Review

Wieder sind Krokodile in einen Waldsee bei Maine unterwegs und jagen Klischeefiguren.
Wer mit „Lake Placid“ einen kleinen Tierhorrorfilm für Zwischendurch fand, dürfte ihn hiermit auch finden, sofern man denn gewillt ist, minder qualitative Computer-Krokodile in Kauf zu nehmen, die sich vorzugsweise über halbnackte Damen hermachen.
Alles Übrige beschert dem Betrachter einen wohl vertrauten Reigen mit schematischem Ablauf in charmant naiver Umsetzung.

Zumindest steigt man fix ein und lässt sogleich einen Öko-Typen über Bord gehen, der mit Wasserproben beschäftigt war. Sein unversehrter Partner bringt dessen sterbliche Überreste (Fuß und Arm) zu Sheriff Riley, der sich gemeinsam mit Artenschutzfrau Emma zur Untersuchungstour auf den See begibt.
Nachdem man bei der exzentrischen alten Einsiedlerin, die etwas über die Krokodile zu wissen scheint, auf taube Ohren stößt und sich ein arroganter Großwildjäger mit seinem Leibeigenen zu der Gruppe gesellt, gerät Sheriffs Sohn und dessen Clique unterdes am Ufer des Sees in Bedrängnis…

Wer dieses Abenteuer überleben wird, ist also von Beginn an klar und wem final das übelste Ableben widerfahren wird ebenfalls.
Denn hier wird an keiner Stelle mit Klischees gespart, Schwarzweiß-Malerei ist an der Tagesordnung. Sheriff lebt von seiner Frau getrennt, Sohn besucht ihn während der Sommerferien, das Verhältnis ist zu Beginn nicht gut. Dazu das hübsche Mädchen aus dem Ort, das zwar oberflächlich mit einem Idioten liiert ist, aber da geht noch was.
Als zweites Love Interest für Dad gibt´s die Artenschutz-Frau, zumal die schon mal was miteinander hatten, aber problematische Situationen schweißen bekanntlich wieder zusammen.
Wen man hier gar nicht mögen soll, ist der schnöselige Jäger, der bereits in der ganzen Welt gefährliche Bestien erlegte und hier mit einem ganzen Waffenarsenal anreist. Seinen dunkelhäutigen Adjutanten hat er einst im Sudan vorm Tod durch einen Löwen bewahrt, weshalb der arme Knabe ihm seit 14 Jahren quasi die Schuhe hinterher trägt.
Und dann gibt es noch die knarzige Einsiedlerin, der eine entscheidende Rolle zuteil wird, was im Verlauf aber keine Überraschung darstellt.

Die ist (glücklicherweise!) auch die Einzige, die nicht halb blank zieht, was die übrigen Damen schon tun, denn Artenschutz-Frau muss schließlich den Kopf des ersten Opfers aus dem See bergen, was leichter ist, wenn man beim Tauchen nur Unterwäsche trägt.
Planschen und Sonnenbaden ergibt ebenfalls knapp bekleidet einen Sinn, weshalb es auch eine herrlich naive Passage gibt, in der ein Trottel mit zwei Schönheiten zum Baden geht, was durch das Monsterkrokodil ein jähes Ende findet.
Ein leichtes Augenzwinkern ist dem Ganzen nicht abzusprechen, was der angepasste Score mit phasenweise gut gelaunten Tönen unterstreicht.

Ansonsten finden sich wohlbekannte Zutaten: Jugendliche finden Kroko-Nest und die dazugehörigen Eier, ständig wird über die Anzahl der tödlichen Monster spekuliert, Leute müssen schnell aus dem Wasser verschwinden, man geht mit verschiedenen Waffen zu Werke und zuletzt kommt natürlich noch die Rolle der Einsiedlerin ins Spiel.

Die eigentlichen Tierhorrorszenen werden hingegen das Publikum spalten, denn hier mangelt es an bissfesten Einsätzen der Kreaturen, die komplett aus dem Computer stammen. Was leider allzu deutlich ersichtlich ist, da sich die Objekte oft wie ein Fremdkörper durch die Landschaft bewegen, besonders beim Ein – und Austritt vom See sticht das negativ ins Auge.
Infolgedessen kommen hier lediglich Trash-Fans auf ihre Kosten, denn auch die meisten Bissszenen stammen aus dem Rechner. Wenn da ein Arm abgebissen wird, verschwindet der nach kurzem Einsatz roter Pixelfarbe im Nichts, genauso wie die meisten Opfer, die von Kroko oft nur rückwärts aus der Kulisse gezogen werden.

Aber zumindest ist die meiste Zeit ein ordentliches Tempo drin, man hält sich nur selten mit Nebensächlichkeiten auf, diskutiert nur ansatzweise über Artenschutz und spart damit peinliche Umweltkritik ebenso aus, wie ausführlich thematisierte Beziehungskisten, die sich eher innerhalb kurzer Situationen ergeben, als dass die Figuren breit und lang über ihre Gefühlswelt palavern.
Stattdessen werden zwischenzeitlich erheiternde Momente geboten, etwa, wie die Einsiedlerin mit einem Schmierenreporter verfährt oder einer schlafend vom Rettungsbaum fällt und direkt auf dem Panzer eines Krokodils landet (noch im wohligen Halbschlaf).

Insgesamt ergibt „Lake Placid 2“ also eine brauchbare, bei alledem aber keine gerechtfertigte Fortsetzung, die irgendwer sehnlichst erwartet hätte.
Denn dafür bieten weder Story noch Umsetzung (auch wenn die Kamera ein paar nette Landschafts- sowie Unterwasseraufnahmen bietet) eine außergewöhnliche Grundlage.
Ist eher was für eingefleischte Tierhorrorfans, die keinen Beitrag an sich vorüber ziehen lassen, - für die ist das ein Snack für Zwischendurch, wie für ein Zehn-Meter-Monster-Krokodil eine halbnackte Badeschönheit…
5,5 von 10

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