Na also! Es gibt sie doch noch, die kleinen Lichtblicke in der immer größer werdenden Welt deutscher Independent-Filmer.
Und als hätte das Team um Philip Polcar meine fast dauerhafte Kritik an deutschen Amateurproduktionen (Gute Effekte, hauchdünne Story) erhört, verlangt „Everlasting Hate“ eine unerwartet hohe Aufmerksamkeit ab, die sich letztlich durchaus bezahlt macht.
Auf den ersten Blick scheint es sich um einen durchschnittlichen Zombiestreifen zu handeln: Fünf Personen führt ihr Schicksal in ein abgelegenes Ferienhaus im Wald, wo sie sich verschanzen, weil draußen Untote wüten.
Die Untoten sind allerdings eher schickes Beiwerk, das für kleine Splattereinlagen zu gebrauchen ist, ansonsten aber hauptsächlich dafür sorgt, dass die fünf nicht vor der Situation und somit der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Person davon rennen.
Denn anteilmäßig haben wir hier eher einen Psycho-Thriller als Zombietreiben, der spürbaren Wert auf Charakterzeichnung legt.
Episodenhaft werden die einzelnen Protagonisten vorgestellt, bis sie schließlich in dem verlassenen Ferienhaus aufeinander treffen.
Da haben wir zunächst das Paar Adrian und Eva. Beide können sich seit längerer Zeit nicht mehr ab und tragen ihren jeweiligen Frust im Freundeskreis aus. Doch Weichei Adrian schlägt Zicke Eva eine Woche Ausspannen auf dem Land vor, wo man sich letztlich im Wald verläuft.
Auch Csaba und Enrico verlaufen sich im Wald, nachdem sie für ihren Boss (Drogentyp) einen Auftragsmord erledigt haben. Beide schießen häufig übers Ziel hinaus und statt Einschüchterung gibt es auch schon mal sadistische Einsätze mit Todesfolge.
Als Letztes wird der junge Obdachlose Finn vorgestellt, der nicht nur unter enormen Stimmungsschwankungen leidet, sondern primär von einem Gedächtnisverlust geplagt wird, - Er kann sich nur an das letzte Jahr erinnern, alles davor scheint wie weggeblendet zu sein.
Demzufolge ist Finn auch der interessanteste Charakter unter den Figuren und entsprechend wandelt er sich im Verlauf zur Haupt – und Kernfigur.
Äußerlich erscheint er zwar wie ein Metal-Freak auf Jesus-Trip, aber das Geheimnis um seine verdeckte Vergangenheit, die ihm nur bruchstückhaft in Visionen erscheint, weckt erhöhtes Interesse beim Betrachter.
So ist das Aufeinandertreffen der Personen, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet, entsprechend spannungsgeladen, was durch die beiden Schläger selbstverständlich gnadenlos provoziert wird.
Vereinzelt gelangen zwar hin und wieder ein paar Untote ins Haus, die (meistens) erfolgreich niedergeknüppelt werden, doch der Schwerpunkt liegt hier nicht bei ausgedehnten Fressszenen und übermäßigem Blutvergießen, sondern den Konflikten mit und unter den Figuren.
Dabei verleiht man dem Handlungsverlauf stets kleine Überraschungen und streut neue Geheimnisse, wie die römischen Ziffern über den Zimmertüren oder die Bedeutung der merkwürdigen Wanduhr. Auch Finns Vergangenheit gerät selbstverständlich ans Tageslicht, womit ein weiterer, jedoch leicht erahnbarer Plot-Twist hinzugefügt wird.
Am Ende bildet sich aus dem Ganzen zwar kein überdimensionales Aha-Erlebnis, doch man ist erstaunt, wie viel Köpfchen sich hinter dem Script verbirgt.
Und dabei vergisst man zeitweise sogar, dass es sich immer noch um eine Amateurproduktion handelt, denn auch inszenatorisch lassen sich nicht allzu viele Schwächen ausmachen.
Die größte Kritik geht dabei an die Idee, den fast kompletten Film in schwarzweiß zu halten.
Als Stilmittel geht das aber kaum durch, da lediglich in einer Szene ein Colorkey-Effekt eingesetzt wird und einige Flashbacks durch Farbfilter hervorstechen.
Ansonsten liefert die Kamera aber ordentliche und vor allem ruckelfreie Bilder, der Score ist völlig passabel, nur einige Splattereffekte leiden unter dem zu geringen Budget und wirken – trotz schwarzweiß – wenig realistisch. Auch das Mikro ist nicht immer günstig positioniert, einige Dialogpassagen sind nur schwach zu verstehen
Erfreulicherweise sind jedoch nahezu alle Darsteller überzeugend, auch wenn man häufiger mal ein wenig herkunftsbedingten Dialekt einbringt und stellenweise etwas overacted.
Dabei bekommt man gerade zu Beginn einen eher negativen Eindruck von darstellerischen Fähigkeiten, wenn drei Frauen beisammen sitzen und sich über Brad Pitt unterhalten und gnadenlos schwach improvisieren.
Doch ausgleichend gehen vor allem Robert Gulyas und Oliver Hafen in ihrer Rolle als sadistische Asis hervorragend auf und sind sogar für kleine Gags („Die dümmsten Bauern…“) zu gebrauchen.
Auch Dennis Panzer kann in der Rolle des Finn überzeugen, zumal er für diese Rolle eine optimale Erscheinung darstellt.
Im Endeffekt bin ich angenehm überrascht, dass es doch noch Independent-Produktionen gibt, die wert auf ein Drehbuch mit etwas Tiefe legen, anstatt pausenlos Köpfe und Gedärm in Großaufnahme abzulichten.
Hier wird man gefordert und nicht überfordert und nur selten lässt ein ungünstiges Timing für einen Moment Leerlauf entstehen.
Speziell für Zombiefans dürfte dieser Streifen eher eine Enttäuschung darstellen, Freunde von Amateurproduktionen, die bereit sind über den Genre-Tellerrand hinaus zu blicken, sollten aber einen Blick riskieren, - hiermit könnte man überdies eventuell bestehende Vorurteile gegenüber typisch deutschen Amateurproduktionen ausbügeln.
7 von 10