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Mit „The Assignment“ öffnete sich Regisseur Christian Duguay kurzfristig die Türen zu höheren Budgetregionen, ehe er seinen Kredit mit dem mäßigen „Extreme Ops“ wieder verspielte.
Hier beschäftigt man sich mit dem Mythos um den Terroristen Carlos Sanchez (Aidan Quinn), genannt der Schakal, jenem Mythos, auf den sich u.a. Robert Ludlums Bourne-Romane oder Frederick Forsythes zweimal verfilmter Roman „Der Schakal“ stützen. Carlos ist ein Unbekannter, ein Phantom, gerüchteweise gelegentlich im Auftrag von Geheimdiensten unterwegs, vor allem durch sein rücksichtsloses Vorgehen und Töten von Unschuldigen bekannt.
Bei einem Anschlag in der Vergangenheit konnte CIA-Agent Jack Shaw (Donald Sutherland) einen Blick auf Carlos werfen und ist fanatisch hinter dem Mann her, seitdem er selbst bei diesem Anschlag fast getötet wurde. Dann trifft er den Marineoffizier Annibal Ramirez (Aidan Quinn), der Carlos sehr ähnlich sieht. Er will ihn als Double einsetzen, um Carlos aus der Reserve zu locken, doch im Gegensatz zum herkömmlichen Agentenfilm weigert sich Ramirez verständlicherweise erstmal um der eigenen Gesundheit willen.

Erst nach langen Überredungsversuchen lässt sich Ramirez darauf ein und wird trainiert Carlos möglichst perfekt zu imitieren. Doch ist dies genug, um den gefährlichsten Mörder der Agentenwelt zu stellen?
Wie die meisten Filme von Christian Duguay kommt auch „The Assignment“ nicht ohne Action aus, hier spielt sie jedoch eine untergeordnete Rolle. Ramirez ist kein Superagent Marke Bond, der sich andauernd in Gefahr begibt, sondern wenn es rundgeht, dann geht es um sein Leben. Inszenatorisch macht das Gebotene aber gewohnt viel her, ist um des Realismus willen zwar nicht ganz so spektakulär wie andere Arbeiten des Regisseurs, doch stets nett anzusehen (vor allem die Erstürmung des Schlosses gegen Ende oder die Flucht durch die Stadt in der Mitte machen was her).
Dabei beschäftigt sich „The Assignment“ erfreulicherweise auch gründlich mit den Strapazen, die Ramirez auf sich nehmen muss. Er wird Carlos immer ähnlicher, entfremdet sich von seiner Familie, wird aggressiv und muss zudem auch gegen ethische Grundsätze verstoßen. Denn um Carlos zu imitieren, muss er Ehebruch und sogar Mord begehen, was sein Gewissen auf eine harte Probe stellt. Dabei bleibt „The Assignment“ ebenso realistisch wie packend und liefert ein glaubwürdiges Bild von Ramirez.

Erzählerisch versucht „The Assignment“ ebenfalls realistisch zu bleiben, weshalb das Ende nicht ganz hollywoodkonform und wenig märchenhaft ist. Leider übernimmt sich der Plot teilweise etwas an der komplexen Geschichte: In den Ermittlungsarbeiten sind immer wieder kaum deutlich gemachte Zeitsprünge zu finden und auch mit dem Tempo hat „The Assignment“ gelegentlich Probleme. So sind Ausbildung und weitere Vorbereitung Ramirez’ sehr ausführlich erzählt, während die eigentliche Jagd auf Carlos etwas knapp und stellenweise gehetzt wirkt. Zwar ist „The Assignment“ dank der realistischen Schilderung dabei stets interessant, aber die Spannung erleidet dadurch immer wieder ein paar unschöne Einbrüche.
Aidan Quinn ist in seiner Doppelrolle als Agent und Terrorist wirklich sehr überzeugend und liefert mit seiner differenzierten Darstellung die vielleicht beste Performance seiner Laufbahn ab. Die alten Recken Donald Sutherland und Ben Kingsley sind vielleicht nicht in Höchstform, verkörpern ihre Parts aber ebenfalls hervorragend. Und Christian Duguays Ehefrau Liliana Komorowska darf natürlich mal wieder in einer Nebenrolle mitmischen.

Es bleibt unterm Strich ein realistisch gehaltener und gerade dadurch ziemlich interessanter Politthriller mit wenigen, aber gelungenen Actioneinlagen. Leider braucht die Angelegenheit etwas um in Fahrt zu kommen und verheddert sich gelegentlich im Tempo, doch gute Unterhaltung bietet „The Assignment“ durchweg.

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