Freiheit nahm, auch mal für ein paar Episoden Regie zu führen. Nach dem Serienfinale von Six Feet Under widmete er sich seinem Langfilm Regiedebüt, dem vorliegenden Unverblümt – Nichts ist privat, ein Film, den ich als bekennender Fan sehnsüchtig erwartet habe! Auf den ersten Blick stimmen dabei auch alle Details, sind doch die für Alan Ball typischen Zutaten auch in diesem Film vereint.
Die Geschichte handelt von der 13-jährigen Jasira (grandiose darstellerische Leistung der damals 19-jährigen Summer Bishil), welche zu ihrem libanesischen Vater nach Texas ziehen soll, da die Mutter (Maria Bello, A History of Violence) sie bei einer Intimrasur mit Hilfestellung des Freundes der Mutter ertappte. Die Trauer um die verlorenen Freunde weicht schnell der Erkenntnis, einen sehr konservativen Vater mit Tendenzen zu rassistischen Vorurteilen zu haben. Da er große Sorgen um die Moral und Keuschheit der Tochter hat, ist ab sofort der Begriff „Privatsphäre“ für sie ein Fremdwort. Eine schwierige Situation, wenn man sich mitten in der Pubertät befindet. Aber eine noch größere Überforderung stellen für die Protagonistin die plötzlich auftretenden Gefühle für den Jahrzehnte älteren Nachbarn (Aaron Eckhart), der zwar charmant ist, und dies auch im Verlauf des Filmes bleibt, aber doch die moralischen Grenzen im Umgang mit der Minderjährigen überschreitet.
Unverblümt – Nichts ist privat ist ein bemerkenswerter Film. Ganz aus der Perspektive der jugendlichen Hauptdarstellerin erzählt, zeigt er deutlich die Gefühle und das damit verbundene Chaos der Person auf. Dadurch ist der Film stellenweise sperrig und wenig eindeutig, da er vom Zuschauer erwartet, sich darauf einzulassen, und dem brisanten Thema Pädophilie aus Sicht eines pubertierenden Teenagers zu nähern. Gerade diese mangelnde Eindeutigkeit in der Erzählweise ist auf der einen Seite spannend, aber auch gefährlich, denn oftmals hat man als Zuschauer das Gefühl, dass sich das Erlebte für die Jugendliche als völlig normal darstellt. Hier stößt man dann schnell an eigene moralische Werte und Grundfesten, und wünscht sich (der Einfachheit halber??) eine klarere moralische Position im Film! Hier tritt auch das Manko des Filmes auf. Man merkt deutlich, dass Alan Ball ein Mann der TV-Serie ist. Dort hat er die Zeit, einen Charakter sich entwickeln, und die Serie ihren eigenen Rhythmus finden zu lassen. Bei einem Filmformat von knapp zwei Stunden (das entsprächen bei ihm 2 Episoden einer Serie!!) muss die Entwicklung um einiges komprimierter und straffer über die Bühne gehen. Somit wirkt der Film an einigen Stellen ein wenig überfrachtet. Trotzdem ist Unverblümt – Nichts ist privat ein ungewöhnlicher Film, der seine Geschichte erfrischend und gleichzeitig irritierend erzählt. Ein Film, der einen auch lange nach dem Nachspann noch nicht loslässt!
CFS